Rangers ausgeschieden: Den Giganten zum Schweigen gebracht
Aktualisiert

Rangers ausgeschiedenDen Giganten zum Schweigen gebracht

Nach dem Zwangsabstieg kämpft sich der Traditionsklub Glasgow Rangers zurück. Rückschläge wie eine peinliche Schlappe gehören dazu. So auch im Liga-Cup, als eine Bestmarke winkte.

von
Reto Fehr

Im Sommer wurden die Glasgow Rangers wegen finanziellen Problemen zwangsrelegiert. Der Weltrekordhalter in Sachen nationale Meistertitel musste nach ganz unten, in die vierte schottische Profiliga. Dort tat sich der Nachfolgeverein Rangers FC zu Beginn schwer. Zum Auftakt gabs nur ein 2:2 in Peterhead und auch die folgenden Reisen in die Provinz waren nicht immer erfolgreich.

Immerhin ist der Traditionsklub – der weiterhin funktioniert wie ein Spitzenteam des Landes und seinen Ligakonkurrenten so deutlich überlegen sein sollte – seit der achten Runde erstmals an der Spitze der Tabelle (aktuell neun Runden gespielt). Die Rangers haben am meisten Tore erzielt und am wenigsten kassiert. Der direkte Aufstieg in die dritthöchste Spielklasse sollte kein Problem darstellen. Und die Fans stehen hinter dem Klub. Im Ranking der meistbesuchten Heimspiele grüssen die Rangers im europäischen Vergleich mit allen Topklubs dank fast 50 000 Zuschauern im Schnitt von Rang 14 (als Viertligist!). Doch es gab auch Tiefschläge: Die einzige Saisonniederlage setzte es ausgerechnet gegen Stirling Albion ab – das Schlusslicht. Und zu allem übel war beim Gegner der Trainer dabei nicht an der Seitenlinie, weil er am gleichen Tag heiratete.

Der Coup gegen den ungeschlagenen Leader

Trotzdem sind die Ambitionen bei den Rangers ungebrochen. In der dritten Runde des League Cups wurde mit Motherwell der damals noch ungeschlagene Leader der höchsten Spielklasse 2:0 abgefertigt, was Hoffnungen weckte. Von der «Wiedergeburt» war die Rede, oder von einem «Vergeltungsschlag» für die Relegation. Grosse Töne werden nach solchen Erfolgen schnell wieder gespuckt.

Am Mittwoch hätte im Viertelfinal mit Inverness der zweite Klub aus der Premier League eliminiert werden sollen. 30 000 pilgerten in den Ibrox Park. Doch der Gast siegte 3:0. Der Gigant, der sich auch in der 4. Liga noch als solcher fühlt und gerade richtig in Schwung kommt, ist fürs Erste zum Schweigen gebracht worden. Die Rangers – Rekordsieger des Cups mit 27 Titeln – verpassen es als erster Klub aus der vierthöchsten Liga in die Halbfinals des Wettbewerbs vorzustossen. Natürlich sei die Niederlage vermeidbar gewesen, ja man hätte gar besser gespielt. Für die jahrelang so übermächtigen Rangers fühlt sich ein 0:3 gegen Inverness noch immer an, als ob man 0:10 verloren hätte. Das Schweigen und Wundenlecken dürfte nicht lange dauern.

Kleines Trostpflaster ist zudem, dass der Sieg im League Cup seit 1995 nicht mehr zur Teilnahme im europäischen Geschäft berechtigt. Dafür müssten die «Gers» den FA Cup gewinnen. In der dritten Runde treffen sie dabei am Samstag auf Alloa (3. Liga). Die Teams der höchsten Liga greifen allerdings erst später in den Wettbewerb ein – doch die Träume der Rangers gehen weiter.

Träume von der Champions League

Apropos europäisch spielen: Charles Green, der im Sommer den Klub übernahm und damals erklärte, er wolle nur den «Patienten am Leben erhalten» und dann schnell wieder weg sein. Er sei kein Fan und arbeite ohne Emotionen für den Klub. Das hat sich geändert. Vor dem Spiel gegen Inverness sagte er: «Ich gehe nicht bevor die Champions League Musik im Ibrox gespielt wird.» Im Idealfall ist dies in der Saison 2016/17 möglich. «Feuerwehrmann» Green, fügte mit einem Lächeln an: «Vielleicht auch erst, wenn wir den Champions-League-Titel gewonnen haben.»

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