Aktualisiert 13.01.2014 12:56

Neue MachtprobeDemonstranten blockieren Bangkok

In Thailand haben Zehntausende mit der angekündigten Blockade der Hauptstadt begonnen. Unbekannte haben zuvor auf die Demonstranten geschossen.

Die Regierungsgegner haben am Morgen mit einer Blockade des Verkehrs begonnen. Jeweils Tausende liessen sich an mindestens sieben wichtigen Kreuzungen nieder, um die Stadt lahmzulegen. Mehr als 12 000 Polizisten und 8000 Soldaten waren im Einsatz.

Viele Strassen waren am frühen Morgen deshalb wie ausgestorben. Zahlreiche Firmen hatten Angestellte aufgerufen, von zu Hause aus zu arbeiten. Andere verzichteten auf Busse, Taxis und Autos und kamen mit der Hochbahn BTS und der U-Bahn MRT in die Stadt. Die Betreiber hatten zahlreiche zusätzliche Züge im Einsatz.

Die Tourismusbehörde (TAT) richtete an mehreren Stationen der Hochbahn BTS Informationstische für ausländische Besucher ein. Die Bahnverbindung zum Flughafen blieb ebenfalls geöffnet.

Unter anderem sind Kreuzungen entlang der zentralen Einkaufsmeile Sukhumvit Road besetzt. Über Nacht wurden dort grosse Bühnen errichtet. Aus riesigen Lautsprechern dröhnte Musik.

Die Demonstranten sassen auf Matten auf den Strassen und pfiffen auf ihren Trillerpfeifen oder mit ihren Handklappern im Rhythmus mit. Protestanführer Suthep Thaugsuban führte vom grössten Demonstrantenlager im Westen der Stadt aus einen Protestmarsch an.

Schüsse auf Demonstranten

Zuvor eröffnete ein unbekannter Schütze in Bangkok das Feuer auf ein Lager von Demonstranten, die in der Nähe eines Regierungsgebäudes campierten. Ein Mann wurde von einer Kugel im Nacken getroffen und in ein Krankenhaus gebracht, wie der medizinische Notdienst der Stadt bestätigte. Ein anderer Schütze gab etwa zehn Schüsse auf den Hauptsitz der oppositionellen Demokraten ab und zerstörte mehrere Fenster. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

Schlag gegen Ministerpräsidentin Shinawatra

Am Sonntag kam es bereits zu ersten Protestaktionen, als Demonstranten eine Strasse blockierten, an der einige Regierungsgebäude stehen. Es kam zu keinen Zusammenstössen mit der Polizei. Am Abend stellten Demonstranten an einigen Veranstaltungsorten Bühnen auf.

«Ich bin hier, um Thaksin und seine Kumpane loszuwerden», sagte die 49-jährige Demonstrantin Darunee Suredechakul. «Die Regierung muss gehen. Reformen müssen durchgeführt werden», sagte sie.

Rund drei Wochen vor der für den 2. Februar geplanten Parlamentswahl holt die Opposition um ihren Anführer Suthep Thaugsuban damit zu einem erneuten Schlag gegen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra aus. Sutheps Demokratische Partei fordert seit Wochen ihren Rücktritt und Reformen, bevor es zu Wahlen kommt. Die Opposition will für zwei Jahre einen nicht demokratisch legitimierten Rat als Regierung einsetzen. Erst dann will sie die Wähler erneut entscheiden lassen.

Korrupte Politiker

Die Protestierenden werfen Yingluck vor, als Marionette ihres Bruders Thaksin Shinawatra zu handeln, der 2006 vom Militär gestürzt wurde und derzeit im Exil lebt. Die Politik sei hoffnungslos korrupt unter dem andauernden Einfluss von Thaksin, kritisierte Suthep. Thaksin lebt im Exil, um einer Gefängnisstrafe wegen Korruptionsvorwürfen zu entgehen. Er und seine Nachfolger haben jedoch seit 2001 jede wichtige Wahl in Thailand gewonnen.

Die Demonstranten wollen die Kreuzungen der Hauptstrassen besetzen, um ein Verkehrschaos auszulösen und die Hauptstadt zum Stillstand zu bringen. Zudem wollen sie Wasser- sowie Stromversorgung der Häuser der Regierungschefin und ihrer Minister kappen. Ihre Aktionen wollen sie fortsetzen, bis sie ihre Ziele erreicht haben, notfalls wochenlang. Zu den grössten Kundgebungen der letzten Wochen kamen jeweils rund 200'000 Menschen.

Vorrat an Lebensmitteln anlegen

Die Sorge vor einem Militärputsch ist gross, da die Armee in der Geschichte des Landes schon häufiger eingriff. Ende Dezember hatte Armeechef Prayuth Chan-Ocha für Aufregung gesorgt, weil er einen Putsch des Militärs als Lösung für den Konflikt nicht explizit ausschloss. «Diese Tür ist weder offen noch geschlossen», sagte er.

Die meisten Einwohner von Bangkok haben allerdings eher praktische Sorgen. Die US-Botschaft warnte, dass die Demonstrationen grössere Verkehrsbehinderungen und damit Verspätungen verursachen könnten. «Wir raten Ihnen, vorher zu planen», hiess es in der auf der Website veröffentlichten Mitteilung. Es sei umsichtig, sich Bargeld für eine Woche zu besorgen, die mobilen Telekommunikationsgeräte aufzuladen und sich einen zweiwöchigen Vorrat von wichtigen Produkten anzulegen, also Lebensmittel, Wasser und Arzneimittel. Die thailändischen Behörden taten den Rat als übervorsichtig ab.

Die meisten Einwohner von Bangkok haben allerdings eher praktische Sorgen. Die US-Botschaft warnte, dass die Demonstrationen grössere Verkehrsbehinderungen und damit Verspätungen verursachen könnten. «Wir raten Ihnen, vorher zu planen», hiess es in der auf der Website veröffentlichten Mitteilung. Es sei umsichtig, sich Bargeld für eine Woche zu besorgen, die mobilen Telekommunikationsgeräte aufzuladen und sich einen zweiwöchigen Vorrat von wichtigen Produkten anzulegen, also Lebensmittel, Wasser und Arzneimittel. Die thailändischen Behörden taten den Rat als übervorsichtig ab.

Krise ist kein grosses Problem für Reisekonzerne

Die anhaltende politische Krise in Thailand hat bislang keinen Einfuss auf das Thailand-Geschäft der grossen Schweizer Reiseanbieter. Allerdings sagten sie für (heute) Montag die Ausflüge für ihre Gäste in der Hauptstadt Bangkok ab.

Das Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) warnt vor massiven Verkehrsbehinderungen im Grossraum Bangkok. Demonstrationen und gewalttätige Auseinandersetzungen seien im ganzen Land und insbesondere in der Region Bangkok wahrscheinlich, heisst es bei den EDA-Reisehinweisen für Thailand. Es gebe auch das Risiko von Anschlägen.

Bislang sei nur Bangkok von den Demonstrationen betroffen, betonen die Vertreter der Reiseanbieter Kuoni, Tui Schweiz und Hotelplan. Viele ihrer Gäste fliegen aber direkt von Zürich zu den thailändischen Badeorten, beispielsweise Phuket.

Auch in der Hauptstadt gebe es keine grossen Einschränkungen, sagte Julian Chan, Sprecher von Kuoni. In erster Linie müssten Besucherinnen und Besucher mit Verkehrsbehinderungen rechnen. Kuoni empfiehlt seinen Gästen dennoch, Demonstrationen und Menschenansammlungen zu meiden. Den gleichen Ratschlag geben Hotelplan und Tui Schweiz ihren Kunden.

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