Holland oder Spanien?: Dem Weltmeister winkt der Wohlstand
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Holland oder Spanien?Dem Weltmeister winkt der Wohlstand

Wer auch immer Fussball-Weltmeister wird: Mit der Siegermannschaft freuen darf sich auch der jeweilige Wirtschaftsminister. Der Grund: Der WM-Titel sorgt für einen Konjunkturschub.

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scc/sas

Am Sonntagabend kämpfen Holland und Spanien in Johannesburg um viel mehr als die wichtigste Trophäe im Fussball. Es geht neben den sportlichen Lorbeeren auch um einen wirtschaftlichen Impuls, denn dem Sieger winkt laut den Ökonomen der holländischen Bank ABN Amro fürs Gesamtjahr ein Viertel Prozent mehr Wachstum – ein Lottowinn im Umfeld der Fast-Stagnation.

Dieses könnte insbesondere Spanien gut gebrauchen, denn das Land gehört zu den finanziell angeschlagenen PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien)i und ist seit dem Platzen der Immobilenblase in einer tiefen Krise. Die Arbeitslosigkeit beträgt 20 Prozent und bei den Banken drohen massive Abschreibungen, weil die Leute ihre Hypothekarkredite nicht mehr bezahlen können. Ende 2009 stand die spanische Regierung mit 560 Milliarden Euro in der Kreide (53 Prozent des BIP). Auch die OECD prognostiziert den Iberern eine schrumpfende Wirtschaftsleistung.

Spanien: Dank Sieg wieder Wachstum

Bei solchen Vorzeichen käme den Spaniern der Sieg mit dem damit verbundenen Wirtschaftsschub wie gerufen. Die Ökonomen erwarten dank Siegesfeiern, Kauflust und einem verbessertem internationalen Image statt eines Rückgangs wie in den vergangenen zwei Jahren endlich wieder Wachstum.

Im Wirtschaftsvergleich steht Holland mit einer Wachstumsprognose von 1,3 Prozent fürs Jahr 2010 zwar besser da, doch den Konsumschub könnten auch die Niederländer gut gebrauchen. Der Grund: Die Erholung stützt sich lauf Ökonomen der Bank ING noch immer aufs Wiederauffüllen von Lagerkapazitäten. In der Wirtschaftskrise wurden die Lagerhallen zwecks Kosteneinsparung geleert. Die Kauflust der Holländer lässt indes auch noch heute zu wünschen übrig.

Höchstens ein paar Tage Euphorie

Nicht alle Ökonomen halten einen Weltmeistertitel aber für wirtschaftsfördernd. «Der Sieg wird die Wirtschaft allenfalls nur sehr kurzfristig anheizen», so der CM-Capital-Markets-Analyst Jorge Lage zum «Spiegel». Höchstens ein paar Tage werde die Euphorie reichen. Und auch bei der spanischen Sparkasse Caixa Catalunya gibt man sich laut «Financial Times» skeptisch: Man wisse nicht, ob sich ein Sieg auf die Wirtschaftsleistung auswirke.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Professor Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart gegenüber 20 Minuten Online: «Dass sich Arbeitnehmer in Siegerländern besser fühlen und produktiver arbeiten ist nicht messbar.» Diese Argumente würden meist gebraucht, um dem Volk hohe Investitionen für einen Anlass zu verkaufen.

Italien hat es vorgemacht

Für Spanien und die Niederland bleibt aber berechtigte Hoffnung. Denn: Als Italien vor vier Jahren in Berlin nach einem Elfmeterschiessen Frankreich besiegte, erhöhten die ABN-Amro-Ökonomen die Wachstumsprognose um 0,2 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent. Tatsächlich kletterte die italienische Wirtschaftsleistung aber sogar auf 2 Prozent – so hoch wie seit sechs Jahren nicht mehr.

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