Aktualisiert 06.08.2018 17:08

Sportdiscounter

Decathlon verzichtet auf Schweizer Hochpreise

Decathlon beginnt mit der Übernahme von Athleticum die grosse Expansion in der Schweiz. Der französische Händler will die gleichen Preise verlangen wie im Ausland.

von
R. Knecht
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2013 zeigte Athleticum sein neues Design. Jetzt ...

2013 zeigte Athleticum sein neues Design. Jetzt ...

Athleticum
... bleibt das Logo Blau-Weiss, aber der Name ändert sich in Decathlon.

... bleibt das Logo Blau-Weiss, aber der Name ändert sich in Decathlon.

Decathlon
Wie Decathlon am Sonntag mitteilte, sollen die 23 Geschäfte bis Herbst 2019 umgebaut werden.

Wie Decathlon am Sonntag mitteilte, sollen die 23 Geschäfte bis Herbst 2019 umgebaut werden.

Cyril Zingaro

Der französische Sporthändler Decathlon hat offiziell angekündigt, sämtliche Läden des Schweizer Händlers Athleticum zu übernehmen. Wie Decathlon am Sonntag mitteilte, sollen die 23 Geschäfte bis Herbst 2019 umgebaut werden. Die 455 Mitarbeiter der Schweizer Firma würden ihre Jobs behalten. Zudem werde Decathlon im Rahmen des Wechsels weitere Stellen schaffen, schreibt der Händler.

Decathlons Markteintritt in der Westschweiz erfolgte bereits 2016 mit der Lancierung eines Onlineshops. 2017 eröffnete die Firma ihren ersten Schweizer Laden in Neuenburg, im April dieses Jahres folgte der zweite in der Nähe von Genf. Diesen Herbst sollen die ersten umgebauten Athleticum-Filialen dazukommen.

Gleiche Preise wie im Ausland

Eine Sprecherin des Unternehmens sagt zu 20 Minuten, dass Decathlon sich zum Ziel gesetzt habe, in der Schweiz die gleichen Preise zu verlangen wie in den angrenzenden Ländern. Der Grund: Die Firma will Einkaufstourismus verhindern. «Wir wollen nicht, dass die Schweizer Kunden nach Frankreich oder Deutschland fahren, um unsere Produkte zu kaufen», so die Sprecherin.

Der Einkaufstourismus ist einer der Gründe, warum der Sporthandel in der Schweiz immer weniger Umsatz macht. Preisparität dürfte der Tendenz, ins Ausland einkaufen zu gehen, zwar entgegenwirken. Dafür dürften die Margen darunter leiden, da Löhne und Mieten in der Schweiz tendenziell höher sind als im Ausland.

Die Marge ist zweitrangig

Hohe Margen seien Decathlon weniger wichtig, sagt die Sprecherin zu 20 Minuten. Das Hauptziel für das Unternehmen sei derzeit effektiv, gleiche Preise wie im umliegenden Ausland bieten zu können. Falls das dem Unternehmen gelingt, dürfte das den Konsumenten natürlich freuen.

Aber kann eine solche Preisparität überhaupt funktionieren? Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft, nennt verschiedene Faktoren, auf die es ankommt. Zum einen sei die Einkaufsmacht des Unternehmens ausschlaggebend. Decathlon dürfte als einer der weltweit grössten Sporthändler den Vorteil haben, dass er grosse Volumen einkauft. Die Firma betreibt weltweit über 1400 Filialen.

Eigenmarken bieten Vorteile

Ein weiterer Vorteil, den das als Preisbrecher etablierte Unternehmen hat, ist, dass Decathlon vor allem auf Eigenmarken setzt. Weniger als ein Drittel der Ware des Händlers kommt von den grossen Brands wie Nike oder Adidas. Die Markenhersteller haben laut Slembeck oft selbst eine hohe Marge, wodurch dem Händler weniger vom Verkauf bleibt.

Besonders wichtig für den Wettbewerb hält Slembeck den Onlinehandel. Online herrsche der stärkste Konkurrenzkampf. Auch hier hat Decathlon bereits einige Vorarbeit geleistet: Die Firma betreibt schon seit fast zwei Jahren einen Onlineshop in der Schweiz.

Preise sind bisher nicht gleich

Da das Unternehmen sowohl in der Schweiz als auch im Heimatland Frankreich je einen eigenen Onlineshop betreibt, bieten sie sich für einen Preisvergleich an. 20 Minuten hat einige Stichproben gemacht. Diese zeigen, dass die Preisparität zumindest momentan nicht gänzlich gegeben ist.

Zwar sind einige Produkte in der Schweiz praktisch gleich teuer wie im französischen Shop, doch gerade bei Markenprodukten gibt es oft Preisunterschiede von circa 15 Prozent. Seine Pläne für die Preisparität muss Decathlon also erst noch verwirklichen, bevor die Firma dem Einkaufstourismus tatsächlich Einhalt gebieten kann.

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