Streitgespräch zur No-Billag-Initiative: «De facto wäre die SRG tot»
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Streitgespräch zur No-Billag-Initiative«De facto wäre die SRG tot»

Im Frühling stimmen wir über die No-Billag-Initiative ab. Co-Initiant Silvan Amberg und Gegner Martin Candinas stellen sich Leserfragen.

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dp/daw

Geben sich kämpferisch: Initiant Silvan Amberg (r.) und Gegner Martin Candinas (l.). (Video: 20 Minuten)

In vier Monaten kommt die No-Billag-Initiative vors Volk – doch bereits wird heftig über die Abschaffung der Empfangsgebühren gestritten. Auf der 20-Minuten-Redaktion kreuzten Co-Initiant Silvan Amberg und CVP-Nationalrat Martin Candinas die Klingen. Sie bezogen Stellung zu einigen der rund 200 Fragen, die Leser gestellt haben.

Candinas: Die SRG ist ein Verein, der weiter bestehen kann. Aber: Der Gebührenanteil von 1,2 Milliarden Franken, der 75 Prozent der Einnahmen ausmacht, würde wegfallen – und auch Werbeeinnahmen würden wegbrechen. Es blieben maximal zehn Prozent der Gelder. De facto wäre die SRG tot.

Amberg: Die Initiative bedeutet keine Abschaffung. Klar, die SRG wird es in der heutigen Form nicht mehr geben. Sie wird etwa über ein Gebührenmodell neue Einnahmequellen erschliessen und etwas sparen müssen.

Candinas: Man kann nicht immer von Zwang reden. Wir bezahlen auch andere Abgaben. Die 365 Franken sind ein solidarischer Beitrag, dass es in allen Sprachregionen ein ausgewogenes Programm in Informationen, Unterhaltung, Sport und Kultur gibt. In rätoromanisch Bünden hätten wir sonst gar nichts.

Amberg: Ich rege mich auf, wenn ich etwas bezahlen muss, das mir unbestellt aufgedrängt wird – etwa, um ein überdimensioniertes rätoromanisches Angebot zu finanzieren. Das Kostenwachstum war zuletzt ungebremst.

Amberg: Die SRG ist nicht die einzige Hüterin der absoluten Wahrheit. Es gibt auch andere Medien. Medien sollten als vierte Gewalt auch staatskritisch sein. Zudem suggeriert die Frage, dass die SRG nicht mehr weiterbestehen würde.

Candinas: Das ist eine Illusion, wenn man glaubt, der Markt regle alles. Der Schweizer Markt ist klein. Fast alle regionalen TV-Sender hängen von Gebühren ab.

Amberg: Ich sehe Sparpotential beim Angebot. Die SRG müsste sich auf Nischen konzentrieren wie Newssendungem mit Schweiz-Bezug. Leider gibt es bei der SRG null Willen zum Sparen.

Candinas: Falsch! Es gibt ein Kostendach von 1,2 Mia. Franken. Ich bin aber gegen einen Kahlschlag. Sparen ginge nur mit weniger Eigenproduktionen und der Aufgabe der dezentralen Strukturen.

Amberg: Nur mit einem Ja werden die Zwangsgebühren abgeschafft. Die SRG würde wirklich reformiert.

Candinas: Ein Nein zu «No Billag» ist ein Ja zur SRG, zur Medienvielfalt und zu einem föderalistischen Medienland Schweiz.

In einer früheren Version dieses Artikel stand fälschlicherweise im Lead, dass Co-Initiant Silvan Amberg Mitglied der SVP sei und sein Vorname Christian laute. Die Redaktion entschuldigt sich für diese Fehler.

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