UNO-Drogenbericht: Den Dealern gehen die Konsumenten aus
Aktualisiert

UNO-DrogenberichtDen Dealern gehen die Konsumenten aus

Seit rund zwei Jahren tobt in Mexiko ein blutiger Drogenkrieg. Der verstärkte Druck der Regierung sowie der Kampf um Schmuggelrouten gelten gemeinhin als Auslöser des Konflikts. Nun präsentiert ein UNO-Bericht einen dritten Grund. Ein Grund, der die Drogenkartelle besonders schmerzen dürfte.

Laut dem UNO-Weltdrogenbericht ist die weltweite Nachfrage nach Kokain, Opiaten oder Cannabis stagnierend oder geschrumpft, während die Produktion und der Konsum von synthetischen Drogen steigt. Die UNO-Fahnder gehen daher davon aus, dass die sinkende Nachfrage unter anderem zu dem Anstieg blutiger Gewalt in Mexiko beigetragen hat. Der Bericht war am Mittwoch vom Büro der UNO für die Drogen und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien und Washington veröffentlicht worden.

Im vergangenen Jahr sei allein der Koka-Anbau in Kolumbien, das die Hälfte des globalen Kokainvolumens produziert, um 18 Prozent geschrumpft, die Kokain-Produktion schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent.

Insgesamt sank die weltweite Koka-Produktion nach UNODC-Ermittlungen mit 845 Tonnen auf ein Fünfjahrestief - trotz einer Steigerung bei Anbau und Produktion in Peru und Bolivien.

Grosse Veränderungen

Der 50 Milliarden Dollar schwere globale Kokainmarkt erlebe gewaltige Veränderungen, erläutert UNODC-Chef Antonio Maria Costa in seinem Bericht. Der Reinheitsgrad und die Beschlagnahmungen seien zurückgegangen, die Preise gestiegen und die Konsummuster im Wandel begriffen.

Dies wiederum könnte laut Costa zur Erklärung des erschreckenden Anstiegs von Gewalt in Ländern wie Mexiko beitragen. In Mittelamerika kämpften Kartelle um einen schrumpfenden Markt.

Auch der Anbau von Schlafmohn ist zurückgegangen: Alleine in Afghanistan ist er um 19 Prozent gesunken. Afghanistan stand bisher für 93 Prozent der Weltproduktion von Opium, aus dem dann Heroin hergestellt wird.

Die Nachfrage nach konventionellen Drogen ist in den grössten Absatzmärkten für Cannabis, Kokain und Opiate «überall stagnierend oder rückläufig», heisst es in dem Report. Unklar sei dagegen, wie es in den Entwicklungs- und Schwellenländern aussehe.

Zunahme bei synthetischen Drogen

Gegensätzlich scheint sich der Markt für synthetische Drogen wie Amphetamine, Methamphetamine und Ecstasy zu entwickeln. Hier stabilisiert sich der Konsum in Industrieländern, während Produktion und Konsum in Entwicklungs- und Schwellenländern zu steigen scheinen.

So produzierten fabrikgrosse Labors in Südostasien gewaltige Mengen an Methamphetamin-Tabletten, Crystal Meth und anderen Substanzen wie Ketamin. Einige EU-Länder seien inzwischen Hauptlieferanten von Ecstasy, während Kanada sich zu einem wichtigen Umschlagplatz für Crystal Meth und Ecstasy entwickelt habe.

Auch die illegalen Handelswege verschieben sich, wie die UNODC warnt. Im Nahen und Mittleren Osten ist der Konsum des Amphetamins Captagon sprunghaft angestiegen. 2007 beschlagnahmte Saudi-Arabien ein Drittel aller Substanzen der Amphetamingruppe weltweit, insgesamt mehr als China und die USA zusammen.

Unterschiedlich seien die Erfolge bei der Drogenbekämpfung. Während dem Bericht zufolge 41 Prozent des weltweiten Kokainvolumens beschlagnahmt werden, sind es nur 19 Prozent aller Opiate.

Iran und Pakistan an der Spitze

Die meisten Opiate (Opium, Morphin und Heroin) wurden im Iran und Pakistan beschlagnahmt. 2007 wurden laut UNODC im Iran 84 Prozent des weltweiten Opiumvolumens konfisziert und 28 Prozent des gesamten Heroins.

Aus diesem Grund müssen laut UNO-Drogenbehörde auch gemeinsame Aktionen zur Drogenbekämpfung geplant werden. So habe die UNODC eine «Dreiecksinitiative» zwischen Afghanistan, dem Iran und Pakistan entwickelt, um die Handelswege früh zu unterbrechen. Damit komme weniger Heroin nach Europa und mehr Stabilität in die Region. (sda)

Designer-Drogen – oder schlicht «Chemie»

Synthetische Drogen werden ohne natürliche Rohstoffe im Labor hergestellt. Die gefährlichen Rauschmittel werden auch Designer-Drogen oder schlicht «Chemie» genannt. Alle machen relativ schnell süchtig.

Zu den bekanntesten zählen Amphetamin, Ecstasy und Crystal. Amphetamin ist auch unter dem Namen Speed bekannt und wird in der Regel als Pulver oder Tablette angeboten. Sie wird geschnupft, geschluckt oder auch in Wasser aufgelöst gespritzt.

Die Droge putscht auf, zügelt den Appetit und erhöht das Selbstwertgefühl sowie die Spontanität. Sie kann aber auch aggressiv machen. Oft kommt es zu Herzrasen und Überhitzung. Auch Angstzustände sind möglich. Bei Sportlern zählen Amphetamine zu den bekannten Dopingmitteln.

Die «Partydroge» Ecstasy wird häufig von jungen Menschen genommen. Die Pillen führen zu Glücksgefühlen, Kontaktfreudigkeit und Verlust des Zeitgefühls. Das körpereigene Warnsystem wird ausgeschaltet, bei langem Tanzen kann es zu extremem Wasserverlust, Organschäden oder Kreislaufzusammenbruch kommen.

Verheerende Folgen

Tödliches Nierenversagen wurde ebenso beobachtet wie tödliche Hirnblutungen. Die Droge kann zudem Psychosen und Wahnvorstellungen verursachen. Ecstasy ist ein Amphetaminderivat, also eine Art chemischer Abkömmling von Amphetamin.

Die pulverförmige, kristalline Droge Crystal wird in geraucht, geschnupft, geschluckt oder aufgelöst und gespritzt. Sie wirkt stark aufputschend, vertreibt Müdigkeit, Durst- und Hungergefühle. Sie kann aber auch zu verstärkter Aggressivität führen.

Nach dem Rausch erleben Konsumenten meist ein körperliches und psychisches Tief. Zu den Langzeitschäden gehören unter anderem ein starker körperlicher Verfall, Nierenschäden und Blutverdickung. Crystal ist Methamphetamin, also ebenfalls ein Amphetaminderivat. (sda)

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