Aktualisiert 20.06.2008 15:21

ArtenschutzDem Nashorn geht es besser - dank Privatbesitz

Vor einigen Jahren glaubte man, die Nashörner in Afrika seien der Ausrottung geweiht. Jetzt verzeichnet die Population eine seit Jahrzehnten unerreichte Rekordhöhe – nicht zuletzt dank privaten Eigentümern.

Das teilte die Internationale Naturschutzunion (IUCN) am Dienstag in Gland VD mit. Nach Zählungen einer Sonderkommission der IUCN leben derzeit mehr als 21 000 Nashörner in Afrika. Allein die Population des Weissen Nashorns (Breitmaulnashorn/Ceratotherium simum) sei insgesamt von 14 540 im Jahr 2005 auf 17 480 im Jahr 2007 angewachsen.

Doch eine Unterart, das Nördliche Weisse Nashorn, profitierte offenbar nicht von den besseren Lebenschancen. Es ist weitgehend ausgerottet. Von der Unterart existierten etwa im Garamba National Park im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo nach IUCN-Angaben im August 2006 nur noch vier Exemplare.

Im Mai dieses Jahres hatte aber die Zoologische Gesellschaft Frankfurt nach einer Suche im Park, dem letzten Verbreitungsgebiet des Nashorns, kein Tier mehr entdeckt. Auch die IUCN kommt nun zum Schluss, dass dort keine Tiere mehr existieren. Schuld an der Ausrottung sind Wilderer, die es auf das Horn abgesehen haben.

Schwarzes Nashorn bleibt bedroht

Gute Nachrichten gibt es aber für die afrikanischen Schwarzen Nashörner (Spitzmaulnashorn/Diceros bicornis). Auch ihre Zahl hat sich gesteigert und zwar von 3730 im Jahr 2005 auf 4180 vor einem Jahr. Allerdings befinden sie sich weiter auf der Roten Liste der IUCN für gefährdete Tiere.

In den vergangenen zwei Jahren seien 450 Tiere hinzugekommen, schreibt die Organisation. «Das ist für das Schwarze Nashorn eine fantastische Nachricht», erklärte der für Nashörner zuständige IUCN- Experte, Richard Emslie. Die meisten Tiere dieser Gattung leben in Simbabwe, Südafrika, Namibia und Kenia.

Private Eigentümer als Rettung

Ein Aspekt hat wesentlich zur erfreulichen Entwicklung beigetragen: Ein grosser Teil der Nashörner befindet sich heutzutage im Besitz von privaten Landeigentümern. Richard Emslie verwies gegenüber der Zeitung «The Independent» auf wirtschaftliche Anreize, die den Schutz attraktiver machen als die Wilderei, etwa Öko-Tourismus oder den Weiterverkauf der Tiere mit Gewinn. «Viele Eigentümer achten deshalb darauf, dass die Nashörner sicher sind. Der private Sektor ist eine grosse Hilfe für unsere Arbeit.»

Unbefriedigend ist die Situation hingegen in Simbabwe, wo sich der Zerfall unter Präsident Robert Mugabe negativ auf die Nashorn-Population auswirkt und die Wilderei ein grosses Problem bleibt. Denn die Nachfrage aus China ist gemäss «Independent» nach wie vor hoch – das Horn gilt dort als Potenzmittel. Ein Beweis für eine solche Wirkung existiert jedoch nicht: Das Horn besteht aus dem gleichen Stoff wie unsere Haare oder Fingernägel.

(pbl/sda)

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