Hongkong: Demonstrationen weiten sich massiv aus
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HongkongDemonstrationen weiten sich massiv aus

Die Demonstrationen in Hongkong werden zum Flächenbrand. Auch aus Causeway Bay sowie aus Mong Kok wurden Proteste gemeldet. Die Börse fiel zu Handelsbeginn um 1,18 Prozent.

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num

Die Proteste für mehr Demokratie in Hongkong haben sich am Montag auf weitere Gebiete der Finanzmetropole ausgeweitet. Demonstranten verbrachten die Nacht zum Montag auf den Gehsteigen und wappneten sich am Morgen für das Aufeinandertreffen mit der Polizei, die am Sonntagabend mit Tränengas versucht hatte, Tausende für mehr Demokratie protestierende Menschen zu vertreiben.

Die Besetzung breitete sich vom Finanzdistrikt der Stadt in andere Gebiete Hongkongs aus. Auch aus dem Einkaufsbezirk Causeway Bay sowie aus Mong Kok auf dem Festland wurden Proteste gemeldet. Tausende legten nicht nur das Bankenviertel in Central auf der Insel Hongkong, sondern auch andere Teile der chinesischen Sonderverwaltungsregion lahm.

Die Börse in Hongkong gab zu Handelsbeginn stark nach und fiel um 1,18 Prozent. Im Regierungsviertel ging die Polizei am frühen Montagmorgen erneut mit Tränengas und Schlagstöcken gegen eine Menschenmenge vor. Zahlreiche Strassen zum Finanzbezirk blieben gesperrt. An einigen Stellen errichteten die Demonstranten Barrikaden.

Wichtige Verkehrsadern in den sonst betriebsamen Bezirken Admiralty, Wan Chai, Causeway Bay sowie in Mong Kok in Kowloon waren blockiert. «Aus Occupy Central ist Occupy Hongkong geworden», sagten Aktivisten unter Hinweis auf den Aufruf der prodemokratischen Occupy-Central-Bewegung zur Besetzung des Finanzdistrikts.

Schulen bleiben geschlossen

Einige Schulen in den besetzten Umgebungen seien geschlossen worden, berichteten Behörden am Montagmorgen (Ortszeit).

Die Demonstranten fordern mehr Demokratie in der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole. Regierungschef Leung Chun Ying rief die sieben Millionen Hongkonger am Montagmorgen zur Ruhe und Ordnung auf.

Er dementierte Gerüchte, dass seine Regierung die chinesische Volksbefreiungsarmee um Hilfe gebeten habe. In einer Erklärung forderte er die Demonstranten auf, nach Hause zu gehen. «Wir wollen kein Chaos in Hongkong.»

Tausende Menschen hatten sich am Sonntag in einem für die asiatische Finanzmetropole seltenen Akt zivilen Ungehorsams hinzugesellt. Sie durchbrachen eine Polizeiabsperrung und brachten den Verkehr zum Erliegen. Die Demonstranten streckten ihre Hände in die Luft, um zu signalisieren, dass sie keine gewalttätigen Absichten hätten. An einer Stelle machten sie einen Weg für die Autos frei.

Verletzte am Samstag

Unter den Demonstranten war auch der Medien-Magnat Jimmy Lai, dem die Zeitung «Apple Daily» gehört, Hongkongs einzige prodemokratische Zeitung. Seit Freitagabend wurden nach Angaben der Polizei 78 Menschen festgenommen.

Am Samstag hatte die Polizei ein von Studenten besetztes Regierungsgelände geräumt. Dabei kam es zu Handgemengen mit mindestens 34 Verletzten. Einige Demonstranten hatten zuvor einen hohen Zaun erklettert. Die Polizei sprühte Pfefferspray auf sie, um sie zurückzudrängen.

Der Unmut der Demonstranten entzündete sich an der Entscheidung der Führung in Peking im August, keine öffentlichen Kandidaten für die Wahl in Hongkong 2017 zuzulassen. Stattdessen sollen die Aspiranten von einem Komitee aus Pekinger Loyalisten ausgewählt werden - obwohl die kommunistische Zentralregierung ein allgemeines Wahlrecht versprochen hatte. Nun fordern die Demonstranten lückenlose demokratische Wahlen in der einstigen britischen Kolonie, die China 1997 als Sonderverwaltungszone übernommen hatte. (num/sda)

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