Sturm aufs Capitol - «Demonstrant drückte mir Daumen ins Auge, um es auszustechen»
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Sturm aufs Capitol«Demonstrant drückte mir Daumen ins Auge, um es auszustechen»

Der Sturm auf das US-Capitol hat sich in das amerikanische Gedächtnis eingebrannt. Bei einer ersten Anhörung berichten vier Polizisten, was sie an diesem 6. Januar durchgemacht haben.

Videoaufnahmen vom 6. Januar zeigen, welche Gewalt den Polizisten am Capitol entgegenschlug.

Darum gehts

  • Ein Untersuchungsausschuss untersucht den Sturm aufs Capitol und hat mit Anhörungen begonnen.

  • Vier Polizisten schildern, was sie an diesem Tag während ihres Einsatzes erlebt haben.

  • Sie wurden dabei schwer verletzt und kämpfen immer noch mit Folgen.

Am 6. Januar stürmten Anhängerinnen und Anhänger des vormaligen US-Präsidenten Donald Trump das Capitol. Vier Polizisten sagen jetzt vor einem Untersuchungsausschuss aus, wie sie die Angriffe des Mobs erlebten. Der Ausschuss soll die Hintergründe des Angriffs untersuchen.

Mehrfach getasert und geschlagen

«Ich fühle mich, als wäre ich durch die Hölle und zurück gegangen, um Sie und die Menschen in diesem Raum zu schützen», sagte der Polizeioffizier Michael Fanone aus, «Aber zu viele sagen mir jetzt, dass es die Hölle nicht gibt oder, dass die Hölle gar nicht so schlimm war. Die Gleichgültigkeit, die meinen Kollegen entgegengebracht wird, ist beschämend». Fanone wurde gemäss eigener Aussage gepackt, geschlagen und mehrfach mit einem Elektroschocker unter Strom gesetzt und musste ins Spital eingeliefert werden. Ärzte diagnostizierten daraufhin bei ihm eine Gehirnerschütterung, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine posttraumatische Belastungsstörung

Der schwarze Beamte Harry Dunn von der Kapitol-Polizei beschrieb ebenfalls, wie die Angreiferinnen und Angreifer alle möglichen Waffen – auch Fahnenstangen oder Teile von Metall-Fahrradständern – gegen Polizisten eingesetzt und diese blutig geschlagen hätten. Er selbst sei mehrfach auch mit dem N-Wort beschimpft worden.

Angreifer hatte Schaum vor dem Mund

Der Polizeioffizier Daniel Hodges wurde beim Sturm in einen Türrahmen eingeklemmt und von den Randalierern auf den Kopf geschlagen: «Direkt vor mir nutzte ein Mann die Gelegenheit meiner Verletzlichkeit, um die Vorderseite meiner Gasmaske zu ergreifen und damit meinen Kopf gegen die Tür zu schlagen», so Hodges. «Er sprach keine Worte, die ich wiedererkannte, sondern schrie sinnfrei. Ich erinnere mich, dass er Schaum vor dem Mund hatte.

Er steckte auch sein Handy in den Mund, sodass er beide Hände frei hatte, um mich anzugreifen», sagte Hodges. « Und einer griff mir ins Gesicht und versuchte, mir den Daumen in mein rechtes Auge zu drücken, um es herauszuziehen. Ich schrie vor Schmerz auf und schaffte es, ihn abzuschütteln.»

Mittelalterliche Schlacht

Aquilino Gonell, ein Irak-Kriegsveteran, sagte, dass er am 6. Januar mehr Angst hatte, im Kapitol zu arbeiten, als während meines gesamten Einsatzes im Irak. «Im Irak befanden wir uns in einem Kriegsgebiet. Aber nichts in meiner Erfahrung in der Armee oder als Polizeibeamter hat mich auf das vorbereitet, was wir am 6. Januar erlebt haben.» «Was wir an diesem Tag erlebten, war wie eine mittelalterliche Schlacht», sagte er.

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Vier Polizisten werden vereidigt, bevor sie vor dem Sonderausschuss des Repräsentantenhauses aussagen, der den Anschlag vom 6. Januar auf das US-Kapitol untersucht.

Vier Polizisten werden vereidigt, bevor sie vor dem Sonderausschuss des Repräsentantenhauses aussagen, der den Anschlag vom 6. Januar auf das US-Kapitol untersucht.

AFP
«Ich fühle mich, als wäre ich durch die Hölle und zurück gegangen, um Sie und die Menschen in diesem Raum zu schützen.» Polizeioffizier Michael Fanone erlitt bei seinem Einsatz eine Gehirnerschütterung, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine posttraumatische Belastungsstörung. 

«Ich fühle mich, als wäre ich durch die Hölle und zurück gegangen, um Sie und die Menschen in diesem Raum zu schützen.» Polizeioffizier Michael Fanone erlitt bei seinem Einsatz eine Gehirnerschütterung, ein Schädel-Hirn-Trauma und eine posttraumatische Belastungsstörung.

AFP
Der Polizeioffizer Daniel Hodges wurde beim Sturm in einen Türrahmen eingeklemmt und von den Randalierern auf den Kopf geschlagen. «Einer griff mir ins Gesicht und versuchte, mir den Daumen in mein rechtes Auge zu drücken, um es herauszuziehen. Ich schrie vor Schmerz auf und schaffte es, ihn abzuschütteln.»

Der Polizeioffizer Daniel Hodges wurde beim Sturm in einen Türrahmen eingeklemmt und von den Randalierern auf den Kopf geschlagen. «Einer griff mir ins Gesicht und versuchte, mir den Daumen in mein rechtes Auge zu drücken, um es herauszuziehen. Ich schrie vor Schmerz auf und schaffte es, ihn abzuschütteln.»

REUTERS

Sturm aufs Kapitol

Anhängerinnen und Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatten am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Die beispiellose Attacke auf das Herzstück der amerikanischen Demokratie löste damals national wie international einen Schock aus. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen, weil er seine Anhänger zuvor in einer Rede aufgestachelt hatte. Am Ende des Verfahrens wurde der Republikaner jedoch freigesprochen. Der Ausschuss im Kongress soll die Hintergründe des Angriffs untersuchen.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(AFP/DPA/PCO)

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