Nationale Sicherheit: Davor haben Schweizer wirklich Angst
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Nationale SicherheitDavor haben Schweizer wirklich Angst

Cyberwar, Migration, Atomkrieg – alles halb so wild, meint die Mehrheit der Schweizer. Doch eine Gefahr nehmen sie dennoch sehr ernst.

von
Olaf Kunz
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Wovor fürchten sich Schweizer? Hier die Hitliste der Gefahren laut Umfrage-Ergebnisse. Platz 10 ein Giftanschlag.

Wovor fürchten sich Schweizer? Hier die Hitliste der Gefahren laut Umfrage-Ergebnisse. Platz 10 ein Giftanschlag.

Keystone/Wally Santana
Platz 9: Dass durch einen Cyberwar die eigenen Waffen gegen die Schweiz gerichtet werden.

Platz 9: Dass durch einen Cyberwar die eigenen Waffen gegen die Schweiz gerichtet werden.

Keystone/Gaetan Bally
Platz 8: Ein Atomkrieg ergreift auch die Schweiz.

Platz 8: Ein Atomkrieg ergreift auch die Schweiz.

Keystone/Phil Sandlin

Die Schweizer Armee ringt nach Kräften um ihre Daseinsberechtigung und fürchtet um ihre Existenz – diesen Eindruck zumindest könnte man gewinnen, wenn man sich den Bedrohungskatalog von Armee-Chef André Blattmann vor Augen führt: Organisiertes Verbrechen unterwandert die Schweiz, Migranten stürzen die Eidgenossenschaft in Chaos und Anarchie oder aber Hacker übernehmen mit einem gezielten Angriff die Macht - in schillernden Farben werden fast im Wochenrhythmus neue Horrorszenarien skizziert. Allein: Das grosse Zähneklappern und Gruseln indes bleibt aus. Sieben von acht Menschen fühlen sich sicher, egal zu welchen drastischen Einschätzungen die Chefstrategen aus dem VBS kommen. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Web-Umfrage von 20 Minuten Online. Doch es gibt durchaus einige Dinge, vor denen sich Frau und Herr Schweizer tatsächlich fürchtet.

Stürmische Zeiten für die Schweiz

Dennoch haben Bedrohungs-Gebilde des Armee-Chefs ihre Spuren in der Wahrnehmung der Bevölkerung hinterlassen. Gefragt nach wirklich ernst zu nehmenden Gefahren für die nationale Sicherheit, nennen die Leser an dritter Stelle die Unterwanderung des Staates durch organisiertes Verbrechen. Auf Platz 2 der Angst-Hitliste stehen der massenhafte Zustrom von Migranten, der zu Chaos führen könnte. Dabei dürften vor allem Wohnraum-Knappheit, horrende Mieten und Arbeitsplatz-Konkurrenz im Hinterkopf rumschwirren. Interessant dabei: Menschen, die regelmässig Nachrichten mitverfolgen stimmen ihm tendenziell mehr zu als News-Abstinentler.

Doch ob hoher Medienkonsum oder nicht: Die gefühlt grösste und als sehr real eingestufte Gefahr für die Schweiz ist eine, die die Armee nicht auf der Rechnung hat: Die Klimaerwärmung. Die Ergebnisse zeigen, dass bedrohliche Stürme, Hitzewellen und Ozonloch alle Bedrohungen für die Eidgenossenschaft in den Schatten stellt.

Cyberkriminelle an der Macht?

Keine Angst indes löst ein denkbarer Cyberwar aus, bei dem kriminelle Hacker die Schweiz ins Visier nehmen und lahmlegen oder gar die Landesverteidigung für einen Angriff missbrauchen: «Stellen Sie sich vor, was passieren könnte, wenn die Codes zur Auslösung unserer Waffensysteme in falsche Hände geraten. Da würden wir an unserem Lebensnerv getroffen», führt Blattmann im Migros-Magazin aus. Darüber können vier von fünf Befragten nur den Kopf schütteln und abwinken: «Da die Computersysteme unserer Armee nicht kompatibel sind, haben Sie praktisch nichts zu befürchten. Was dem eigenen Personal der besten Armee der Welt nicht gelingt wird auch dem bösen Feind nicht gelingen», ist sich beispielsweise User «Sicherheitsexperte» im Talkback sicher.

Doch virtuell oder real: Die Mehrheit der insgesamt 4894 Umfrageteilnehmer findet es sinnvoll, dass mit Bedrohungskarte und dem Cyberwar-Masterplan a la Blattmann eine allgemeine Sicherheits-Diskussion angestossen wurde. Allerdings: Zwei Drittel der Leser, die sich zur nationalen Gefahr äusserten, sind davon überzeugt, dass die Armee im Falle eines konventionellen Angriffs die Schweiz verteidigen könnte. Von anderen Bedrohungen ganz abgesehen. Jeder zehnte ist überzeugt, dass die Schilderungen völlig überzogen und nicht zielführend sind. Und 12 Prozent sind gar der Meinung, dass Blattmann mit seinen Äusserungen selber schon fast eine Gefahr für das Land darstelle.

Die Angst hat Schlagseite

Dabei zeigt sich von links nach rechts ein deutliches Angstgefälle. So fühlen sich Menschen, deren politische Einstellung im wesentlichen mit der Grünen oder der SP-Politik deckungsgleich ist, weitaus sicherer in der Schweiz, als jene, die der SVP am nächsten stehen. So wägen sich 41 Prozent der SP-Anhänger nach eigenem Bekunden in der Eidgenossenschaft «absolut sicher». Bei den SVP-Sympathisanten hingegen sind es nicht einmal halb so viele.

Online-Umfrage

An der grossen Bedrohungsumfrage haben sich insgesamt 4894 User beteiligt, davon 4136 männliche und 762 weibliche. 90 Prozent der Teilnehmer sind in der Schweiz geboren und aufgewachsen. 7 Prozent sind zugezogen. 0,7 Prozent sind Ausländer und leben im Ausland, 2,3 Prozent sind Auslandschweizer.

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