Deutschland: Demonstranten verhindern Kundgebung von Rechtsradikalen
Aktualisiert

DeutschlandDemonstranten verhindern Kundgebung von Rechtsradikalen

Angesichts massiver Proteste von rund 10 000 Gegendemonstranten hat die Polizei eine auf dem Kölner Heumarkt geplante Kundgebung von Rechtsradikalen kurzfristig verboten.

Polizeipräsident Klaus Steffenhagen untersagte die Anti-Islam-Veranstaltung am Samstag nur wenige Minuten nach ihrem Beginn. Zu diesem Zeitpunkt war es erst rund 40 Anhängern der Bürgerbewegung Pro Köln gelungen, durch die von Demonstranten gebildeten Blockaden zum Versammlungsort zu gelangen.

«Für uns hat die Sicherheit der Kölner Bevölkerung höchste Priorität. Es wäre völlig unverhältnismässig, den 300 Teilnehmern der Pro-Köln-Veranstaltung mit Wasserwerfern und Spezialeinheiten den Weg zum Heumarkt zu ebnen», begründete Steffenhagen das Verbot. Der Fraktionsgeschäftsführer von Pro Köln im Stadtrat, Manfred Rouhs, kündigte an, man werde die Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht überprüfen lassen und den Anti-Islamisierungs-Kongress danach nachholen.

Zusammenstösse zwischen Linksautonomen und Polizei

Rund 10 000 Gegendemonstranten hatten nach Polizeiangaben am Samstag in der Kölner Innenstadt gegen die Anti-Islam-Veranstaltung protestiert und alle Zugangswege zu dem Platz blockiert. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstössen zwischen autonomen Linken und der Polizei.

Demonstranten bewarfen Polizisten mit Steinen und Knallkörpern und versuchten, Beamten ihre Pistolen zu entreissen. In der Nähe des Heumarkts zündeten Demonstranten mehrere Müllcontainer an. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen die autonomen Linken vor. Vier Polizisten erlitten leichte Verletzungen. Mindestens sechs Demonstranten wurden wegen Gewalttätigkeiten festgenommen.

In Köln-Deutz liess die Polizei Wasserwerfer auffahren, nachdem Linksautonome sich mit Pflastersteinen bewaffnet hatten. «Wir lassen uns die Gewalt nicht gefallen» sagte ein Polizeisprecher. Ziel sei es, die friedlichen Demonstranten zu unterstützen. Diese seien deutlich in der Mehrheit gewesen, betonte die Polizei.

Bereits am Freitag war es bei Protesten gegen den Kongress zu vereinzelten Ausschreitungen gekommen. Nach Steinwürfen und Farbbeutelattacken gegen Polizisten wurden zehn Gegendemonstranten wegen Verstössen gegen das Waffengesetz, Sachbeschädigung, Versammlungsgesetz, Landfriedensbruch und Nötigung festgenommen. 31 weiteren Personen wurden Platzverweise erteilt.

Oberbürgermeister verurteilt Anti-Islamisierungs-Kongress

Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma verurteilte auf einer Kundgebung vor dem Dom den Anti-Islamisierungs-Kongress scharf. «Dieser Kongress ist nicht willkommen», sagte der CDU-Politiker vor rund 2.500 Teilnehmern. Zwar sei die Stadt bekannt für ihre Gastfreundlichkeit: «Aber heute ist unsere weltbekannte Toleranz zu Ende.» Bekannte Kölner Bands wie BAP und die Höhner gaben nur wenige hundert Meter vom Versammlungsort der Rechten ein Protestkonzert.

Die vor allem mit ihrem Widerstand gegen den Bau einer repräsentativen Moschee in der Domstadt bekanntgewordene Bürgerbewegung Pro Köln hatte zu der Konferenz Rechtspopulisten und Rechtsextremisten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien und Italien eingeladen. Erwartet worden waren von den Veranstaltern rund 1500 Teilnehmer. (dapd)

Deine Meinung