Dominierende Variante - Delta greift in Portugal um sich – was heisst das für die Sommerferien?

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Dominierende VarianteDelta greift in Portugal um sich – was heisst das für die Sommerferien?

Die deutschen Behörden setzen Portugal auf die Risikoliste. Reiseanbieter sind verärgert. Auch das BAG prüft, das Land als Variantengebiet einzustufen.

von
Pascal Michel
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Deutschland hat Portugal auf die Virusvariantenliste gesetzt.

Deutschland hat Portugal auf die Virusvariantenliste gesetzt.

20min/Celia Nogler
Beim Bundesamt für Gesundheit prüft man diesen Schritt erst. 

Beim Bundesamt für Gesundheit prüft man diesen Schritt erst.

20min/Taddeo Cerletti
Schweizer Reisebüros holen ihre Kundinnen und Kunden in Portugal deshalb noch nicht zurück.

Schweizer Reisebüros holen ihre Kundinnen und Kunden in Portugal deshalb noch nicht zurück.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • In Portugal dominiert bereits die Delta-Variante des Coronavirus.

  • Deutschland hat das Land deshalb als Land mit besorgniserregenden Varianten eingestuft.

  • Das beschert den dortigen Reisebüros Ausfälle.

  • Die Schweiz wartet noch zu.

Das deutsche Reisebüro Olimar, das sich auf die Destination Portugal spezialisiert hat, holt mehrere hundert Kundinnen und Kunden aus dem Land zurück. Olimar bietet den Kundinnen und Kunden die frühzeitige Rückreise am Montag an - weil die Corona-Fallzahlen aufgrund der Deltavariante stark ansteigen. Die deutschen Behörden haben Portugal deshalb auf die Risikoliste gesetzt.

Olimar führt einen Ableger in Zürich. Ein Sprecher gibt aber Entwarnung: «Schweizer Gäste können weiterhin ihre Ferien in Portugal geniessen.» Das BAG stuft Portugal nicht als Land mit besorgniserregender Virusvariante ein - noch nicht.

BAG prüft Aufnahme in Risikoliste

«Das BAG beobachtet die Entwicklung in Portugal aufmerksam und prüft eine allfällige Aufnahme auf die Liste besorgniserregender Länder», heisst es auf Anfrage. Für Einreisende aus solchen Ländern gelte: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen Test machen und sich in Quarantäne begeben. Für Portugal und Grossbritannien hat der Bund die Empfehlung herausgegeben, auf Reisen zu verzichten.

Bei Olimar ist der Schaden aufgrund des Entscheids der deutschen Behörden angerichtet. «Wir verlieren einen Umsatz von etwa 2,5 Millionen Euro – je länger die deutsche Einstufung allerdings bleibt, desto höher wird der Schaden», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten. Er würde sich von den deutschen Behörden eine «Schweizer Einstellung» wünschen: «Hier wird ja alles sofort dramatisiert.» Die Zahlen in Portugal würden in der nächsten Woche wieder sinken, ist der Reisebüro-Sprecher überzeugt.

Richtige Reiseversicherung ist entscheidend

Schweizer Reisebüros können aufatmen. Hotelplan verzeichnet noch keine Anfragen von Portugal-Reisenden, die ihre Ferien vorzeitig abbrechen wollen. «Solange Portugal nicht auf der BAG-Liste ist, ergreifen wir keine Massnahmen», sagt Sprecherin Bianca Gähweiler. Sobald dies aber der Fall sei, biete man Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, geplante Reisen kostenlos zu annullieren oder eine frühzeitige Rückkehr zu organisieren.

Vermiest uns die Delta-Variante nun also die Sommerferien? Globetrotter-Chef André Lüthi bleibt gelassen und rät zum «gesunden Menschenverstand». «Das BAG macht einen sehr guten Job - solange Portugal nicht als Virusvariantengebiet geführt wird, besteht noch kein Handlungsbedarf.»

Lüthi weist darauf hin, dass Reiseveranstalter mehrheitlich Kulanz zeigten, wenn Destinationen zum Risikogebiet erklärt würden. Trotzdem bleibe eine gewisse Eigenverantwortung: «Vor einer Reise sollte man genau prüfen, was eine Reiseversicherung kostet und was diese abdeckt.» Bei einer Reise, die 3000 Franken kostet, könne sich eine spezielle Covid-19-Versicherung für circa 70 Franken dann lohnen.

Flüge werden umgebucht statt annulliert

Die Fluggesellschaft Swiss beobachtet, dass die Ausbreitung der Deltavariante nicht zwingend zu weniger Buchungen führt. Vielmehr werden Reisen umgebucht. «Seit Grossbritannien wieder auf der BAG-Risikoliste steht, hat die Nachfrage nach Flügen dorthin abgenommen. Hingegen ist die Nachfrage zum Beispiel nach Palma de Mallorca aufgrund der gelockerten Einreisebestimmungen gestiegen.»

Der Globetrotter-Chef hofft, dass trotz der Delta-Variante die Reiseziele ausserhalb Europas bald wieder für Touristen öffnen. Entsprechende Signale gebe es aus Thailand, das im Oktober die Grenzen wieder aufmacht, oder von US-Präsident Biden, der aktuell prüfen lässt, ob er die Einreisesperren in die Vereinigten Staaten ab September aufheben will. Für das Sommerferiengeschäft kommt das zu spät: «Viele Reisebüros werden dieses Jahr bis zu 70 Prozent Umsatzeinbruch erleiden. Wir hoffen auf das Reisejahr 2022.»

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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