Aktualisiert 11.07.2020 06:24

Krawalle in Belgrad

Demonstranten dringen in serbisches Parlament ein

Nach einer friedlichen Kundgebung gegen die Coronavirus-Politik der Regierung ist es in der serbischen Hauptstadt erneut zu Krawallen gekommen.

1 / 15
Heftige Zusammenstösse in Belgrad: Die Polizei sperrt den Zugang zum Parlamentsgebäude ab. (10. Juli 2020)

Heftige Zusammenstösse in Belgrad: Die Polizei sperrt den Zugang zum Parlamentsgebäude ab. (10. Juli 2020)

Keystone/Andrej Cukic
Wie schon am Vorabend kam es zu Strassenschlachten zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten. 19 Beamte und 17 Demonstranten erlitten Verletzungen

Wie schon am Vorabend kam es zu Strassenschlachten zwischen Demonstranten und Bereitschaftspolizisten. 19 Beamte und 17 Demonstranten erlitten Verletzungen

keystone-sda.ch
Am Mittwochabend kam es zum zweiten Mal in Folge zu Unruhen im Zentrum von Belgrad.

Am Mittwochabend kam es zum zweiten Mal in Folge zu Unruhen im Zentrum von Belgrad.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • In Belgrad kam es nach einer friedlichen Kundgebung gegen die Coronavirus-Politik der Regierung erneut zu Krawallen.
  • Nationalistische Demonstranten drangen in das serbische Parlamentsgebäude ein.
  • Dort wurden sie von der Polizei erwartet und wieder hinausgedrängt.

Nach einer mehrstündigen friedlichen Kundgebung in Belgrad gegen die Coronavirus-Politik der Regierung ist eine Gruppe nationalistischer Demonstranten am Freitagabend gewaltsam in das serbische Parlament eingedrungen. Es kam zu Zusammenstössen mit der Polizei.

Auch Journalisten und fotografierende Demonstranten wurden von Randalierern angegriffen. Noch am Vorabend hatten Demonstranten bei einer Sitzkundgebung Randalierer erfolgreich am Eindringen in das Parlament gehindert.

Protestierende warfen am Freitagabend Steine und Flaschen auf das Parlamentsgebäude. Eine Gruppe junger Männer durchbrach das Metallgeländer vor dem Parlament und drang patriotische Lieder singend in das Gebäude ein. Die Randalierer wurden dort jedoch von Polizisten erwartet, die sie wieder aus dem Gebäude hinausdrängten und eine Kette um den Eingang bildeten. Die Polizisten wurden daraufhin etwa eine halbe Stunde mit Flaschen und Fackeln beworfen.

Ausgehverbot als Auslöser

Anders als in den ersten zwei Krawallnächten setzte die Polizei bis dahin weder Tränengas noch Blendgranaten ein. Die Demonstrationen hatten sich an Plänen des Präsidenten Aleksandar Vucic entzündet, wegen des Wiederanstiegs der Coronavirus-Neuinfektionen für das Wochenende ein Ausgehverbot zu verhängen.

Vucic nahm die Entscheidung zwar zurück und verbot dafür Ansammlungen von mehr als 10 Personen. Dies beruhigte die Menschen aber nicht und die Proteste richteten sich zunehmend gegen Vucic selbst. Nationalisten werfen ihm nun auch Verrat vor, weil er nach deutsch-französischer Vermittlung neuen Gesprächen mit dem Kosovo zugestimmt hat. Sie sehen das Kosovo als abtrünnige serbische Provinz.

(SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.