Aktualisiert 29.03.2016 12:57

Schädling

Dem Kanton Bern droht eine Borkenkäfer-Plage

Der Borkenkäfer ist im Mittelland auf dem Vormarsch. Deshalb fordert der Kanton Waldbesitzer dazu auf, mögliche Brutplätze zu entfernen.

von
Annina Häusli

Ein vier Millimeter grosser Schädling bedroht die Fichten im Kanton Bern: Dem Mittelland droht eine Borkenkäfer-Plage. Deshalb hat der Kanton am Dienstag reagiert und warnt nun die Waldbesitzer vor dem Schädling. Sie sollen ihre Bäume ab sofort verstärkt beobachten.

Grund für die mögliche Ausbreitung des Käfers ist der trockene Sommer 2015. Im Berner Jura und im Mittelland sei bereits eine Zunahme des Borkenkäferbefalls feststellbar, schreibt der Kanton am Dienstag in einer Mitteilung. Deshalb sollen die Waldbesitzer nun handeln: Der Kanton fordert sie dazu auf, als präventive Massnahme am Boden liegendes Nadelholz entweder zu entfernen, zu entrinden oder chemisch zu behandeln. Das Nadelholz dient den Schädlingen nämlich als Brutmaterial.

Damit will der Kanton verhindern, dass der Borkenkäfer wie im Rekordsommer 2003 insgesamt 600'000 Kubikmeter Fichtenholz befallen kann – ein bisher unerreichter Rekord. Zum Vergleich: «2015 befiel der Borkenkäfer etwa 30'000 Kubikmeter», so der Waldschutzbeauftragte des Kanton Berns, Walter Beer. Durchschnittlich befalle der Schädling etwa 20'000 Kubikmeter Fichtenholz pro Jahr.

Ausbreitung hängt vom Wetter ab

Borkenkäfer kommen in Laubbäumen und Nadelbäumen vor. Der Buchdrucker, eine Unterart des Borkenkäfers, befällt ausschliesslich Fichten und wird nur etwa vier Millimeter gross und ist deshalb schwer zu entdecken. «Befallene Bäume erkennt man vor allem am Bohrmehl, das auf den Boden fällt, wenn sie sich in einen Baum bohren», erklärt Beer. Im Spätstadium eines Befalls färbe sich ausserdem die Baumkrone rot und die Baumrinde löse sich vom Stamm. «Ist ein Baum aber erst einmal befallen, so muss er sofort gefällt und entrindet werden, eine Rettung ist unmöglich», sagt Beer. Der Käfer zeigt denn auch wenig Gnade, bis der Baum tot ist: «Je nach Witterung ist eine Fichte innerhalb von 14 Tagen tot.»

Ob es einen neuen Rekordbefall geben wird, hängt jedoch vom kommenden Wetter ab: «Wird auch der Frühling trocken, dann wird der Borkenkäfer viele Bäume befallen», warnt Walter Beer. «Die Bäume sind dann durch die Trockenheit bereits geschwächt und der Käfer hat ein leichtes Spiel.»

Nicht nur im Kanton Bern ein Problem

Fichten werden ausschliesslich von Buchdruckern befallen. Andere Baumarten werden von anderen Borkenkäferarten befallen. Für diese Schädlinge zeigte sich bis jetzt jedoch keine vermehrte Aktivität, die Entwicklung muss aber auch hier beobachtet werden, erkärt Beer.

Die Borkenkäfer sind aber nicht nur im Kanton Bern ein Thema. Laut Beat Forster von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ist der Schädling seit 2015 vor allem im zentralen Mittelland aktiv. «Von Zürich über den Aargau bis ins Waadtland nimmt der Borkenkäfer-Befall derzeit zu.» Auch Teile des Kantons Freiburg seien betroffen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.