Aktualisiert 27.10.2009 17:40

Webrecherche«Den Familienfilter bewusst ausschalten»

Die neue Suchmaschine Wowd will ihren Nutzern nur Treffer von guten und aktuellen Webseiten liefern. Dabei setzt sie auf die Hilfe ihrer Nutzer, die sich eine Software installieren sollen. Warum man Auskunft über sein Surfverhalten geben sollte und wie es das Unternehmen mit dem Jugendschutz hält, wollte 20 Minuten Online von Macher Mark Drummond wissen.

von
Henning Steier

Mit Wowd steht seit wenigen Tagen eine neue Suchmaschine im Netz, die unter anderem Nutzer gewinnen will, weil sie ihnen nur Treffer von Seiten präsentieret, die auch wirklich von anderen Usern besucht wurden. Weil man sich möglichst neue oder beliebte Treffer liefern lassen kann, soll Wowd eine Kombination aus Echtzeit-Suche wie der auf Twitter und dem Angebot etablierter Anbieter wie Google, bing oder Yahoo sein. Im Gegensatz zu ihnen unterhält Wowd keine eigenen Serverfarmen, sondern verlagert Rechenleistung auf die Computer der Nutzer und wertet ihr Surfverhalten anonymisiert aus. Warum man sich die Wowd-Software installieren soll und wie Spammer draussen bleiben sollen, wollte 20 Minuten Online von Wowd-Chef Mark Drummond wissen.

20 Minuten Online: Wie viele Nutzer haben sich die Wowd-Software schon heruntergeladen?

Mark Drummond: Die Zahl der Downloads geben wir nicht bekannt.

Wie viele Nutzer braucht Wowd, um gute Ergebnisse zu liefern?

Auch diese Zahl halten wir aus Wettbewerbsgründen unter Verschluss.

Wowd will Nutzer möglichst ohne Zeitverlust informieren, welche Themen im Web gerade relevant sind. Was unterscheidet Ihr Angebot von Twitters Suche oder Google News?

In unserer so genannten Hot List kann man sehen, welche Webseiten am schnellsten das Popularitätsranking hinaufklettern. Twitter ist für uns eine wichtige Datenquelle, aber stellt natürlich nur einen ganz kleinen Teil des Netzes dar. Grob verkürzt, nutzen wir den Microblogging-Dienst, um beliebte Themen und Websites zu identifizieren, anstatt ihn zu durchsuchen - wie das zahlreiche andere Anbieter bereits tun. Bekanntlich haben Microsoft und Google kürzlich Derartiges angekündigt. Twitter ist aber nur ein Mosaikstein in Wowd, denn grösstenteils basiert unser Dienst auf den anonymisierten Daten seiner Nutzer, die sie uns freiwillig zur Verfügung stellen. Der Unterschied zu Google News liegt auf der Hand. Der Suchanbieter lässt seine Rechner nur ausgewählte Quellen auswerten und die Resultate tauchen mit einer gewissen Verzögerung auf Google News auf.

Auch die Treffer von Wowd sind nicht gerade brandaktuell. Im Test wurden 20 Minuten Online als in der Hot List sogar noch solche präsentiert, die bis zu 59 Minuten alt waren.

Die Seite steht erst seit sechs Tagen im Netz und natürlich gibt es noch Optimierungsbedarf.

Besser werden ist das Eine, Geld verdienen das Andere. Wie sehen Ihre Pläne diesbezüglich aus?

Wir werden Werbung auf der Seite haben. Zurzeit sind wir natürlich noch mit der Markteinführung unseres Angebots beschäftigt.

Welche Datenmengen müssen Nutzer der Wowd-Software auf ihrem Rechner speichern lassen?

Das Volumen ist vernachlässigbar gering - für moderne Rechner. Es hängt natürlich auch vom verfügbaren Netzwerk ab. User können den Traffic aber ganz einfach über den Menüpunkt «Resources» in den Einstellungen auf unserer Webseite einschränken.

Gutes, englisches Stichwort. Wann kann man eine deutschsprachige Benutzeroberfläche erwarten?

Das kann ich nicht sagen. Wie erwähnt: Wir sind erst einmal mit der Markteinführung beschäftigt und müssen dafür sorgen, dass alles stabil läuft.

Warum sollte man sich Ihre Software überhaupt installieren?

Nur wer das kleine Tool verwendet, wird schon bald ein Seitenempfehlungen erhalten, wie man das von Amazon für Produkte oder von Netflix für Filme kennt. Wer überdies Erwachseneninhalte angezeigt bekommen möchte, braucht dafür auch unsere Software.

Wowd ködert also seine Nutzer beispielsweise mit Porno-Treffern in der Hot List - nur wer mitmacht, bekommt solche Ergebnisse angezeigt. Haben Sie keine Jugenschutzbedenken?

Nein. Denn für alle Nicht-Nutzer unserer Software gibt es keine solchen Treffer und wer das Programm installiert hat, muss in den Einstellungen den Familienfilter bewusst ausschalten. Damit unterscheiden wir uns nicht von anderen Suchmaschinen auf den Markt.

In den Einstellungen zur Privatsphäre kann man ein Häkchen entfernen und schon werden Seiten, die man besucht, nicht in den Wowd-Index aufgenommen. Nutzer könnten also Ihre Software installieren, alle Vorteile nutzen, Ihnen aber nichts zurückgeben.

Das mag sein. Aber die meisten unserer User tragen den Community-Gedanken in sich und wollen daher durchaus ihren Beitrag leisten.

Wie schützen Sie denn die Privatsphäre der Wowd-Nutzer?

Wir speichern keinerlei persönliche Daten wie Namen, E-Mail- oder IP-Adressen und könnten daher auch keine herausgeben.

Wie wollen Sie verhindern, dass Suchmaschinenoptimierer Wowd missbrauchen, indem sie durch viele Besuche SPAM- oder Malware-Seiten populär machen und sie so in Ihrem Index nach oben bringen?

Selbstverständlich haben wir Kontrollmechanismen, die ich hier aber natürlich nicht verraten werde. Nur so viel: Unser Algorithmus analysiert unter auch die Verlinkung von Webseiten, um einen Hinweis auf ihre Qualität zu bekommen und ist daher denjenigen klassischer Suchanbieter nicht ganz unähnlich.

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