Jungfraujoch – Dem Himmel so nah

Schweiz Tourismus / Sylvia Michel
Publiziert

JungfraujochDem Himmel so nah

Zwischen Massentourismus und Wissenschaft: Hoch oben auf dem Jungfraujoch treffen zwei gegensätzliche Welten aufeinander. Ein Besuch an der Schlüsselstelle für Klima- und Umweltforschung.

von
Aurelia Schöb

Die Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch ist weltweit einer der besten Orte, um Klima- und Umweltforschung zu betreiben. Hier, in den Alpen mitten in Europa, trennen sich Nord- und Südwetter und besonders im Winter ragt die Station dank ihrer hohen Lage bis in die freie Schicht der Troposphäre hinein. Diese Luftschicht ist normalerweise nicht von lokalen Verschmutzungen wie Abgasen betroffen.

Zudem ist das Jungfraujoch die höchstgelegene dauernd bemannte Wetterstation Europas. Neben zahlreichen modernsten Messgeräten verlässt man sich für die Wetterbeobachtungen immer noch auf das menschliche Auge. Mehrmals täglich beschreiben die Ehepaare, die abwechselnd auf dem Joch als Betriebswarte arbeiten, Meteo Schweiz die Art der Wolken, auf welchen Höhen sich diese befinden und wie gut die Sicht ist.

Zentral ist ihre Arbeit auch für zahlreiche Forschungsprojekte zu Klima- und Umweltfragen. Denn die Erderwärmung, die als Thema zwar omnipräsent ist, aber als konkrete Bedrohung gleichzeitig doch weit weg scheinen kann, ist hier mess-, seh- und spürbar. Durch die Aufzeichnungen der vielen Messgeräte, die jede noch so kleine Veränderung in der Atmosphäre wahrnehmen, aber auch beim blossen Blick in ihre Umgebung: Der Permafrost in den Felsen taut, überall tropft Wasser von den Wänden, Steinschläge werden häufiger. Heute regnet es im Sommer manchmal tagelang, noch vor wenigen Jahren gab es drei Tage Regen, sonst fiel immer Schnee. Und auch der Gletscher ist bei Weitem nicht mehr so mächtig, wie er einst war.

Die Forschungsanlage wurde 1931 eröffnet und teilt sich auf in Station und Sphinx-Observatorium auf der namensgebenden Felsenkuppe rund 100 Meter darüber. Im Innern beherbergen diese mehrere Labore und Werkstätten als auch ein kleines Hotel für die Forschenden und die Wohnung der beiden Betriebswart-Paare.

Das Wetter erleben

Auf dem Wetterberg

An den Flanken des Säntis entlädt
sich die kühle Polarluft und
beschert dem höchsten Berg der
Ostschweiz teils Wetterextreme wie die höchste gemessene Schneedecke im Land oder die meisten Blitze im Jahr. In der Ausstellung «Säntis – der Wetterberg» auf dem Gipfel werden die Wetterphänomene erlebbar gemacht.

Infos unter saentisbahn.ch

Im Wolken-Labor

Wie ein mit Alufolie umwickeltes
Silo sieht sie aus, die «Cloud
Chamber» des CERN. Weil Wolken
unser Klima erheblich beeinflussen und das Wissen, wie sie entstehen, wichtige Erkenntnisse für die Klimaerwärmung liefert, werden sie hier erforscht.

Führungen: visit.cern

In der Schneemaschine

Im Institut für Schnee- und
Lawinenforschung in Davos
wachsen übers ganze Jahr
Eiskristalle an Nylonfäden. Die
Erkenntnisse daraus, etwa
wie belastbar und wärmeleitend
Schneeflocken sind, liefern
Hinweise für die Lawinen- und
Klimaforschung.

Führungen: slf.ch

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

0 Kommentare