Wein richtig lagern: Dein Wein wird im Keller besser – auch wenns schwer fällt
Getty Images/EyeEm
Publiziert

Wein richtig lagernDein Wein wird im Keller besser – auch wenns schwer fällt

Zugegeben: Die meisten Weinflaschen landen recht schnell im Glas. Solltest du aber besondere Weine trotzdem mal zu Hause lagern wollen, haben wir ein paar Tipps für dich.

von
Lucien Esseiva

Weine zu lagern hat etwas ziemlich Erwachsenes, Vernünftiges, ausserdem schwingt ein leicht elitärer Touch mit. Es sind wenige Weintrinker und Weintrinkerinnen, die gekaufte Flaschen erst einmal für ein paar Jahre in den Weinkeller legen und für besondere Momente aufsparen. Dabei hat das Lagern von Wein einige Vorteile.

Chillen macht den Wein besser

Ältere, gelagerte Weine überraschen oft mit einer Fülle an spannenden Geschmäckern. 

Ältere, gelagerte Weine überraschen oft mit einer Fülle an spannenden Geschmäckern.

Foto von Polina Tankilevitch von Pexels

Die meisten Weine aus dem Supermarkt werden bereits in einem trinkreifen Alter verkauft. Trotzdem tut es feinen Tropfen oft gut, wenn sie ein paar Monate bis Jahre im Keller ruhen können. Besonders Rotweine geniessen die Auszeit und werden mit den Jahren weicher und runder, weil sie beim Altern Tannine (Gerbstoffe) abbauen. Ausserdem kitzelt das Lagern die sogenannten Tertiäraromen (Primäraromen stammen von den Trauben, Sekundäraromen entstehen bei der Gärung) aus dem Wein heraus – das beschert deinem Tropfen ungeahnte Geschmacks-Nuancen.

Welche Weine kann man lagern?

Weine aus dem Bordeaux eigenen sich sehr gut zum Lagern. 

Weine aus dem Bordeaux eigenen sich sehr gut zum Lagern.

Foto von Matthew Hintz von Pexels

Eine Lebensdauer von zwei bis drei Jahren ist für Weine eigentlich normal – danach sollte sie getrunken werden. Welche Weine länger gelagert werden können, ist von vielen Faktoren abhängig. Bei Rotweinen hat der Anteil der Gerbstoffe einen Einfluss, aber auch die Flaschengrösse macht einen Unterschied. Weil das Luft- Wein-Verhältnis in grossen Flaschen kleiner ist, reifen diese Tropfen langsamer und bleiben darum auch länger gut.

Portwein kannst du ewig lagern

Vereinfacht gilt: Je hochwertiger ein Wein, desto länger kann man ihn lagern. Zum Beispiel gute Bordeaux, Burgunder, Côte du Rhones, italienische DOCG oder spanische Gran Reservas. Weissweine brauchen einen hohen Süsse- oder Säuregehalt, damit sie lange im Keller reifen können. Portweine, die einen höheren Alkohol- und Zuckergehalt haben, lassen sich sogar bis 100 Jahre lang lagern.

Weine mögen keine Überraschungen

Ein kalter Wein am warmen Strand – herrlich! Weine hingegen sind ziemliche Mimosen, denn sie mögen Temperaturschwankungen überhaupt nicht. 

Ein kalter Wein am warmen Strand – herrlich! Weine hingegen sind ziemliche Mimosen, denn sie mögen Temperaturschwankungen überhaupt nicht.

Getty Images

Damit ein Wein beim Lagern gut bleibt und vielleicht sogar besser wird, braucht er eine konstante Temperatur. Durch das Ausdehnen des Weins bei Hitze und dem Zusammenziehen bei Kälte geht viel Aroma verloren und der Korken leidet. Bei Temperaturen über 25 Grad verflüchtigt sich der Geschmack besonders schnell. Die perfekte Lagertemperatur liegt bei zwischen 10 und 13 Grad – das gilt für Rot- und Weisswein.

Die Luft muss stimmen

Frische Luft mag Wein nur, kurz bevor er getrunken wird. 

Frische Luft mag Wein nur, kurz bevor er getrunken wird.

Rachel Claire von Pexels

Dass Weine ziemlich sensible Geschöpfe sind, zeigt sich auch daran, dass sie (wie viele Menschen auch) weder zu tiefe, noch zu hohe Luftfeuchtigkeit mögen. Ist der Lagerraum zu feucht, löst sich die Etikette ab und der Korken kann Schimmel ansetzen. Bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit trocknet der Korken aus, er wird porös und es kann Luft eindringen. Im schlimmsten Fall läuft der Wein gleich ganz aus. Experten und Expertinnen empfehlen eine Luftfeuchtigkeit von 70 bis 85 Prozent – ein Wert, der eigentlich nur in einem Naturkeller oder einem Weinklimaschrank zu erreichen ist.

Wein mag es dunkel

Wird es dunkel, ist es Zeit für ein gutes Glas mit Freundinnen und Freunden. Deine besten Weine mögen diese Tageszeit übrigens auch am liebsten. 

Wird es dunkel, ist es Zeit für ein gutes Glas mit Freundinnen und Freunden. Deine besten Weine mögen diese Tageszeit übrigens auch am liebsten.

Lisa Fotios von Pexels

UV-Strahlen sind Gift für guten Wein, sie rufen chemische Reaktionen hervor, was sich in Farbe und Geschmack bemerkbar macht. Darum sollte man seine besten Tropfen im dunklen Keller lagern und immer nur kurz Lichteinstrahlungen aussetzen. Ist Abdunkeln nicht möglich, kann man seine Weine einfach im Karton oder in der Holzkiste lassen.

Niemals geschüttelt und schon gar nicht gerührt

Einen Wein im Reifeschlaf sollte man so wenig wie möglich stören. Erschütterungen und Bewegungen mögen besonders Rotweine nicht, weil dann der Bodensatz, der sich im Reifeprozess bildet, aufgewirbelt wird.

Liegen oder Stehen?

Glücklich darf sein, wer ein solches Weinregal im Keller hat.

Glücklich darf sein, wer ein solches Weinregal im Keller hat.

Bruno Cantuária / Pexels

Der Fall ist klar: Weine sollten liegend gelagert werden, weil so der Korken von innen befeuchtet wird und elastisch bleibt. Nur Champagner darf stehen. Dort befeuchten die Bubbles den Korken auch gut von unten.

Deine Meinung

17 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Connaisseuse

26.01.2021, 14:39

Wein schmeckt vor allem im Mund oder auch nicht.

Bolleri

26.01.2021, 13:52

Im Keller wird der Wein nicht besser, sondern dort wird er geklaut

Nadeli

26.01.2021, 12:15

Die ganze gute Lagerung bringt nichts, wenn die meisten Leute keine richtigen Gläser für den Wein verwenden. Dann kommen so Sprüche wie auch ein 10 Frankenwein sei nicht besser als der für 40. Stimmt, aus den falschen (oft zu kleinen) Gläsern schmeckt jeder Wein flach. Aus einem richtigen Weinglas wird man den Unterschied sofort feststellen.