Zentralasien: Demonstranten stürmen Parlament in Kirgistan

Publiziert

ZentralasienDemonstranten stürmen Parlament in Kirgistan

Seit Montag gehen in der Ex-Sowjetrepublik die Menschen auf die Strasse und protestieren gegen die Manipulationen bei den Wahlen vom Wochenende. Auch der inhaftierte Ex-Präsident ist befreit worden.

Demonstranten brechen das Tor zum Regierungsgebäude ein. (5. Oktober 2020) 

Demonstranten brechen das Tor zum Regierungsgebäude ein. (5. Oktober 2020)

REUTERS

Demonstranten haben im zentralasiatischen Kirgistan nach der Parlamentswahl wichtige Verwaltungsgebäude in der Hauptstadt Bischkek gestürmt. Einige von ihnen sollen Berichten zufolge in das Weisse Haus vorgedrungen sein, in dem sich das Büro von Staatschef Sooronbaj Dscheenbekow und das Parlament befinden. Das meldete die Nachrichtenagentur Akipress am frühen Dienstagmorgen. Zudem sollen Anhänger des inhaftierten Ex-Präsidenten Almasbek Atambajew den 64-Jährigen aus einem Gefängnis des Komitees für Nationale Sicherheit befreit haben.

Die Ausschreitungen in der Ex-Sowjetrepublik hatten am Montag begonnen, als Tausende gegen Manipulationen bei der Parlamentswahl vom Wochenende protestierten. Demonstranten kletterten über Zäune zum Parlamentsgebäude und steckten Autos in Brand; Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Menschenmenge ein. Danach war von mehr als hundert Verletzten die Rede.

Vorwurf des Stimmenkaufs

Ex-Staatschef Atambajew war im Juni wegen Korruption zu rund elf Jahren Haft verurteilt worden. Er soll während seiner Amtszeit unter anderem einem verurteilten Kriminellen zur Flucht verholfen haben. Der Sozialdemokrat hatte das verarmte Land von 2011 bis 2017 geführt. 2019 lieferten sich seine Anhänger bei der Festnahme Strassenschlachten mit Sicherheitskräften.

Kirgistan galt zeitweilig als Insel der Demokratie inmitten autoritärer Staaten in Zentralasien. Bei der Wahl am Sonntag soll es zu Manipulationen wie Stimmenkauf gekommen sein.

(SDA)

Deine Meinung

4 Kommentare