Schlieren ZH: Den Ehemann zu Unrecht hinter Gitter gebracht
Aktualisiert

Schlieren ZHDen Ehemann zu Unrecht hinter Gitter gebracht

Mit frei erfundenen Vorwürfen hat eine Sex-Arbeiterin aus Schlieren ihren Mann für mehrere Wochen ins Gefängnis gebracht. Nun soll die alkoholabhängige Frau anstelle einer neunmonatigen Freiheitsstrafe eine ambulante Entzugstherapie besuchen.

von
Attila Szenogrady

«Wenn ich jeweils ein Gläschen Wein trinke, kann ich nicht mehr aufhören», erklärte die heute 31-jährige Beschuldigte am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon. Der blöde Alkohol habe ihr immer wieder alles zerstört, fuhr die Absturztrinkerin fort und brach immer wieder in Tränen aus. An die Nacht auf den 12. September 2010 konnte sie sich kaum mehr erinnern. Damals trank sich die Prostituierte in ihrer Wohnung in Schlieren einen massiven Rausch an. Zum Missfallen ihres nüchternen Ehemannes, der ihr am Morgen untersagte, weiter zu trinken.

Wegen Alkohol Ehemann ins Gefängnis gebracht

«Ich wollte noch mehr Alkohol trinken und deshalb meinen Mann loswerden», erinnerte sich die Angeklagte vor den Schranken zurück. Kurz vor Mittag alarmierte sie die Polizei und führte aus, dass sie von ihrem Lebenspartner geschlagen worden sei. Kurz darauf nahmen die Fahnder den mutmasslich gewaltbereiten Mann fest.

Die Frau doppelte auf dem Polizeiposten nach und gab zu Protokoll, dass sie von ihrem Mann auch mit dem Tode bedroht und schon wiederholt mit einem Messer verletzt worden sei. Zudem habe er verlangt, dass sie ihm ihren Verdienst als Sex-Arbeiterin abgeben sollte.

Unschuldig im Gefängnis

Nach der Einvernahme begab sich die Frau nach Hause. Obwohl sie damals schon mindestens 2,89 Promille Alkohol im Blut hatte, trank sie weiter. Über zehn Tage lang, wobei sie die Wohnung nicht mehr verliess und mehrere Taxifahrer beauftragte, sie mit weiteren Spirituosen zu versorgen. Die Frau hatte Glück, dass irgendwann ein Kollege auftauchte und sich um sie kümmerte. Im nüchternen Zustand erkannte sie, dass ihr Mann schon seit zwölf Tagen unschuldig im Gefängnis sass. Am 24. September meldete sie sich bei der Staatsanwaltschaft und räumte ein, dass sie ihren Gatten falsch angeschuldigt hatte. Fünf Tage später wurde er aus der Haft entlassen.

Therapie statt Knast

Vor Gericht legte die Angeschuldigte ein umfassendes Geständnis ab und gab an, dass sie seit Januar 2011 keinen Alkohol mehr getrunken habe. Sie werde im kommenden Dezember nach Polen reisen und eine Art Antabus-Kur auf Pflasterbasis durchführen. Der Ehemann habe ihr verziehen und ihr eine letzte Chance gegeben. Der Verteidiger akzeptierte die Schuldsprüche wegen falscher Anschuldigung sowie Freiheitsberaubung, verlangte aber nicht nur eine milde Freiheitsstrafe von drei Monaten, sondern auch den Aufschub der Sanktion zugunsten einer ambulanten Entzugstherapie. Der Anwalt stützte sich dabei auf ein Gutachten ab. Dieses attestierte der Beschuldigten eine schwere Verminderung der Schuldfähigkeit zur Tatzeit.

Das Gericht folgte aufgrund des bedeutenden Deliktes der Anklagebehörde und setzte eine Freiheitsstrafe von neun Monate fest. Einzelrichter Bruno Amacker erinnerte daran, dass bei der falschen Anschuldigung der Strafrahmen bis zu 20 Jahren Freiheitsentzug reiche. Doch auch das Gericht war von der schweren Krankheit der Limmattalerin überzeugt und schob die Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme auf. Im Sinne einer allerletzten Chance.

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