Wirtschaftskrise: Dem Weltmeister-Land laufen die Stars davon
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WirtschaftskriseDem Weltmeister-Land laufen die Stars davon

Wirtschaftskrise und Misswirtschaft: Immer mehr spanische Fussball-Profis flüchten ins Ausland. Die Zeitung «Mundo Deportivo» warnt vor dem «Tod des Fussballs» im Land des Weltmeisters.

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pre

Die Wirtschafskrise in Spanien tangiert je länger je mehr auch den Fussball. Die spanischen Klubs hatten sich trotz Misswirtschaft dank versteckter öffentlicher Hilfen, Interventionen von mächtigen Politikern und vielen Krediten lang über Wasser halten können. Die Regierung in Madrid hatte zudem ihre schützende Hand über die Vereine gehalten.

Die Verschwendung öffentlicher Gelder ist inzwischen jedoch bei einer Rekordarbeitslosigkeit von 27 Prozent nicht mehr tragbar. Die Regierung in Madrid forderte deshalb zuletzt, dass die Vereine in den kommenden drei Jahren durch eine Senkung von Spielergehältern und Budgets und durch Spielerverkäufe ihre Schulden um gut ein Viertel verringern.

Elf Nationalspieler im Ausland

Auch ohne Druck aus Madrid ist dieser Prozess längst im Gang. In den letzten drei Jahren wanderten die spanischen Topstars, die nicht bei Real Madrid oder dem FC Barcelona Unterschlupf fanden, gleich reihenweise ins Ausland ab. Nationalspieler wie David Silva, Fernando Torres, Juan Mata, Javi Martinez oder Santi Cazorla machten es vor. Roberto Soldado, Jesus Navas, Alvaro Negredo und Thiago Alcantara folgten in diesem Sommer nach.

Ein Blick auf die Ausland-Legionäre in der spanischen Fussball-Nationalmannschaft verdeutlicht den Trend:

WM 1990 in Italien: null.

WM 1994 in den USA: null.

WM 1998 in Frankreich: null.

WM 2002 in Japan und Südkorea: einer.

WM 2006 in Deutschland: fünf.

WM 2010 in Südafrika: vier.

Confed-Cup 2013 in Brasilien: elf.

ManCity, Swansea und Liverpool setzen auf Spanier

Doch es sind längst nicht nur die Nationalspieler, die den Sprung ins Ausland wagen. In diesem Sommer sind bereits 27 Profis aus der Primera División vor Misswirtschaft und Konjunkturflaute ins Ausland geflüchtet. Allein die finanzstarke Premier League verstärkte sich für 107 Millionen Euro mit 15 spanischen Spielern. Mittlerweile kicken 32 Spanier auf der Insel.

Manchester City holte mit Jesus Navas und Alvaro Negredo zwei Landsleute für Javi Garcia und David Silva, Liverpool verpflichtete mit Luis Alberto und Iago Aspas zwei hoffnungsvolle Offensiv-Talente und bei «spanish» Swansea City spielen sieben Profis aus dem Weltmeister-Land.

«Der Tod des spanischen Fussballs»

Der Exodus der besten Kräfte des Landes schwächt vor allem die Traditionsklubs in der zweiten und dritten Reihe. Ausser dem FC Barcelona und Real Madrid kämpfen die meisten anderen Profiklubs der beiden höchsten spanischen Ligen gegen den Konkurs. Insgesamt lastet ein Gesamtschuldenberg von 4,1 Milliarden Euro auf dem FC Valencia, Deportivo La Coruna und Co.

Das Sportblatt «Mundo Deportivo» befürchtet deshalb bereits den «Tod des spanischen Fussballs». Die Liga lebe nur noch vom Zweikampf zwischen Barcelona und Real und werde im internatonalen Vergleich immer schwächer und vor allem langweiliger. Dadurch werde schlussendlich auch die Nationalmannschaft in Mitleidenschaft gezogen, glaubt die Zeitung. Für die Spieler, die ins Ausland wechseln, dürfte das keine Rolle spielen. Sie dürfen sich über eine satte Lohnerhöhung und einen sicheren Arbeitsplatz freuen.

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