Südkaukasus: Schockierendes Video – «Armeniern droht ein Völkermord durch Aserbaidschan»

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SüdkaukasusSchockierendes Video – «Armeniern droht ein Völkermord durch Aserbaidschan»

Ein Video in den sozialen Medien zeigt die Erschiessung mehrerer armenischer Soldaten. Die Gesellschaft Schweiz-Armenien fordert den Bundesrat auf, Sanktionen zu verhängen.

von
Marino Walser
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Vom 12. auf den 13. September sind zwischen Aserbaidschan und Armenien im Kaukasus wieder schwere Kämpfe ausgebrochen.

Vom 12. auf den 13. September sind zwischen Aserbaidschan und Armenien im Kaukasus wieder schwere Kämpfe ausgebrochen.

Reuters
Der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach tobt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

Der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach tobt seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion.

via REUTERS
Nun entfachen Diskussionen rund um den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut: Ein Video zeigt, wie aserbaidschanische Streitkräfte armenische Soldaten erschiessen. 

Nun entfachen Diskussionen rund um den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan erneut: Ein Video zeigt, wie aserbaidschanische Streitkräfte armenische Soldaten erschiessen. 

Screenshot/Twitter

Darum gehts

Ein Video auf Twitter zeigt mehrere armenische Soldaten, die auf einem Berg am Boden sitzen. Sie sind umzingelt von aserbaidschanischen Kämpfern. Dann folgen Schüsse. Die Bodycam eines aserbaidschanischen Soldaten filmt, wie die armenischen Soldaten grausam erschossen werden.

Veröffentlicht wurde das Video am 2. Oktober auf dem Twitteraccount des armenischen Nationalkomitees von Amerika. Der EU-Sonderbeauftragte Toivo Klaar forderte daraufhin eine Aufklärung: «Falls sich dieses Video als authentisch erweist, dann handelt es sich um ein Kriegsverbrechen, das untersucht und die Täter bestraft werden müssen», schreibt er auf Twitter. Das armenische Verteidigungsministerium, wie auch die Menschenrechtsvertreterin Armeniens, Kristine Grigoryan, haben das Video ausgewertet und für echt erklärt.

Das Video schockiert auch Armenier in der Schweiz: Die 35-jährige Siroon Hirzel aus dem Kanton Zürich sagt: «Vom Video habe ich Kenntnis. Anschauen kann ich es aber nicht.» Für sie ist klar: «Was das Video dokumentiert, ist nicht die erste brutale Tat dieser Art.»

«Aggressor beim Namen nennen»

Hirzel sei mit ihrer Cousine, die in Armenien lebt, im Austausch. «Obwohl die Leute dort Angst haben, ist der Konflikt Alltag geworden. Wir wollen einfach Frieden.» Einen wichtigen Schritt dazu sieht die Armenierin darin, den Aggressor beim Namen zu nennen. «Es findet ein Völkermord statt, verübt von Aserbaidschan. Die Schweiz, aber auch die EU sollen dies aussprechen.»

Unterstützung erhält Hirzel von der Gesellschaft Schweiz-Armenien (GSA). Am Montag publizierte die GSA im «Tagesanzeiger» ein Inserat, in dem sie die Schweiz für ihre Zurückhaltung verurteilt. «Die Schweiz muss den Aggressor beim Namen nennen und diesen verurteilen», sagt der Co-Präsident der GSA, Stefan Müller-Altermatt.

Die GSA vergleicht den Konflikt mit dem Ukraine-Krieg: «Obwohl klar ist, wer der Aggressor ist, beharrt Bern darauf, Armenien und Aserbaidschan in den gleichen Topf zu werfen. Der Bundesrat hat aber nicht gezögert, im Ukraine-Krieg den Aggressor zu verurteilen», so die GSA im Inserat.

«Schweiz unterstützt Aserbaidschan»

Für Müller-Altermatt ist klar: Die Schweiz unterstützt Aserbaidschan im Krieg gegen Armenien. Grund seien die rund 200 Socar-Tankstellen im Land, die im Besitz von Aserbaidschan sind. «Hier sollten für den Anfang weniger Devisen fliessen.» Im Jahr 2021 flossen laut Socar-Geschäftsbericht rund 26 Milliarden Franken von der Schweiz nach Aserbaidschan. Damit verbucht Socar mehr Einnahmen aus der Schweiz als aus jedem anderen Land.

Aus Sicht von Franz Grüter, Präsident der aussenpolitischen Kommission, agiert der Bundesrat in diesem Konflikt jedoch richtig. «Als die Schweiz die Sanktionen gegen Russland mitgetragen hatte, konnte sie nicht mehr in die Mittlerrolle schlüpfen. Es ist aber die Tradition der Schweiz, bei Konflikten zu vermitteln.»

«Schweiz soll vermitteln»

Diesen Part soll die Schweiz nun beim Konflikt im Südkaukasus einnehmen. «Ich hoffe, dass die Schweiz ganz konkret ihre Vermittlerdienste anbietet und von beiden Parteien akzeptiert wird. So könnten wir einen wesentlichen Beitrag zum Frieden leisten», sagt Grüter.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt auf Anfrage: «Die Schweiz ruft die Parteien auf, den am 14. September vereinbarten Waffenstillstand einzuhalten und durch Dialog und Verhandlungen eine langfristige Lösung des Konflikts zu finden. Die Schweiz ist weiterhin bereit, diesen Dialog zu fördern.» Das EDA verurteile Verletzungen des humanitären Völkerrechts ungeachtet der Urheber und setze sich dafür ein, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Konfliktklärung

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