3 mit Sex - «Deine Vagina ist so schön und eng»
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3 mit Sex«Deine Vagina ist so schön und eng»

Männer kommentieren gerne Ellas Geschlechtsteil. Heute ist sie deswegen richtig wütend.

von
Meret Steiger
Zora Schaad
Ella
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Ella ärgert sich über Männer, die Vulven mit Austern und Truthähnen vergleichen.

Ella ärgert sich über Männer, die Vulven mit Austern und Truthähnen vergleichen.

Illu: Anna Deér
Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägel umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägel umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Ella regt sich auf: Über Männer, die Vulven mit allerlei Tieren vergleichen.

  • Ausserdem möchte sie die Sache mit dem «Ausleiern» ansprechen – das soll nämlich ein Gerücht sein.

  • Ella wünscht sich von den Männern mehr Verständnis und möchte nicht wie ein Steak behandelt werden.

«Bella, deine Mumu ist so eng und saftig, man könnte meinen, ich sei der Erste.» Ich weiss nicht mehr, wer das gesagt hat. Schlimm genug, dass ich noch weiss, dass es der Typ überhaupt gesagt hat, während er in mich eindrang und sich seinen Entjungferungsfantasien hingab. Ob auf der morgendlichen Skipiste oder bei den Ladies, geht doch nichts darüber, der Erste zu sein, der seine Spuren in die weiche Masse fräsen darf, nicht wahr, Jungs? Ich fühlte mich bei seiner Aussage jedenfalls wie ein Stück Rindfleisch in der Pfanne, das ein unerfahrener Koch mit der Daumenprobe malträtiert, um zu sehen, ob es schon gar ist. Und selbst wenn sein Urteil dabei gut ausfällt: bringt es dem Rindlein – also mir – dann auch nichts mehr.

Bleiben wir bei den Tieren, aber wechseln wir den Spieler. Claudio war das. Einer meiner ersten Liebhaber überhaupt. «Du hast mal eine prima Pussy, Ella, ich sag dir, da gibts ganz anderes: TRUTHÄHNE hatte ich schon!» Truthähne? Ich schaute schuldbewusst an mir runter, sah zwischen schlecht rasierten grossen Labien zwei kleinere Labien, so klein auch wieder nicht, sie waren ein bisschen gefältelt und nicht ganz gleich gross.

«Warum wissen wir Frauen eigentlich nicht viel genauer, wie andere Vulven aussehen?»

Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Erfahrungen mit Frauen (nicht, dass es heute viel besser aussieht, damn) und musste mich auf Claudios Urteil verlassen. Warum wissen wir Frauen eigentlich nicht viel genauer, wie andere Vulven aussehen? Haben andere Frauen wirklich Labien, die aussehen wie diese Hautlappen, die den Truthähnen über die Schnäbel lampen? Asymmetrisch, rot, ledrig? Und wenn ja, ist das hässlicher als symmetrisch-fleischfarbene? Später googelte ich, dass Truthennen Truthahn-Typen mit besonders langem Hautlappen und bunten Farben am Kopf besonders sexy finden. Aber dieses Wissen macht Frauen, deren Geschlechtsteil grad indirekt mit dem Hautlappen eines männlichen Federviehs verglichen wurde, auch nicht unbedingt sehr glücklich.

Giuseppe, auf Tauchgang zwischen meinen Schenkeln: «Cara, wie gern ich dich rieche und schmecke, wie eine frische Auster bist du. Und glaub mir, ich war auch schon mit Frauen; da ist der Hafen von Neapel eine Frischwasserquelle dagegen.» Ja, Freund*innen, wenn etwas «da unten» ein noch grösseres Tabu ist als das Aussehen unserer Vulvas, dann ist es der Geruch der Vagina. Er ändert im Lauf des Zyklus von joghurt-säuerlich zu metallisch, und da die Harnröhre quasi grad ums Eck ist und auch wir Frauen manchmal schwitzen, kann da noch die eine oder andere Geruchsnote dazukommen. Fazit: Wir schämen uns. Unnötig, natürlich, denn nichts am weiblichen Geschlechtsteil ist ernsthaft eklig, schon gar nicht bei einer Frau, in die man ja grad seinen Penis und seine Zunge stecken möchte.

Anders siehts aus, wenn eine Infektion vorliegt: dann kann es fischig riechen. Faulig. Unangenehm für euch Stecher? Maybe. Aber für die Frau weitaus schlimmer. Von den Beschwerden, die wir dabei erleiden, gar nicht zu sprechen. Was wir dann brauchen? Eine Umarmung, einen ziemlich notfallmässigen Termin bei dem*der Gynäkolog*in, zur ersten Symptomlinderung vielleicht ein Milchsäurepräparat aus dem Laden (im Regal bei den Tampons, auch ihr findet das, Boys) – und ganz sicher keine dummen Sprüche.

«Also, ihr Würstchens: Die Vagina wird zwar etwas gedehnt beim Sex – aber ausleiern kann sie nicht»

Der dümmste Spruch, btw, ist der mit der Turnhalle. Mehrfach gehört in «lustigen Runden», nie auf mich bezogen, aber trotzdem, wtf?! Gemeint sind Frauen, deren Vaginen offenbar so «ausgeleiert» sind, dass sich Sex mit ihnen anfühle, wie einen Cervelat in eine Turnhalle zu werfen. Sagen irgendwelche Spargellords und ich weiss nicht, ob ich mehr cringe oder mehr schäume ab der Bemerkung. Also, ihr Würstchens: Die Vagina wird zwar etwas gedehnt beim Sex – aber ausleiern kann sie nicht. Nicht, wenn sie Kinder gebiert, nicht wenn sie Sex hat, nicht mal, wenn sie viel und gern und oft Sex hat.

Ausleiern kann aber die Geduld. Die Geduld mit Männern, die weibliche Geschlechtsorgane bewerten und die Frauen shamen, um damit bei anderen zu punkten. Die Frauen gerne «eng» aka unberührt wollen, selbst aber mit ihren Sex-Erfahrungen prahlen. Die kaum je zu einem*r Urolog*in gehen und fröhlich Erreger unter ihren Vorhäuten mit sich schleppen, die sie den Frauen dann weitergeben. Und die sich dann auch noch beklagen, wenn die Frauen unter Symptomen leiden und unpässlich sind. Echt ihr, packt eure Hodensäcke und Adieu merci.

P. S. Ja, ich weiss schon, die meisten von euch sind gar nicht so. Die meisten von euch sagten sogar Dinge über meine Mumu, die mich mit den Aussagen von Giuseppe, Claudio und so versöhnten. Danke.

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3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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