Nachfolge für Tiger-Kampfjets: Dem «Greif» gehts an die Nieren
Aktualisiert

Nachfolge für Tiger-KampfjetsDem «Greif» gehts an die Nieren

Auf dem Militärflugplatz Emmen wird in diesen Tagen der Kampfjet Gripen auf Herz und Nieren geprüft. Der Jet des schwedischen Flugzeugbauers Saab ist neben dem Eurofighter und dem französischen Rafale Kandidat um die Nachfolge des Tigers.

Die Tiger-Kampfjets werden 2013 bis 2015 ausser Dienst gestellt. Die Luftwaffe benötigt deshalb neben den noch verbleibenden 33 FA18 neue Kampfjets.

Die Armasuisse informierte am Dienstag über die Evaluation. Bis Dezember wird in je vierwöchigen Blöcken der Gripen, der französische Dassault Rafale (ab 9. Oktober) und der europäische EADS Eurofighter (ab 6. November) geprüft.

Nutzen-Kosten-Analyse

Ziel sei es, Nutzen und Kosten des jeweiligen Flugzeugtyps festzustellen, sagte Jürg Weber, der bei der Armasuisse dem Projekt vorsteht. Es handle sich um eine rein technische und finanzielle Beurteilung und um keine politische Wertung.

Geprüft werden die Flugzeuge auf ihre operationelle Wirksamkeit, aber auch auf ihre Eignung für die Schweizer Milizarmee und ihre Infrastruktur. Ein weiterer Punkt sind mögliche militärische Kooperationen und Beteiligungen der Schweizer Industrie.

Bei den Kosten geht es neben der Beschaffung auch um die Anpassung der Infrastruktur, die der neue Jet nach sich zieht. Evaluiert werden ferner die Betriebs- und Instandstellungskosten für total 30 Jahre.

Identische Testläufe

Chef-Testpilot Res Schmid sagte, der Gripen, der Rafale und der Eurofighter würden drei identischen Testprogrammen unterzogen und auf ihre Vor- und Nachteile geprüft. Es werde absolute Transparenz herrschen.

Von jedem Hersteller stehen für die Tests je zwei Zweisitzer zur Verfügung. Jeder Typ wird in 26 Missionen getestet, und zwar von Testpiloten der Armasuisse für technische Messungen sowie von der Luftwaffe für die operationelle Beurteilung.

Zum Testprogramm gehören auch Lärmmessungen. Die Auswertungen werden von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) vorgenommen. Wie stark der Lärm beim Entscheid gewichtet wird, war am Dienstag in Emmen nicht zu erfahren.

Sensible Daten

Auch wenn die Armasuisse Transparenz verspricht, wird der Evaluationsbericht nicht veröffentlicht, dies weil darin sensible Daten enthalten sind. Offengelegt wird der Bericht aber teilweise den zuständigen Parlamentskommissionen.

Der Entscheid, ob der Gripen, der Rafale oder der Eurofighter dereinst im Schweizer Luftraum zum Einsatz kommt, dürfte im Juli 2009 fallen. Das neue Flugzeug soll im Rüstungsprogramm 2010 beantragt werden. Die Kosten werden auf 2,5 Milliarden Franken geschätzt. (sda)

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