Aktualisiert 11.11.2004 11:09

DVDDem Himmel so fern – dem Oscar so nah

Drama – In Todd Haynes Meisterwerk herbstet es gleich in mehrfacher Hinsicht: Wir schreiben das Jahr 1957. Die Whitakers leben in Hartford, Connecticut, und führen ein scheinbar perfektes Ehe- und Familienleben. Doch die kleinbürgerliche Idylle trügt: Cathy (Julianne Moore) und Frank (Dennis Quaid) haben sich auseinander gelebt: Während Frank seine homosexuelle Neigung nicht länger vor sich und anderen verbergen kann (und deshalb einen Psychiater aufsucht, der ihm ernsthaft eine Elektroschock-Therapie vorschlägt), bandelt seine sexuell frustrierte Ehefrau mit dem dunkelhäutigen Gärtner (Dennis Haysbert) an. Eine Scheidung scheint unabwendbar – im Amerika der späten Fünfzigerjahre eine gesellschaftliche Katastrophe.

In stark gesättigten Farben zeugen Todd Haynes' Bilder Gemütszustand der Protagonisten. Zu Beginn ist alles Oberfläche, bis ins letzte Detail durchgestylt. Erst im Laufe des Films fokussiert die Kamera auf die Hauptdarsteller. Während Dennis Quaid seine Rolle als verunsicherter Ehemann seltsam hölzern interpretiert, ist Julianne Moores schauspielerische Leistung eines Oscars würdig (sie wurde in dieser Rolle dafür nominiert). Hinzu kommt ein dezenter Soundtrack von Elmer Bernstein.

Das Ende ist allerdings unbefriedigend. Das mag zwar Haynes' Botschaft sein (in den Fünfzigerjahren waren am Ende alle unbefriedigt), funktioniert aber in dem Hollywood-Kontext, in dem der

Film sonst steht, selt-

samerweise nicht.

Martin Söhnlein

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.