«Lasst mich in Ruhe meine Drogen nehmen» - Dealer platzte in Familienwohnung und hielt Mann Waffe an den Kopf
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«Lasst mich in Ruhe meine Drogen nehmen»Dealer platzte in Familienwohnung und hielt Mann Waffe an den Kopf

In der Wohnung befand sich auch ein zweijähriges Mädchen. Der Grund für das Eindringen: Der Beschuldigte soll sich unter dem Einfluss von Kokain eingebildet haben, dass Möbel umhergeschoben werden – dadurch habe er sich gestört gefühlt.

von
Steve Last
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Ein bewaffneter Mann löste im Juni 2020 in Birsfelden BL einen Polizeieinsatz aus.

Ein bewaffneter Mann löste im Juni 2020 in Birsfelden BL einen Polizeieinsatz aus.

20min/News-Scout
Er hatte sich in seiner Wohnung verschanzt, konnte aber ohne Gewalt in Gewahrsam genommen werden.

Er hatte sich in seiner Wohnung verschanzt, konnte aber ohne Gewalt in Gewahrsam genommen werden.

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Zuvor soll der Mann in eine Familienwohnung eingedrungen sein und dort Menschen bedroht haben.

Zuvor soll der Mann in eine Familienwohnung eingedrungen sein und dort Menschen bedroht haben.

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Darum gehts

  • Im Juni 2020 drang ein bewaffneter Mann in Birsfelden BL in eine Familienwohnung ein und bedrohte die Personen, die sich dort aufhielten.

  • Unter ihnen war ein zweijähriges Mädchen.

  • Am Mittwoch wird ihm am Baselbieter Strafgericht der Prozess gemacht.

Ein heute 46-jähriger Mann wird beschuldigt, im Juni 2020 in Birsfelden BL im Kokainrausch eine Familie in ihrer Wohnung mit einer Waffe bedroht zu haben. Am Mittwoch muss er sich deswegen vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten. Laut der Staatsanwaltschaft bildete sich der Beschuldigte, ein vietnamesischer Staatsangehöriger, während seines Drogenkonsums ein, dass in der Wohnung über ihm Möbel bewegt werden. Dieser «nicht bestehenden Lärmstörung» wollte er «mittels Drohung mit einer Schusswaffe ein Ende setzen», heisst es in der Anklageschrift.

Der mutmassliche Täter begab sich nach oben und betrat die Wohnung, in der er den eingebildeten Lärm vermutete, heisst es weiter. Dort habe er geschrien, er sei der neue Nachbar und man solle ihn in Ruhe seine Drogen nehmen lassen. Neben dem Beschuldigten sollen sich zum Tatzeitpunkt noch ein Mann, eine Frau und ein Kleinkind in der Wohnung aufgehalten haben.

Telefonkabel aus der Buchse gerissen

Gemäss Anklage forderte der Mann den Beschuldigten auf, die Wohnung zu verlassen, sonst rufe er die Polizei. Daraufhin habe der Eindringling eine Schusswaffe auf den Kopf des Mannes gerichtet. Die Waffe stellte sich später als nicht geladene, jedoch illegal schussfähig gemachte Schreckschusspistole heraus. Der bedrohte Mann sei in ein Zimmer geflüchtet und habe sich dort eingeschlossen, während er der Frau zugerufen habe, mit sich und dem kleinen Mädchen dasselbe zu tun.

Im Zimmer verbarrikadiert konnte der Mann die Polizei rufen und ein weiteres Familienmitglied warnen, nicht in die Wohnung zu kommen. Indes soll der Beschuldigte weiter durch die verschlossenen Türen gedroht haben, etwa mit den Worten: «Mach die Tür auf oder ich schiesse durch die Tür. Ich habe vier Kugeln». Nachdem es ihm nicht gelungen sei, die belagerte Familie aus ihren Zimmern zu bewegen, habe der Beschuldigte auf seinem Weg aus der Wohnung noch das Telefonkabel aus der Buchse gerissen.

Wie die Baselbieter Polizei damals kommunizierte, hatte sich der Beschuldigte danach rund 90 Minuten lang in seiner Wohnung verschanzt. Danach habe er sich aber gestellt, ohne dass es zu Gewalt gekommen sei.

Waffen- und Drogendelikte

Weil er die Familie «in Angst und Schrecken» versetzt habe, wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten Nötigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor. Auch hatte er keine Bewilligung für den Besitz einer Schusswaffe, weshalb er sich wegen Widerhandlung gegen das Waffengesetz verantworten muss. Hinzu kommen Handel mit und Konsum von Kokain und Cannabis: Er soll an Deals im Wert von mehreren hunderttausend Franken beteiligt gewesen sein.

Der Beschuldigte befand sich nach der Tat zweimal in Haft. Inzwischen ist das aber nicht mehr der Fall. Wie in der Anklageschrift steht, unterzieht er sich derzeit einer Suchttherapie.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

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