Fallzahlen und Hospitalisierungen - Was bedeutet die Ausbreitung der Delta-Variante für die Schweiz?
Publiziert

Fallzahlen und HospitalisierungenWas bedeutet die Ausbreitung der Delta-Variante für die Schweiz?

Der Vormarsch der aggressiven, hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus lässt die Ansteckungen weltweit in die Höhe schnellen. Wie siehts in den Gesundheitssystemen aus?

Flammt die Pandemie erneut auf? Vor diesem Szenario warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Grund ist der weltweite Vormarsch der aggressiven Delta-Variante des Coronavirus. Sie ist eine von derzeit vier besorgniserregenden Virus-Varianten, welche die WHO als sogenannte «Variants of Concern» (VOC) listet.

Sie ist bereits in 111 Ländern der Welt aktiv, Tendenz steigend: In der zweiten Juliwoche alleine meldeten 15 weitere Länder Neuansteckungen mit dieser Variante.

Delta-Variante und der «Sorgenherbst»

Die Delta-Variante ist nicht nur ansteckender, sie zieht auch deutlich häufiger Spitalaufenthalte nach sich als andere Mutanten – wobei gerade auch jüngere Menschen betroffen sind.

Mit Blick auf die Verbreitung der Delta-Variante und die europaweit steigenden Fallzahlen warnt der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn bereits vor einem «Sorgenherbst» und einer vierten Welle. Auch in England sieht ein Epidemiologe angesichts der radikalen Öffnungen einen «schwierigen Sommer» kommen: Am «Freedom Day» vom vergangenen Montag war die Deltavariante fast zu 100 Prozent für alle Neuinfektionen verantwortlich.

Grossbritannien

Keine Masken beim jährlichen Schwäne-Zählen in Maidenhead bei London am 20. Juli. 

Keine Masken beim jährlichen Schwäne-Zählen in Maidenhead bei London am 20. Juli.

REUTERS

Die Hoffnung nicht nur der britischen Regierung: Wegen der fortgeschrittenen Impfkampagne – 69 Prozent der erwachsenen Briten sind bereits vollständig geimpft, 88 Prozent haben die erste Dosis erhalten – seien die vielen Neuansteckungen weit weniger besorgniserregend als noch in der Vergangenheit.

Tatsächlich ist in Grossbritannien die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf über 34’000 gestiegen, die Zahl der Todesfälle und Spitaleinweisungen, im Vergleich zum Januar, ist jedoch weitgehend stabil.

Doch scheint der Druck langsam zu steigen: Während am 4. Juli 2683 Spitaleintritte verzeichnet wurden, waren es eine Woche später, am 11. Juli bereits 3940. Dabei waren 60 Prozent derjenigen, die mit einer Covid-Erkrankung im Krankenhaus liegen, ohne Impfschutz, während 40 Prozent diesen hatten (ob vollständig oder nicht, ist unklar).

Israel

In Israel dachten viele, die Epidemie sei ausgestanden. Die Delta-Variante des Coronavirus macht ihnen nun einen Strich durch die Rechnung. 

In Israel dachten viele, die Epidemie sei ausgestanden. Die Delta-Variante des Coronavirus macht ihnen nun einen Strich durch die Rechnung.

REUTERS

Auch in Israel steigen die Neuansteckungen wegen der Delta-Variante markant. So markant, dass die Maskenpflicht und Beschränkungen wie der «Grüne Pass» wieder eingeführt wurden. Zuletzt wurden binnen 24 Stunden 1400 neue Fälle gemeldet.

Und dies, obgleich in Israel mehr als 56 Prozent vollständig geimpft sind. Die Zahl der schweren Krankheitsverläufe bleibt bislang tief – wenngleich die wöchentlichen Krankenhauseintritte zunehmen: Von 88 am 11. Juli auf 152 am 18. Juli.

Frankreich

In Frankreich ist für den Besuch von Museen, Theatern, Kinos und Touristenattraktionen ab diesem Mittwoch ein negativer Corona-Test oder ein Impf- oder Genesungsnachweis notwendig. 

In Frankreich ist für den Besuch von Museen, Theatern, Kinos und Touristenattraktionen ab diesem Mittwoch ein negativer Corona-Test oder ein Impf- oder Genesungsnachweis notwendig.

REUTERS

Frankreich, wo gut 42 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft ist, hatte die Schutzmassnahmen vor einigen Wochen breit gelockert. Doch jetzt spricht die Regierung wegen der ansteckenden Delta-Variante mittlerweile von einem «stratosphärischen» Anstieg bei den Neuinfektionen. Deswegen kehren einige Regionen zu Beschränkungen zurück. Binnen eines Tages wurden am Montag 18’000 Neuinfektionen registriert – das entspricht einem Anstieg von 150 Prozent in einer Woche.

Das hat sich jedoch (noch) kaum in den wöchentlichen Spitaleintritten niedergeschlagen: Am 4. Juli gab es davon 767, am 11. Juli 721. Dennoch geht die Angst von der Ruhe vor dem Sturm um, die Regierung sorgt sich, dass die Spitäler bis zum Ende des Sommers erneut unter Druck geraten könnten.

Kalifornien, USA

In Kalifornien sind über 51 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen vollständig geimpft – doch auch hier steigen die Ansteckungen markant, gerade unter den Ungeimpften. 

In Kalifornien sind über 51 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen vollständig geimpft – doch auch hier steigen die Ansteckungen markant, gerade unter den Ungeimpften.

REUTERS

Die besonders ansteckende Delta-Variante macht auch in den USA mittlerweile rund 83 Prozent aller untersuchten Infektionen aus. Beispiel Kalifornien: Hier sind über 51 Prozent der Bewohner und Bewohnerinnen vollständig geimpft. Der Bundesstaat hatte nur zögerlich, am 15. Juni dann aber vollständig geöffnet. Der tiefe 7-Tagesschnitt mit rund 900 Fällen schien das zu rechtfertigen.

Jetzt aber, hat auch hier die Delta-Variante zugeschlagen: Am 19. Juli wurden mit 4027 Neuansteckungen so viele wie zuletzt im Februar verzeichnet, eine Zunahme von 191 Prozent im Vergleich zu vor zwei Wochen. Von Ende Juni bis Mitte Juli verzeichneten die Hospitalisierungen einen Anstieg von 51 Prozent, wie die «Los Angeles Times» schreibt. Die Todesfälle stünden dazu aber nach wie vor in keinem Verhältnis.

So geht denn auch eine Reihe von Experten und Expertinnen davon aus, dass auch die Delta-Variante des Coronavirus in Kalifornien keine Zustände wie im letzten Jahr verursachen wird. «Mittlerweile ist es wirklich eine verhinderbare Krankheit», geben sich die hiesigen Behörden optimistisch – vorausgesetzt, das Impftempo lässt nicht nach. «Wollen wir diese Epidemie auslöschen, müssen wir uns impfen lassen. Punkt, Schluss», so Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom.

Schweiz

Auch in der Schweiz wirken sich die steigenden Fallzahlen derzeit nicht auf die Hospitalisationen aus. 

Auch in der Schweiz wirken sich die steigenden Fallzahlen derzeit nicht auf die Hospitalisationen aus.

REUTERS

Auch in der Schweiz steigen die Fallzahlen wieder rapide – wobei die Delta-Variante unterdessen rund 75 Prozent aller Coronavirus-Fälle ausmacht. Auch hier wirkt sich das derzeit nicht negativ auf das Schweizer Gesundheitssystemsteigen aus.

So sind die Hospitalisierungen auf einem niedrigen Niveau, der 7-Tagesschnitt liegt bei drei bis vier Spitaleinweisungen. Strengere Massnahmen will der Bund bei über 120 Hospitalisierungen ergreifen, wobei man davon zurzeit aber «weit weg» sei.

(gux)

Deine Meinung

195 Kommentare