4. Generation Skoda Octavia: Delikate Operation am Herz der Marke
Aktualisiert

4. Generation Skoda OctaviaDelikate Operation am Herz der Marke

Der Octavia ist das wichtigste Modell für Skoda. Deshalb gehen die Entwickler bei der neuen Modellgeneration äusserst behutsam vor.

von
Dave Schneider
Das Vorserienmodell des Top-Sellers Octavia ist aussen wie innen komplett zugeklebt. Doch das Fahren damit fühlt sich vertraut an: Kompakt und harmonisch, wie es eben typisch ist für die tschechische VW-Tochter.

Das Vorserienmodell des Top-Sellers Octavia ist aussen wie innen komplett zugeklebt. Doch das Fahren damit fühlt sich vertraut an: Kompakt und harmonisch, wie es eben typisch ist für die tschechische VW-Tochter.

Skoda
Den grössten Schritt in Richtung Zukunft nahm aber der Innenraum: Die Atmosphäre ist heller, freundlicher und frischer. Die Mittelkonsole, die Instrumententafel, das Cockpit, die Bedienphilosophie – alles wurde komplett neu konzipiert.

Den grössten Schritt in Richtung Zukunft nahm aber der Innenraum: Die Atmosphäre ist heller, freundlicher und frischer. Die Mittelkonsole, die Instrumententafel, das Cockpit, die Bedienphilosophie – alles wurde komplett neu konzipiert.

Skoda
Testfahrt durch idyllische Landschaften in der Toskana: In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat der Octavia massgebend dazu beigetragen, dass sich Unternehmen und Marke so erfolgreich entwickeln konnten.

Testfahrt durch idyllische Landschaften in der Toskana: In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat der Octavia massgebend dazu beigetragen, dass sich Unternehmen und Marke so erfolgreich entwickeln konnten.

Skoda

Zufrieden mit der Arbeit Ihrer Ingenieure, Herr Maier? «Absolut», antwortet der Skoda-Chef auf dem Beifahrersitz. Natürlich muss er zufrieden sein mit dem Endprodukt, in dem wir nach über fünf Jahren Entwicklungszeit nun über die kurvigen Strassen der Toskana fahren. Schliesslich hat er den neuen Octavia als oberste Instanz für gut befunden und abgesegnet.

Doch Bernhard Maier ist Perfektionist. «Kleinigkeiten mussten sie noch ändern, etwa bei diesen Luftausströmern hier», sagt er und streicht mit den Händen über die angesprochenen Bauteile in der Mittelkonsole. «Die wollte ich hier bündig haben. Bei so etwas bin ich pingelig». Abgesehen von den Lüftungsdüsen ist aber noch nicht viel zu sehen – das Vorserienmodell, in dem wir sitzen, ist noch getarnt und aussen wie innen komplett zugeklebt. Nur das Lenkrad mit dem Skoda-Logo weist auf das Fabrikat hin. Doch es fühlt sich vertraut an; kompakt und harmonisch, wie es eben typisch ist für die tschechische VW-Tochter.

«Bitte sagen Sie es, falls Ihnen etwas nicht gefällt...»

...fordert uns Maier freundlich auf, «vielleicht können wir es ja noch ändern». Nein, am Fahrverhalten gibt es nichts zu bemängeln, und mehr kann während dieser ersten Ausfahrt ohnehin nicht ausprobiert werden. Was war nun der grösste Entwicklungsschritt bei der neuen Modellgeneration? «Bei den Assistenzsystemen und im digitalen Angebot passierte die herausragendste Veränderung». Diese neuen Dienste seien absolut markengerecht umgesetzt worden. «Ich sag den Entwicklern immer, unser Slogan sollte lauten: Skoda – bei uns werden sie nicht verzweifeln», lächelt Maier. «Das ist uns beim neuen Octavia sicher geglückt».

Szenenwechsel. Nach der Probefahrt im getarnten Vorserienmodell am Nachmittag steht am Abend ein weiteres Zusammentreffen mit dem neuen Octavia auf dem Programm – diesmal ist der Tscheche unverhüllt und auf einem Podest ins beste Licht gerückt. Vorher mussten wir Journalisten allerdings unsere Handys in Mini-Tresore einschliessen und eine Vereinbarung unterschreiben, dass von dieser Veranstaltung nichts nach aussen dringen darf, bis Konzernmutter Volkswagen die neue Generation des VW Golf präsentiert hat.

Keiner der anwesenden Skoda-Vorstände will das bestätigen, doch dass der Octavia dem Golf immer näher rückt und ihn in einigen Märkten bereits überholt und abgehängt hat, sorgt nicht nur für Freude in Wolfsburg. Deshalb schaut VW sehr genau darauf, welche Technik im tschechischen Konkurrenten verbaut werden darf und welche dem Golf vorbehalten bleibt.

«Der Octavia ist das Herz der Marke...»

...eröffnet CEO Bernhard Maier seine Rede und bekräftigt damit die Bedeutung dieses Modells. In den vergangenen sechs Jahrzenten habe diese Baureihe massgebend dazu beigetragen, dass sich Unternehmen und Marke so erfolgreich entwickelt hätten. «Ich bin überzeugt, dass die neue Generation nun ihren Teil dazu beiträgt, dass diese positive Entwicklung weiter anhält.»

Tatsächlich laste eine grosse Verantwortung auf diesem einen Modell, betont auch Entwicklungsvorstand Christian Strube. «Entsprechend behutsam mussten wir bei der Entwicklung der neuen Modellgeneration vorgehen.» Das Ziel sei deshalb nicht eine Revolution, sondern eine Evolution gewesen. Also die Weiterentwicklung der bestehenden Werte und ein Transfer des Octavia ins digitale Zeitalter, ohne dabei die bewährten Erfolgsfaktoren zu verletzen. «Der Markenslogan Simply Clever wird nun auf die digitale Welt ausgeweitet», so Strube.

Behutsam mussten auch die Designer vorgehen. «Natürlich soll der Neue gleich als Octavia zu erkennen sein», sagt Designchef Oliver Stefani. Die Änderungen sind dennoch augenscheinlich. Schärfere Linien, eine gepfeilte Frontpartie, vor allem aber Voll-LED-Leuchten vorne und hinten, die nun das Erscheinungsbild des Kombis prägen: vorne wird das Doppelaugengesicht des Vorgängers nur noch durch Lichtbögen inszeniert, am Heck sorgen verspielte LED-Muster für einen unverkennbaren Auftritt.

Innen wurde komplett neu konzipiert

Den grössten Schritt in Richtung Zukunft nahm aber der Innenraum: Die Atmosphäre ist heller, freundlicher und frischer. Die Mittelkonsole, die Instrumententafel, das Cockpit, die Bedienphilosophie – alles wurde komplett neu konzipiert. «Das dunkle Interieur wurde bei den vorangegangenen Modellgenerationen oft kritisiert», gibt Designer Karl Neuhold zu. «Das haben wir nun geändert».

Neben diversen Benzin- und Dieselvarianten ist neu eine Mildhybridversion im Angebot, dazu wird es wieder eine Erdgasvariante geben. Vor allem aber wird der Octavia nach dem grösseren Superb nun auch mit Plug-in-Hybridantrieb angeboten. Spannend dabei: Diese Steckerversion wird in zwei Leistungsstufen angeboten – die stärkere davon in der Sportvariante Octavia RS.

Und damit ist auch gleich eine weitere Frage geklärt: «Ja, den beliebten RS wird es weiterhin geben», bestätigt Entwicklungschef Strube – allerdings nicht nur als frontgetriebener Benziner oder als Diesel mit Allrad wie bisher, sondern eben auch als Plug-in. Auch der robuste Octavia Scout wird weiterhin angeboten, genauso wie die Stufenhecklimousine – letztere jedoch nicht in der Schweiz, wo fortan nur noch der Kombi verkauft wird.

Weltpremiere am 11. November

Bevor der neue Octavia wieder unter einem Tuch verhüllt und bis zu seiner Weltpremiere am 11. November verborgen gehalten wird, betont CEO Maier erneut die Wichtigkeit dieser Modellreihe. Und er unterstreicht, wie glücklich er mit der Arbeit der Entwickler und mit dem Endprodukt ist. «Er ist der beste Octavia aller Zeiten – noch geräumiger, praktischer und sicherer als je zuvor. Pünktlich zu seinem 60. Geburtstag machen wir mit der neuen Generation einen grossen Schritt nach vorne».

Erfolgsfaktor Octavia

Seit seiner Wiederbelebung 1996 wurden weltweit über 6,1 Millionen Octavia verkauft. Die bereits vor 60 Jahren eingeführte Baureihe ist somit der klare Bestseller von Skoda und auch in der Schweiz sehr beliebt: Seit 2017 führt der Tscheche die hiesige Verkaufshitparade an, hat also den Dauerbrenner Golf nach vierzig Jahren Regentschaft an der Spitze abgelöst.

In Europa belegt der Octavia aktuell den achten Verkaufsrang, bei den Kombis liegt er unangefochten auf Platz 1. Entsprechend wichtig ist diese Baureihe für die tschechische VW-Tochter, die ihrerseits fünf Prozent zum tschechischen Bruttoinlandprodukt und neun Prozent zum Gesamtexport des Landes beiträgt.

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