Aktualisiert 02.03.2017 21:39

ZementherstellerDealten weitere Schweizer Firmen mit Islamisten?

Um sein Werk zu schützen, soll Lafarge-Holcim in Syrien bewaffnete Gruppen unterstützt haben. Die Rohstoffbranche ist in Konfliktgebieten besonders exponiert.

von
F. Lindegger
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Der IS verfügt über verschiedene Einnahmequellen. Eine davon ist der Schmuggel von Antiquitäten ins Ausland.

Der IS verfügt über verschiedene Einnahmequellen. Eine davon ist der Schmuggel von Antiquitäten ins Ausland.

AFP/Aamir Qureshi
Dabei werden nur die kleineren Antiquitäten verkauft, die grossen, nicht verkäuflichen Stücke wie hier eine Steinplatte in Nimrud (Syrien) werden medienwirksam zerstört.

Dabei werden nur die kleineren Antiquitäten verkauft, die grossen, nicht verkäuflichen Stücke wie hier eine Steinplatte in Nimrud (Syrien) werden medienwirksam zerstört.

AFP
Öl-Verkäufe sind für die Terrormiliz ebenfalls wichtig. Das Öl wird per Tanklastwagen ins benachbarte Ausland geschmuggelt und dort mit regulär gefördertem Öl vermischt.

Öl-Verkäufe sind für die Terrormiliz ebenfalls wichtig. Das Öl wird per Tanklastwagen ins benachbarte Ausland geschmuggelt und dort mit regulär gefördertem Öl vermischt.

AP/Manu Brabo

Was hat die Schweizer Firma mit dem IS zu tun?

Der Zementkonzern Lafarge-Holcim mit Hauptsitz in Rapperswil-Jona hat zwischen 2013 und 2014 in Syrien offenbar Schutzgeld an bewaffnete Gruppen bezahlt. Eine interne Untersuchung habe ergeben, dass das lokale Werk Gelder an Dritte zahlte, «um den Betrieb weiterführen zu können», schreibt der Konzern in einer Mitteilung. Welche Gruppen von den Zahlungen profitierten, habe die Untersuchung nicht eindeutig ermitteln können. Die französische Zeitung «Le Monde» berichtete allerdings bereits im vergangenen Sommer, dass von den Zahlungen von Lafarge-Holcim auch der IS profitierte.

Hat der IS auch von anderen Schweizer Firmen profitiert?

Öl ist für den IS eine wichtige Einnahmequelle, und in der Schweiz sind einige der grössten Ölhändler ansässig. Da liegt der Verdacht nahe, dass der IS über den Ölhandel mit in der Schweiz domizilierten Firmen Profit machte. Der international geächtete IS kann aber sein Öl nicht einfach auf dem regulären Markt verkaufen. Vielmehr gelangt das Öl über verschlungene Pfade ins benachbarte Ausland. Dort wird das geschmuggelte IS-Öl mit regulärem vermischt, um die Herkunft zu verschleiern. Da sich die Herkunft von Öl nicht in jedem Fall 100 Prozent verifizieren lässt, ist es möglich, dass Öl des IS auch über Schweizer Händler verkauft wurde. Die hiesigen Ölhandelsfirmen bestreiten das aber.

Können Firmen in Konfliktgebieten überhaupt ohne Gesetzesverstösse aktiv sein?

In akuten Kriegsgebieten dürfte das kaum der Fall sein, sagt Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency International Schweiz. «Ein Unternehmen muss heute aber eine Nulltoleranzpolitik bei Korruption und Gesetzesverstössen leben.» Wenn das von einem Unternehmen nicht gewährleistet werden könne, dürfe es in der Region auch nicht tätig sein. «Sonst macht sich das Unternehmen strafbar», so Hilti.

Welche Branchen sind besonders für Korruption anfällig?

Laut Oliver Classen, Sprecher der NGO Public Eye, gibt es gerade in der Baubranche Anreize, in umkämpften Gebieten tätig zu sein. «Wo Mauern einstürzen, werden später neue gebaut», so Classen. Gemäss Transparency International ist die Rohstoffbranche allgemein ein besonders anfälliger Sektor. «Unter anderem deshalb, weil Rohstoffe oft auch in politisch instabilen Ländern abgebaut werden», so Hilti. Classen teilt die Ansicht. Neben Konflikten gehöre auch Korruption zu dieser Branche: «Ohne Zustupf an Mittelsmänner oder Machthaber gibt es häufig keinen Zugang zu Rohstoffen.»

Wie geht es bei Lafarge-Holcim nun weiter?

Das betroffene Werk hat Lafarge-Holcim im September 2014 nach der definitiven Besetzung durch den IS aufgegeben. Neben der bereits abgeschlossenen Untersuchung will der Zementkonzern neue Kontrollprogramme einführen, um ähnliche Vorkommnisse künftig zu verhindern. «Holcim hat relativ früh Prozesse zur Stärkung der Unternehmensverantwortung eingeführt und einen entsprechend guten Ruf», sagt Classen von Public Eye. Er hofft, dass sich von dieser «Corporate Culture» möglichst viel auf den neuen Lafarge-Holcim-Konzern übertrage. Die Schweizer Holcim gab im Frühling 2014 die Fusion mit dem französischen Konkurrenten Lafarge bekannt. Das Werk in Syrien erwarb Lafarge 2007.

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