Alltag in Nordkorea: Davor verschliesst Dennis Rodman die Augen
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Alltag in NordkoreaDavor verschliesst Dennis Rodman die Augen

Friede, Freude, Eierkuchen: Während Dennis Rodman versucht, Kim Jong-Un mit einer Hurra-Visite in ein gutes Licht zu rücken, zeigen andere Fotos, wie es wirklich in dem Land zugeht.

von
phi

Der vom US-Medienriesen «Vice» organisierte Besuch von Dennis Rodman in Nordkorea hat bereits Früchte getragen. Die Staatszeitung «Rodong Sinmun» widmete der Visite des früheren Basketballhelden die Titelgeschichte: Ein Foto von Kim Jong-Un und dem 51-jährigen Amerikaner, die sich gemeinsam in Pjöngjang ein Freundschaftsspiel ansahen, dient als Beweis, dass kein Blatt zwischen den 1,98 Meter grossen Mann aus New Jersey und den 33 Zentimeter kleineren Kim passt.

Nach dieser propagandistischen Jubelarie regt sich aber auch Kritik an Rodmans Lobhudelei. Der Tenor: Einem Regime, das sein Volk unterdrückt, Oppositionelle einsperrt und Kinder verhungern lässt, redet man nicht nach dem Mund. Aktuelle Bilder aus dem abgeschotteten Staat, die David Guttenfelder gemacht hat, zeigen, wie grau und gruselig der Alltag in der Diktatur aussieht (siehe obige Bildstrecke).

Der Asien-Cheffotograf der Nachrichtenagentur AP, die ein Büro in der Hauptstadt Pjöngjang betreibt, hat sich mit seinen eindrücklichen Aufnahmen aus Nordkorea einen Namen gemacht. Seine neuesten Schnappschüsse sind eine Premiere: Seit Januar 2013 müssen Ausländer nicht mehr ihre Mobiltelefone bei der Einreise abgeben. Sie können nun sogar das lokale 3G-Netz nutzen: Einige der Bilder wurden dann auch mit dem iPhone gemacht.

Was Rocky für die Sowjets ist Rodman für Pjöngjang

Dennis Rodman wird diese Liberalisierung egal sein. Der frühere NBA-Profi und seine Filmcrew genossen ganz augenscheinlich ihren Ausflug. «Vice»-Produzent Jason Mojica teilte etwa über Twitter mit: «Um…. Kim Jong-Un hat gerade die #ViceonHBO-Crew abgefüllt. Nein wirklich, es ist wahr.» Er wird später hinzufügen: «Nordkorea hat in Dennis Rodman und Vice einen Freund.» Aber die merkwürdigste Aussage ist wohl: «Sitze gerade in einem Hotelzimmer und schaue das Ende von Rocky IV… heulend.»

Er postet einen YouTube-Clip dazu, der zeigen soll, was er meint. Es ist Rockys finale Rede im Ring, in der er den Sowjetfunktionären nach dem Kampf erklärt, wie Demokratie funktioniert: «If I can change, you can change. Everybody can change.» In dem Hollywoodfilmchen stehen die Russen nach dieser Ansage natürlich auf und klatschen begeistert, doch Rodman ist nun mal kein Rocky - und etwas ändern in Nordkorea wird er schon gar nicht.

Festessen schlägt auf den Magen

Der US-Website «Gawker» gelang es am besten, den Besuch Rodmans einzuordnen. Sie stellte Aussagen wie denen von Jason Mojica einige Fotos aus nordkoreanischen Waisenhäusern gegenüber. Wenn man die Zitate des Vice-Reporters Ryan Duffy im Zusammenhang liest, ist das Ergebnis schockierend. «Das Abendessen war ein episches Fest. Es fühlte sich an wie zehn Gänge. Ich würde sagen, am besten waren geräucherter Truthahn und Sushi.» Gleichzeitig betrachtet man dabei verhungernde Kinder.

Auch die Aussagen von Vice-Gründer Shane Smith wollen einfach nicht passen, der über Kim Jong-Un meinte: «Wir wussten, dass er ein grosser Basketballliebhaber ist und besonders die Bulls mag. Als wir einreisten, war es unsere Absicht, auf eine Mission des guten Willens und der Freude zu gehen. Oft sind viele Dinge einfach zu ernst und alle machen sich so viele Gedanken über Weltpolitik, dass wir vergessen, einfach nur Menschen zu sein.» Hätte Shane Smith mit dem letzten Satz Nordkoreas Machtclique gemeint, hätte er etwas Intelligentes von sich gegeben.

Südkoreas neue Präsidentin reicht Kim Jong-Un die Hand

Südkoreas neue Präsidentin Park Geun Hye hat derweil Nordkorea eine weitreichende Zusammenarbeit für den Fall angeboten, dass sich das Nachbarland zum Verzicht auf Atomwaffen entschliesst. Zugleich warnte sie die Führung in Pjöngjang erneut vor Provokationen und rief diese zu Veränderungen auf.

«Während Nordkorea bei Provokationen mit strikteren Gegenmassnahmen rechnen muss, wird dessen Bereitschaft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und den Weg der Veränderungen zu gehen, mit einem flexibleren Engagement beantwortet», sagte Park in einer Rede zum 94. Jahrestag der koreanischen Unabhängigkeitsbewegung vom 1. März.

Vier Tage nach ihrer Amtseinführung bekräftigte Park ihre Absicht, die Grundlage für eine friedliche Vereinigung mit Nordkorea zu schaffen. Die Schaffung von gegenseitigem Vertrauen müsse in robusten Massnahmen für die Sicherheit Südkoreas wurzeln. Nordkorea müsse aber auch verstehen, dass es sich durch sein Atomprogramm oder Provokationen nur noch weiter isoliere.

Nordkorea hatte am 12. Februar unter Verletzung von UNO-Resolutionen seinen dritten unterirdischen Atomwaffentest unternommen und damit weltweit Kritik ausgelöst. Das Land hatte angedeutet, weitere nukleare Sprengsätze zünden zu wollen.

Rockys finale Rede. Quelle: YouTube/fedemc (phi/sda)

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