16.05.2014 11:32

Protest in BrasilienDemonstranten fordern: «Fifa, geh heim!»

In vier Wochen rollt in Brasilien der Ball, doch es läuft nicht rund: Neue Proteste erschüttern das Land, im WM-Austragungsort Recife streikt die Polizei.

Vier Wochen vor Beginn der Fussballweltmeisterschaft sind in Brasilien landesweit neue Proteste gegen das Grossereignis ausgebrochen. In der Metropole São Paulo, wo am 12. Juni das WM-Eröffnungsspiel stattfindet, ging die Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vor. Die Protestierenden hatten zuvor Müllberge in Brand gesetzt, um eine wichtige Strasse zu blockieren. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Die Aktivisten prangerten die Milliardenausgaben für die Austragung des Sportereignisses an. Zudem wollten sie mit ihren Aktionen auf soziale Probleme im Land aufmerksam machen. «Wir gehen mit zunehmender Kraft gegen die Ungerechtigkeiten der WM an», sagte Luana Gurther, Studentin der Sozialwissenschaft. «Wir sind diejenigen, die entscheiden sollten, wohin die Steuergelder fliessen. Und zwar in Schulen, Krankenhäuser, Wohnungen, Nahverkehr - und nicht in die WM.» Zusammen mit etwa tausend weiteren Aktivisten stand sie auf einem Verkehrsdrehkreuz. Sie schlugen lautstark mitgebrachte Trommeln und Dosen und hielten Transparente in die Höhe.

«Wir wollen das Stadion weder beschädigen noch zerstören»

Vor dem neuen Itaquerao-Stadion versammelten sich rund 1500 weitere Demonstranten. Viele schwenkten brasilianische Fahnen, im Hintergrund stieg schwarzer Rauch brennender Reifen auf. Der Chef der Bewegung obdachloser Arbeiter, Guilherme Boulos, sagte:«Unser Ziel ist symbolisch. Wir wollen das Stadion weder beschädigen noch zerstören.»

Es gehe um das Recht von Arbeitern auf angemessenen Wohnraum - und man wolle auf die Auswirkungen der WM auf die Armen aufmerksam machen. Nach Angaben der Gruppe mussten viele Anwohner wegen der gestiegenen Mieten rund um das neue Stadion wegziehen.

«Fifa, geh' heim»

Auch in Rio de Janeiro, Austragungsort des Endspiels im Juli, gab es am Donnerstagabend (Ortszeit) Protestkundgebungen. Dabei kam es im Zentrum der Grossstadt zu Verkehrsbehinderungen. In der Hauptstadt Brasília gingen Demonstranten mit Transparenten mit der Aufschrift «FIFA, geh' heim» auf die Strasse.

Im Nordosten Brasiliens plünderten Randalierer im WM-Austragungsort Recife mehrere Läden. Dort leistete ein Polizeistreik für mehr Gehalt der Gesetzlosigkeit Vorschub. Der Ausstand der Beamten dauerte den dritten Tag in Folge an.

3,7 Millionen Touristen werden erwartet

Die Demonstrationen gelten als Test, ob die Regierung die Sicherheit während der Weltmeisterschaft wahren kann. Im vergangenen Jahr überschatteten Massenproteste gegen die hohen Ausgaben für WM und Olympische Spiele den Confederations Cup. Damals gingen allein an einem Abend mehr als eine Million Menschen auf die Strasse. Die Demonstranten wollen, dass sich die Regierung auf die Verbesserung des Gesundheits- und Bildungswesens sowie auf dieSicherheit und Infrastruktur des Landes konzentriert.

Brasilien erwartet zur Fussballweltmeisterschaft 3,7 Millionen Touristen im Land. Zwei Millionen davon würden ausdrücklich wegen der WM-Spiele und Fan-Feste anreisen, schätzte die Regierung am Mittwoch. Der Wirtschaft würden dadurch während des vierwöchigen Turniers umgerechnet 2,2 Milliarden Euro zufliessen. (sda)

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