Immobilien-Preise: Den Familien-Skiorten droht die Abwanderung
Aktualisiert

Immobilien-PreiseDen Familien-Skiorten droht die Abwanderung

Von wegen Immobilienboom: Während die Bodenpreise in Top-Feriendestinationen explodieren, fallen die Preise in Familien-Skiorten ab. Schuld ist nicht nur der Schneemangel.

von
Leo Hug und Elisabeth Rizzi
Nicht etwa Schneemangel macht mittelgrossen Skiorten zu schaffen(im Bild Bellwald). Ihnen mangelt es an Infrastruktur, die in Topdestinationen längst Standard ist; etwa Golfplätze, Wellnessoasen oder schlicht genügend Bergbahnen.

Nicht etwa Schneemangel macht mittelgrossen Skiorten zu schaffen(im Bild Bellwald). Ihnen mangelt es an Infrastruktur, die in Topdestinationen längst Standard ist; etwa Golfplätze, Wellnessoasen oder schlicht genügend Bergbahnen.

Nicht nur in den Hotspots Zürich und Genf steigen die Immobilienpreise rasant. Auch in der obersten Liga der Schweizer Tourismusdestinationen sind die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten fünf Jahren regelrecht explodiert. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen ist in Gstaad um 62 Prozent auf 13 900 Franken geklettert. Im Oberengadin fand ein Anstieg von 46 Prozent auf 13 400 Franken statt. Etwas günstiger – aber immer noch nicht gerade billig – ist Zermatt mit 11 400 Franken pro Quadratmeter. Kein Wunder klassifiziert die Immobilienberatung Wüest & Partner diese Gebiete als stark bis sehr stark überhitzungsgefährdet.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. «In den Top-Destinationen stellen wir einen Boom fest. An anderen alpinen Ferienorten ist in den letzten Jahren bei den Preisen nicht viel passiert», meint Matthias Holzhey. Er ist Immobilienanalyst und Mitautor des UBS Immobilienblasenindex.

Mangelnde Infrastruktur

Im Schatten der Boomregionen darben die mittelgrossen Tourismus-Destinationen. Die Wohnungspreise der klassischen Familien-Skigebiete hinken sogar weit hinter dem Landesdurchschnitt her. Gemeint sind damit nicht etwa abgelegene und schneearme Dörfchen mit ein, zwei Skiliften, sondern etablierte Brands im alpinen Tourismus. Gemäss Wüest & Partner fallen die Preise in Leukerbad, Goms, Bellwald oder auch dem Haslital und in der oberen Surselva mit Disentis, Vals oder Obersaxen in den letzten Jahren gegenüber den Top-Orten immer stärker ab. Der Quadratmeter kostet dort heute gerade mal zwischen 3800 und 5200 Franken. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen in der Schweiz liegt demgegenüber bei 5630 Franken.

Ski-Attacke am HB

Das liegt nicht etwa nur an der Schneearmut. Gemäss Wüest & Partner fehlt es diesen alpinen Orten viel mehr an der Qualität der Infrastruktur: «Es mangelt noch an Bergbahnen, Wellnesstempeln, Golfplätzen und anderen Angeboten, die in den Topdestinationen zum Standard gehören», sagt Reto Frey, Berater bei Wüest & Partner. Alle diese Destinationen haben zudem eine lange Anfahrtsstrecke. Sie sind mangels ökonomischen Perspektiven gar von Abwanderung bedroht.

Zusammenschluss gefordert

Damit diese Familienskigebiete nicht noch weiter dahindarben, fordert der Bund, dass sich die einzelnen Orte zu grösseren Tourismusdestinationen zusammenschliessen. Ein Beispiel: Andermatt hätte aus eigener Kraft kaum touristische Überlebenschancen gehabt. Nun stehen über 80 Mio. Franken Finanzierungshilfe des Bundes für die Verbindung seines Skigebiets mit Sedrun zur Diskussion.

Den Anstoss zu dieser Skigebietsverbindung gaben die Pläne des Ägypters Samih Sawiris, Andermatt in einen Luxus-Ferienort zu verwandeln. Derzeit ist zwar noch keines der neuen Projekte in Andermatt fertig gebaut. Der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen ist in den letzten fünf Jahren trotzdem bereits um 61 Prozent auf 6600 Franken gestiegen. Die neuen Zweitwohnungen im vom Ägypter errichteten Resort werden sogar mit einem Preis bis zu 15 000 Franken pro Quadratmeter angeboten.

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