Landwirtschaft: Den Bauern steht die Gülle bis zum Hals
Aktualisiert

LandwirtschaftDen Bauern steht die Gülle bis zum Hals

Der harte Winter stellt die Bauern vor ein übel riechendes Problem: Sie können die «Bschütti» nicht legal auf die Felder kippen. Bereits hagelt es Anzeigen gegen Jauche-Sünder.

von
Joel Bedetti

Gülle, Gülle, und nochmals Gülle – die Schweizer Bauern wissen in diesen Tagen nicht mehr wohin mit dem stinkenden Zeugs.Die Silos und Jauchelöcher vieler Bauern sind bereits zum Bersten voll – oder schon übervoll. So können die Landwirte die Gülle nur noch illegal entsorgen. Im Kanton Bern sind laut der «Berner Zeitung» bereits 15 - 20 Anzeigen wegen unerlaubtem Gülleaustrag eingegangen. Im Kanton Luzern, so Polizei-Sprecher Simon Kopp, seien zwar erst zwei Anzeigen eingegangen – mehrmals aber hätten die Behörden bereits ausrücken müssen, weil vollgestopfte Silos von Bauern geleckt hätten.

Normalerweise schütten Landwirte die Gülle auf Wiesen oder benutzen sie als Dünger. Der unerwartet lange Winter aber verunmöglicht vielen Landwirten, die Jauche gesetzeskonform loszuwerden. Ausschütten darf man den nämlich nur auf Felder, die nicht gefroren oder schneebedeckt sind. Zudem ist es untersagt, in der Nähe von Gewässern die «Bschütti» zu verteilen - sie könnte sonst ins Grundwasser sickern.

Leere Güllelöcher gesucht

«Der Jaucheüberschuss ist ein Problem, wir hoffen dass wir es in den Griff kriegen», meint Fritz Birrer vom Luzerner Landwirtschaftsamt. Bauern, deren Silos am Anschlag sind, können sich deshalb beim Amt melden. «Wir versuchen ihnen leere Güllenlöcher oder andere Ablagen zu vermitteln», sagt Birrer. Wenn es gar nicht mehr gehe, erlaube man ihnen eine kontrollierte kleine Güllenaustragung an einem klar definierten Ort. «Bereits 30 Bauern haben sich gemeldet», sagt Birrer.

Weniger alarmierend sieht die Situation im Kanton Zürich aus: Dort hat der Bauernverband Selbstinitiative ergriffen und eine Lagerbörse für freie Jauchegruben eröffnet.

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