Jihadisten-Prozess: Dem IS angeschlossen, weil die Hochzeit platzte
Aktualisiert

Jihadisten-ProzessDem IS angeschlossen, weil die Hochzeit platzte

Im niedersächsischen Celle läuft der Prozess gegen zwei IS-Heimkehrer. Ein Angeklagter erklärt, wieso er anstatt bei den «Hells Angels» als Selbstmordattentäter in Syrien landete.

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Die beiden Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg - Ebrahim H.B. (l.) und Ayoub B. (hinter dem Ordner) - stehen seit dem 3. August 2015 in Celle vor Gericht.

Die beiden Deutsch-Tunesier aus Wolfsburg - Ebrahim H.B. (l.) und Ayoub B. (hinter dem Ordner) - stehen seit dem 3. August 2015 in Celle vor Gericht.

AFP/Holger Hollemann
Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Frühling 2014 für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien in den Krieg gezogen zu sein. Der Ältere soll zudem eine «schwere staatsgefährdende Gewalttat» vorbereitet haben.

Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Frühling 2014 für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien in den Krieg gezogen zu sein. Der Ältere soll zudem eine «schwere staatsgefährdende Gewalttat» vorbereitet haben.

epa/Holger Hollemann / Pool
In einem Statement erklären beide, dass sie Opfer der IS-Propaganda wurden und die Reise nach Syrien bereuten.

In einem Statement erklären beide, dass sie Opfer der IS-Propaganda wurden und die Reise nach Syrien bereuten.

Keystone/AP/Holger Hollemann

Die zwei Wolfsburger IS-Kämpfer, die vor dem Oberlandgericht Celle stehen, wurden zu ihren Motiven befragt. Der 26-jährige Ebrahim H. B. gab zu, sich in einem Ausbildungslager der Terror-Miliz Islamischer Staat als Selbstmordattentäter für Bagdad gemeldet zu haben. Er habe dies aus verletztem Stolz getan. Weil seine Hochzeit platzte, sei er zu den IS-Terroristen gereist, sagte der Deutsch-Tunesier den Richtern. Er habe sich so eine Fluchtmöglichkeit verschaffen wollen.

Dass sein Schwiegervater die Heirat mit seiner Verlobten kurz vor der Hochzeit verhinderte, habe ihn «erniedrigt». Im Frühling 2014 machte sich Ebrahim H. B. auf den Weg Richtung Syrien. Er sei noch nie religiös gewesen, zitiert ihn die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». «Bis heute kann ich nicht richtig beten.», sagte der 26-jährige aus. Hätten ihn zu dieser Zeit die Hells Angels aufgenommen, wäre er zu der Rockerbande in Amerika gereist.

Gratis essen und Auto tanken

Der 27-jährige Mitangeklagte Ayoub B. erwartete von seiner Reise zum IS offenbar viele Abenteuer. «Grillen, lachen, heiraten – Frauen und Autos.», habe er sich erhofft. Er sei gelockt worden mit Versprechungen – etwa einem IS-Ausweis, mit dem er gratis sein Auto tanken und umsonst in Restaurants essen dürfe. Als er realisierte, dass ihm viel Falsches über das Leben in Syrien versprochen worden war, beentschloss er, sich nicht als Kämpfer, sondern als Selbstmordattentäter zu melden.

Ayoub B. und Ebrahim H. B. müssen sich seit Montag im deutschen Celle vor Gericht verantworten. Die Bundesstaatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Frühling 2014 für den IS nach Syrien in den Krieg gezogen zu sein. Ayoub B. soll zudem eine «schwere staatsgefährdende Gewalttat» vorbereitet haben.

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