Ägypten: Demonstranten fordern rasch Reformen
Aktualisiert

ÄgyptenDemonstranten fordern rasch Reformen

Die Ägypter demonstrien wieder auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Sie verlangen von der Militärregierung einen schnelleren Wandel hin zur Demokratie.

Tausende drängten gestern auf den Tahrir-Platz. Es war beinahe wie vor dem Sturz Mubaraks.

Tausende drängten gestern auf den Tahrir-Platz. Es war beinahe wie vor dem Sturz Mubaraks.

Um ihrem Anliegen nach einer schnelleren Umsetzung der geforderten Reformen Ausdruck zu verleihen, haben sich am Freitag tausende Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairos Innenstadt versammelt. Die ägyptische Protestbewegung rief zu der Kundgebung auf, die sie als «zweite Revolution» bezeichnete, um den Obersten Rat der Streitkräfte zu einem rascheren Wandel hin zur Demokratie zu drängen.

Friedensnobelpreisträger und Oppositionsführer Mohammed El Baradei sagte am Freitag, er sei sehr besorgt über die Abwesenheit der Sicherheitskräfte. Der Militärrat hatte zuvor gewarnt, fragwürdige Elemente könnten versuchen, Chaos während der Proteste am Freitag zu schüren. Die Streitkräfte wollten zudem nicht präsent sein: Sie wollten Zwischenfälle vermeiden, hiess es.

Zu wenig Änderungen

«Ich bin hier hergekommen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass Ägypten sich geändert hat», sagte der Techniker Raafat Hendi. Einige Kritiker werfen den militärischen Machthabern vor, dass diese mit dem früheren Regime kollabierten und zu nachsichtig bei der Strafverfolgung des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak, seiner Familie und anderen Regimemitgliedern seien.

Der 83-jährige Mubarak muss sich wegen der tödlichen Schüsse auf Demonstranten vor Gericht verantworten. Auch seinen Söhnen wird der Prozess gemacht, hatte die Staatsanwaltschaft in Kairo am Dienstag mitgeteilt. Ein Prozesstermin wurde noch nicht festgesetzt. Der frühere Machthaber wird beschuldigt, mit dem ehemaligen Sicherheitschef und weiteren Offizieren im Falle der tödlichen Schüsse auf die Demonstranten «konspiriert» zu haben. Ihm, seinen Söhnen, Gamal und Alaa, und seinem Geschäftspartner, Hussein Salem, wird vorgeworfen, ihre Macht missbraucht zu haben, um sich persönlich zu bereichern.

Kräftemessen mit Muslimbrüdern

Die Muslimbruderschaft trat den Demonstranten am Freitag mit dem Vorwurf entgegen, sie versuchten einen Keil zwischen die Streitkräfte und das Volk zu treiben. Die Bruderschaft ist die am besten organisierte politische Kraft im Land. Insofern bedeutet ihr Fernbleiben von den Protesten auch einen Test für die Fähigkeit der liberalen und säkularen Gruppen, ob diese ihre eigene Oppositionsbewegung aufrechterhalten können.

So fordert die Protestbewegung, dass der regierende Oberste Rat der Streitkräfte durch ein mit Zivilisten besetztes Gremium ersetzt wird. Zudem werfen die Demonstranten den Streitkräften die übermässige Anwendung von Gewalt bei der Niederschlagung friedlicher Proteste seit dem Sturz Mubaraks vor. Dabei wurden Tausende vor Militärgerichte gestellt und zahlreiche junge Demonstranten verhaftet.

«Unser grösster Fehler ist, dass wir den Tahrir-Platz verlassen haben, bevor wir gesehen haben, wie Mubarak vor einem Gericht der Prozess gemacht wird», sagte der 24-jährige Verkäufer Ahmed Schauki.

(dapd)

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