Tote und Verletzte: Demonstranten stürmen UNO-Basis im Kongo
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Tote und VerletzteDemonstranten stürmen UNO-Basis im Kongo

Hunderte aufgebrachte Menschen haben im Kongo nach einem mutmasslich islamistischen Angriff das Lager der UNO-Friedenstruppe überfallen.

von
chk
Die Friedenstruppen sind aus Sicherheitsgründen verlegt worden: Rauch über dem Lager der Monusco in Beni. (25. November 2019)

Die Friedenstruppen sind aus Sicherheitsgründen verlegt worden: Rauch über dem Lager der Monusco in Beni. (25. November 2019)

Keystone/Al-Hadji Kudra Maliro

Nach einem mutmasslich islamistischen Angriff haben Hunderte aufgebrachte Menschen am Montag das Lager der UNO-Friedenstruppe Monusco in Beni im Osten der Demokratischen Republik Kongo überfallen. Die Demonstranten warfen den UNO-Blauhelmen «Untätigkeit» vor.

Nach Armeeangaben wurden vier der Demonstranten getötet, zehn weitere sowie drei einheimische Soldaten wurden verletzt. Bei dem Angriff mutmasslicher islamistischer Milizionäre waren zuvor acht Menschen getötet worden.

Die Sicherheitskräfte der Demokratischen Republik Kongo feuerten zunächst Warnschüsse in der Nähe des Monusco-Lagers ab. Die Demonstranten stiessen dennoch weiter zum UNO-Lager vor und setzten ein Büro auf dem Gelände in Brand.

Der Stützpunkt der UNO-Mission sei beschädigt und die dort stationierten Friedenstruppen aus Sicherheitsgründen verlegt worden, sagte ein UNO-Sprecher vor Journalisten in New York. Es handle sich um rund 700 Einsatzkräfte aus Malawi und Indien. Die Monusco rufe alle Beteiligten zur Zurückhaltung auf.

Stärkere Kooperation angekündigt

Das Präsidialamt in Kinshasa kündigte derweil nach dem islamistischen Angriff «gemeinsame Einsätze» der kongolesischen Armee und der Monusco an, um die Sicherheit im Osten des Landes zu erhöhen. Dafür solle in Beni ein «Hauptquartier» eingerichtet werden. In der Region Nord-Kivu wurde eine unbefristete nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die UNO-Friedenstruppe kündigte eine stärkere Kooperation mit den kongolesischen Partnern und den Behörden an, um «gemeinsam Lösungen für die Menschen in Beni zu finden».

Hinter der nächtlichen Attacke mit acht Toten in Beni stecke die islamistische Miliz Alliierte Demokratische Kräfte (ADF), sagte ein Armeesprecher. Aufgebrachte Bürger setzten nach dem Angriff zunächst Teile des Rathauses in Brand, dann zogen sie weiter zum Monusco-Lager.

Die ADF-Miliz kämpfte ursprünglich im Nachbarland Uganda gegen den immer noch amtierenden Präsidenten Yoweri Museveni. In den 90er-Jahren wurde sie aus Uganda vertrieben und zog sich in den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo zurück. Dort ist sie bis heute aktiv. Anfang November startete die kongolesische Armee eine Offensive gegen die ADF; mehr als 70 Zivilisten wurden seither in der Region Beni getötet.

Hohe Kosten und geringe Effizienz

Die Monusco hatte zuvor erklärt, sie könne ohne Aufforderung seitens der Regierung nicht aktiv werden. Ein unkoordiniertes Vorgehen könne überdies zum Beschuss der eigenen Soldaten führen. Die Monusco steht wegen ihrer hohen Kosten und geringen Effizienz in der Kritik. In einer Untersuchung von 2018 warfen UNO-Ermittler der seit 1999 in der Demokratischen Republik Kongo stationierten Blauhelm-Mission Führungsprobleme und Mängel in der Ausbildung vor. (chk/sda)

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