Aktualisiert 16.08.2011 18:23

Zürich

Demokratie wird für Werbezwecke missbraucht

Im Herbst wird die Anti-PowerPoint-Partei an den Nationalratswahlen antreten. Laut Experten und Vertretern grosser Parteien nutzt sie die Demokratie zu Werbezwecken aus.

von
Deborah Sutter
Matthias Pöhm, Gründer der APPP.

Matthias Pöhm, Gründer der APPP.

Im Kanton Zürich wird bei den Nationalratswahlen am 23. Oktober erstmals auch die Anti-PowerPoint-Partei (APPP) teilnehmen. Die Kleinstpartei wurde vom Rhetoriktrainer Matthias Pöhm (51) gegründet, der ein Buch gegen PowerPoint-Vorträge verfasst hat. Die APPP fordert ein nationales Verbot von PowerPoint-Präsentationen. «Der Verdacht liegt nahe, dass die Wahlen hier benutzt werden, um Publicity für das Buch des Parteigründers zu bekommen», sagt der Politologe Louis Perron. Formal sei das aber völlig in Ordnung: «Wer 400 Unterschriften sammeln konnte, darf sich aufstellen lassen.»

Wenig Verständnis für diese Aktion hat Alfred Heer, SVP-Präsident des Kantons Zürich: «Da wird die Demokratie missbraucht, um ein Buch zu verkaufen, was fragwürdig ist.» Auch der Präsident der SP Kanton Zürich, Stefan Feldmann, sagt: «Dass die Wahlen für kommerzielle Zwecke benutzt werden, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack – unsere Demokratie wird deswegen aber nicht in den Untergang gestürzt.» Pöhm wehrt sich gegen die Vorwürfe: «Mein Anliegen ist eines, das Aufmerksamkeit verdient», sagt er. Er verstehe sich als Vertreter all jener, die unter dem PowerPoint-Zwang leiden. Software-Herstellerin Microsoft bleibt derweil gelassen gegenüber der Partei: «Wir nehmen es mit einem Schmunzeln zur Kenntnis, äussern uns aber nicht weiter dazu», sagt Sprecherin Barbara Josef.

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