Schweizer Milchwirtschaft : Den Bauern steht die Milch bis zum Hals
Aktualisiert

Schweizer Milchwirtschaft Den Bauern steht die Milch bis zum Hals

Ein Teufelskreis: Die Schweizer Bauern ertrinken in ihrer eigenen Milch, wenn es ihnen nicht gelingt, die Überproduktion zu stoppen.

von
Elisabeth Rizzi
Albert Rösti präsentiert die neue Website www.swissmilk.ch

Albert Rösti präsentiert die neue Website www.swissmilk.ch

Die Schweiz hortet nicht nur Gold, sondern im Moment auch einen rekordhohen Butterberg von 10 792 Tonnen. Derweil steigen die Käse- und Joghurt-Importe, während die Exporte von Schweizer Milchprodukten nicht zuletzt wegen des starken Frankens zurückgehen. Dennoch produzieren die Bauern heute gut 200 bis 300 000 Tonnen mehr Milch als vor der Abschaffung der Milchkontingente 2009. Zuviel für einen gesunden Markt. Denn die Milchpreise sinken laufend, weil das Angebot die Nachfrage bei weitem übersteigt.

«Das Problem ist, dass die Bauern auch bei sinkenden Preisen die Produktion ausdehnen, um so die Mindereinnahmen zu kompensieren», sagt Albert Rösti. Er ist Direktor des Schweizer Milchproduzentenverbandes SMP. Dadurch entstehe eine Negativspirale, die mit Innovation allein nicht zu durchbrechen sei.

Produktionsausdehnung schneller als Innovation

«Bis 2015 sollten wir gut 10 Prozent mehr Milch zu innovativen Produkten mit hoher Wertschöpfung verarbeiten», hofft er und schwärmt von Caffé Latte, Kaltbachkäsen und den vielen Kleinkäsereien mit neuen Erfindungen. Doch die Produktionsausdehnung schreite viel schneller voran, als dass sie innovativ verarbeitet werden könnte, bedauert Rösti. Die Folge sei ein wachsender Berg von billiger Butter, der zu Schleuderpreisen auf dem Weltmarkt abgebaut werden müsse.

Inzwischen hat sich der Grossteil der Branche auf einen «Fonds Marktentlastung» geeinigt. Damit soll die Differenz zwischen Schweizer- und Weltmarktpreis beim Butterexport abgegolten werden. Alle Produzenten sollen demnach 1 Rappen pro Kilogramm Milch in den Fonds einzahlen. Milchproduzenten, die bei fehlendem Absatz ihre Produktion steigern, sollen zu zusätzlichen 4 Rappen pro Kilo verknurrt werden. Aber vier regionale Milchorganisationen haben Klage dagegen eingereicht.

Er erwarte zwar, dass der Bundesrat schliesslich die Beschlüsse der Branche für allgemeinverbindlich erkläre und somit auch die vier streitbaren Kläger zur Zahlung gezwungen wären. «Aber selbst dann dürfen wir in den nächsten Monaten kaum mit steigenden Preisen rechnen. Aber das Preisniveau könnte dank schmelzendem Butterberg immerhin gehalten werden», sagt Rösti.

Im schlimmsten Fall – dann nämlich, wenn der Fonds nicht zustande kommt – sinke der Milchpreis weiter. Das würde für viele kleine Milchbetriebe das Aus bedeuten. Grosse Produzenten dagegen könnten wegen der grossen Investitionen oft gar nicht aufhören. Sie würden den Gürtel enger schnallen müssen, und die Überproduktion bliebe bestehen.

Nicht zu viel Betriebe, sondern zu viel Milch

Der Grund: «Es ist nicht so, dass wir zu viele Milchbetriebe haben. Im Gegenteil: In den letzten Jahren hat sich die Zahl auf gut 26 000 halbiert. Aber wir haben insgesamt zu viel Milch», so der Branchenvertreter. Tatsächlich hat sich die Milchmenge pro Betrieb in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Die gesamte Milchmenge ist um 7 Prozent gestiegen.

Das Angebot müsse an die Nachfrage angepasst werden, fordert deshalb Rösti. «Das Problem ist nämlich: Innovation leistet nicht in erster Linie der Bauer, sondern der Käser und der Milchverarbeiter. Da hilft Preisdruck nicht. Er trifft nur die falschen», glaubt der Milchverbandsdirektor. Ausserdem stehe das nahe Ausland punkto Innovation nicht nach.

Was also bleibt zu tun? Dank natürlichem Strukturwandel über den Generationenwechsel werde die Betriebszahl weiter zurückgehen und einzelne können sich vergrössern, sagt Rösti. Das habe aber seine Grenzen. Damit anständige Preise erzielt werden können brauche es Selbsthilfemassnahmen zur Marktentlastung.

Und dann will Rösti diesen Herbst auch für die SVP in den Nationalrat gewählt werden. «Dann würde ich beispielsweise die Swissness-Vorlage unterstützen. Denn das Schweizerkreuz muss gerade in unserer Branche besser geschützt werden, damit mit unseren Produkten gegenüber der internationalen Konkurrenz mehr Wertschöpfung erzielt werden kann», sagt er.

Ausserdem will er eine minimale Organisation der Produktionsmenge durchsetzen: «Es geht nicht um eine Kontingentierung, aber um eine Selbsthilfe wie den Fonds. Denn in unserer Branche gibt es sonst viele gegenteilige Interessen: angefangen beim Produzent, über den Käser bis zum Händler.»

Neue Milch-Website Die Organisation der Schweizer Milchproduzenten (SMP) hat ihre Website www.swissmilk.ch erneuert. Neu finden sich auf dem Portal mit der Werbe-Kuh Lovely auch 5000 Rezepte für die Alltagsküche und Gästemenus. Zudem gibt es eine eigene Back-Datenbank mit 1000 süssen und pikanten Rezepten sowie 650 Rezeptideen für Desserts.

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