Aktualisiert 26.03.2017 01:15

Die Nati schlägt auch Lettland

Dem Händchen von Petkovic sei Dank

Die Nati zeigt im Fernduell mit Portugal weiterhin keine Blösse. Sie besiegt Lettland in Genf durch einen Joker-Treffer von Josip Drmic 1:0.

von
E. Tedesco, Genf
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Samstag, 25. März 2017Josip Drmic sorgt für die Schweizer Erlösung. Der Gladbach-Stürmer trifft zum 1:0-Sieg gegen Lettland.

Samstag, 25. März 2017Josip Drmic sorgt für die Schweizer Erlösung. Der Gladbach-Stürmer trifft zum 1:0-Sieg gegen Lettland.

FreshFocus/Marc Schumacher
Drmic wird in der 64. Minute für Gelson Fernandes eingewechselt und trifft kaum zwei Minuten später.

Drmic wird in der 64. Minute für Gelson Fernandes eingewechselt und trifft kaum zwei Minuten später.

Keystone/Laurent Gillieron
25'000 Fans bejubeln den Schweizer Sieg in Genf.

25'000 Fans bejubeln den Schweizer Sieg in Genf.

FreshFocus/urs Lindt

Was ist das für eine schöne Geschichte! Zwei Minuten nach seiner Einwechslung bringt Josip Drmic die Schweiz 1:0 in Führung. Ausgerechnet der Gladbacher, der nach einem Knorpelschaden ein Jahr lang weg vom Fenster war. «Ein Tor wäre das schönste Zeichen für alle», sagte Drmic vor dem Spiel im Interview mit 20 Minuten. Drmic machte sich seinen Wunsch wahr. Es war sein erster Treffer nach der Genesung und der erste für die Nati seit November 2015.

Es war eine Erlösung für die rund 25'000 Fans im Stade de Genève und für die Fans zuhause am TV. Das WM-Ausscheidungsspiel gegen Lettland wurde zum erwartet schwierigen Spiel. Im Jargon heisst das: ein Geduldsspiel. Die Nummer 111 der Fifa-Weltrangliste wehrte sich gegen die Nummer 11 aus der Schweiz mit Händen und Füssen.

Der Ball wollte nicht ins Tor

Die Nati trat dominant auf. War im Vorfeld der Partie häufig die Rede von Schweizer Akteuren, die über wenig Spielpraxis verfügen, war auf dem Feld davon nichts zu sehen.

Die Schweiz hatte Lust auf das Spiel. Das zeigte sich daran, wie viele Chancen sie sich erspielte. Aber der Ball wollte nicht ins Tor gehen. Da war es wieder das Problem, das sich auch in den letzten Partien im Herbst 2016 akzentuiert hatte. Wie beim knappen 2:1-Sieg in Andorra und gegen die Färöer (2:0) letzten November in Luzern.

Shaqiri vergab beste Chance zum 1:0

Auch in Genf zeigte sich, dass es gegen vermeintlich kleinere Mannschaften nicht so einfach ist. «Wir müssen effizienter werden», sagte Admir Mehmedi vor dem Spiel. «Wenn wir früh ein Tor erzielen, wird es danach einfacher», war das Rezept von Haris Seferovic. Aber was in der Theorie einfach tönt, erfüllte sich nicht gegen die Letten.

Der Reihe nach scheiterten Blerim Dzemaili (17.), Haris Seferovic (19.), Granit Xhaka zweimal und auch Xherdan Shaqiri. Die dickste Möglichkeit vergab Shaqiri (48.), der den Ball vollkommen freistehend aus kurzer Distanz Vanins in die Handschuhe schob. Überhaupt stand der FCZ-Keeper zwischen den Pfosten der Balten immer wieder mit starken Paraden im Mittelpunkt – und den Schweizern vor der Sonne. Bis Drmic kam.

Vergebene Grosschance von Shaqiri

Xherdan Shaqiri vergibt in der 48. Minute alleine vor Andris Vanins. (Video: SRF)

Shaqiris Grosschance (Video: SRF)

Mit dem fünften Sieg en suite hält sich die Schweiz in der Gruppe B weiter schadlos. Der Kurs stimmt und im Fernduell mit Europameister Portugal zeigt die Nati weiterhin keine Blösse. Mit dem Sieg in Genf egalisiert die Mannschaft von Vladimir Petkovic damit auch längste Siegesserie eines Schweizer Fussball-Nationalteams. Fünf Siege in Folge, das gab es erst einmal, in den frühen 60er-Jahren unter Trainer Karl Rappan. Die Schweiz ist so gut wie noch nie.

Drmics erste Ballberührung führt zum Tor

Kurz vor Ablauf der 64. Minute eingewechselt, in der 66. Minute trifft er zum 1:0. (Video: SRF)

Drmics 1:0 (Video: SRF)

Der doppelte Ronaldo

Portugal gewinnt das Verfolgerduell in der WM-Qualifikation B daheim gegen Ungarn überzeugend mit 3:0. Der Europameister bleibt drei Punkte hinter der Schweiz klassiert.

Mit Leichtigkeit kommt Portugal seit dem 0:2 gegen die Schweiz zum Auftakt der WM-Qualifikation zu seinen Siegen: 6:0 gegen Andorra und die Färöer, 4:1 gegen Lettland und am Samstagabend in Lissabon nun ein 3:0 gegen Ungarn. Die Osteuropäer, die gegen Portugal in der EM-Vorrunde in Frankreich in einer denkwürdigen Partie 3:3 gespielt hatte, konnten der Mannschaft um Cristiano Ronaldo nur eine halbe Stunde lang Paroli bieten.

Innerhalb von knapp fünf Minuten sorgte Portugal für die Vorentscheidung. In der 32. Minute traf André Silva zum 5. Mal im 5. WM-Qualifikationsspiel und kurz darauf legte der 21-jährige Stürmer vom FC Porto für Ronaldo auf, der mit einem Flachschuss erfolgreich war. Ronaldo doppelte in der 65. Minute mit einem Freistoss-Tor nach. Es war sein 70. Treffer im 137. Länderspiel. Die Portugiesen präsentierten sich stilsicher, zogen ihr Kurzpassspiel überzeugend auf und hatten auch den Zug zum Tor, den viele frühere Nationalmannschaften Portugals vermissen liessen.

Ungarn hatte Portugal nur wenig entgegen zu setzen. Der Mannschaft des Deutschen Bernd Storck fehlte es schlicht an der Qualität, um die spielfreudigen Gastgeber mehr zu fordern. Für Storcks Truppe ist einer der ersten beiden Plätze in der Gruppe kaum mehr zu erreichen. Die Schweiz hat fünf Spieltage vor Schluss auf das drittplatzierte Ungarn acht Punkte Vorsprung. Die Entscheidung um den ersten Platz und die direkte Qualifikation für die WM in Russland dürfte angesichts der bisherigen Resultate wohl erst am letzten Spieltag fallen. Dann treffen am 10. Oktober Portugal und die Schweiz im zweiten Duell aufeinander.

Andorra beendet Niederlagenserie

Im dritten Spiel der Gruppe B kam Andorra zu einem seltenen Erfolgserlebnis. Es spielte daheim gegen die Färöer 0:0 und beendete damit eine 58 Qualifikationsspiele andauernde Niederlagenserie. Seit dem 0:0 gegen Finnland am 3. September 2005 hatte Andorra alle WM- und EM-Qualifikationsspiele verloren. Der Erfolg hatte sich ein bisschen angekündigt: Ende Februar feierte das Team des Kleinstaates mit dem 2:0 gegen San Marino den ersten Sieg seit über 12 Jahren.

Schweiz - Lettland 1:0 (0:0)

Genf, Stade de Genève. - 25'000 Zuschauer. - SR Besborodow (RUS).

Tor: 66. Drmic (Mehmedi) 1:0.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Moubandje; Gelson Fernandes (64. Drmic), Xhaka; Shaqiri (77. Zuber), Dzemaili, Mehmedi; Seferovic (84. Freuler).

Lettland: Vanins; Freimanis, Jagodinskis, Gorkss, Solovjovs; Laizans; Visnakovs (57. Gabovs), Lazdins (77. Gutkovskis), Kluskins, Davis Ikaunieks (69. Rakels); Sabala.

Bemerkungen: Schweiz ohne Rodriguez, Behrami und Embolo (alle verletzt), Lettland ohne Maksimenko (gesperrt) und Rudnevs (familiäre Gründe).

Verwarnungen: 28. Lazdins (Foul). 49. Fernandes (Foul). 52. Schär (Foul). 54. Freimanis (Foul).

Portugal - Ungarn 3:0 (2:0).

Lissabon. - SR Marciniak (POL).

Tore: 32. André Silva 1:0. 36. Ronaldo 2:0. 65. Ronaldo 3:0.

Portugal: Rui Patricio; Cédric, Pepe, Fonte, Guerreiro; João Mario (83. Moutinho), William Carvalho, André Gomes (86. Pizzi); Quaresma, André Silva (67. Bernardo Silva), Ronaldo.

Ungarn: Gulacsi; Lang (46. Lovrencsics), Paulo Vinicius, Kadar, Korhut; Nagy; Bese, Gyurcso (69. Kalmar), Gera (85. Pinter), Dzsudzsak; Szalai.

Bemerkungen: Verwarnungen: 61. Dzsudzsak. 76. Gera. 83. Kadar (alle Foul).

Andorra - Färöer 0:0.

Andorra la Vella. - SR Valjic (BIH).

Andorra: Gomes; Chus Rubio (46. Garcia), Llovera, Lima, San Nicolas; Jordi Rubio (77. Clemente), Pujol (54. Alex Martinez), Vieira, Vales, Cristian Martinez; Alaez.

Färöer: Nielsen; Naes, Viljormur Davidsen, Gregersen, Klettskard; Johan Davidsen, Bartalsstovu (70. Hansen), Hansson; Edmundsson, Vatnhamar, Sörensen (2. Justinussen).

Bemerkungen: 74. Gelb-Rote Karte gegen Edmundsson.

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