Aktualisiert 18.12.2008 10:11

Daniel Albrecht«Den grössten Druck mache ich mir selbst»

Daniel Albrecht galt zum Saisonstart als Mitfavorit auf den Sieg im Gesamtweltcup. Doch in den letzten Rennen sind dem 25-jährigen Walliser die Dinge aus dem Ruder gelaufen. Der Kombinations-Weltmeister spricht mit 20 Minuten Online über seine aktuelle Situation.

von
Peter Haab

20 Minuten Online: Daniel Albrecht, zum Saisonstart in Sölden waren Sie total locker. Jetzt haben Sie sich von Rennen zu Rennen mehr verkrampft. Warum diese negative Entwicklung?

Daniel Albrecht: Darüber habe ich in letzter Zeit auch viel nachgedacht. Aber es ist trotzdem nicht einfach, die Frage mit zwei, drei Sätzen zu beantworten. Es sind viele kleine Dinge, die zuletzt in Val d'Isère und vorher bei den Nordamerika-Rennen nicht optimal zusammengepasst haben.

Liegen die Ursachen eher beim Fahrer oder bei der jeweiligen Material-Wahl?

Um ehrlich zu sein, in beiden Bereichen. Vor allem in der Super-Kombination und im Riesenslalom ist mir die Wahl des richtigen Ski-Modells in letzter Zeit nicht immer leicht gefallen. Solche Dinge passieren vor allem dann, wenn die Resultate im Vorfeld nicht gestimmt haben und sich als Folge davon eine gewisse Unsicherheit einschleicht. Wenn es gut läuft, studiert man ganz automatisch weniger am Material herum.

Und wo lagen die Probleme beim Fahrer selbst?

Man kann es vielleicht am besten mit «Risiko-Dosierung» umschreiben. Die Topleute im Weltcup liegen extrem eng beisammen. Von meinem Naturell her bin ich der Typ, der in jedem Rennen um den Sieg mitfahren will. Wenn ich dann nach dem ersten Lauf in einem Riesenslalom beispielsweise an fünfter Stelle lag, sagte ich mir: noch ein bisschen mehr Risiko, und du kannst das Rennen gewinnen. Manchmal funktioniert das, wie beim Saisonstart in Sölden und manchmal eben nicht, und dann fliegt man wegen zu viel Risiko raus.

Wenn es gleich ein paarmal hintereinander nicht funktioniert, wird es aber unangenehm.

Ja, genau da liegt das Problem. Der Fahrer weiss, dass er dringend wieder ein Resultat braucht und neigt unbewusst dazu, das Rennen zu verbremsen. In einer solchen Situation die richtige Dosierung zu finden, ist etwas vom Schwierigsten im Skirennsport.

In rund sechs Wochen stehen die Ski-Weltmeisterschaften in Val d'Isère an. Sie gelten als grosser Schweizer Hoffnungsträger. Was haben Sie sich persönlich für diesen Grossanlass vorgenommen?

Ich habe das schon vor dem Saisonstart gesagt, und es ist immer noch mein grosses Ziel: Ich möchte mich mannschaftsintern für den Start in sämtlichen Disziplinen qualifizieren. Das allein ist schon eine ambitiöse Zielsetzung. Was dann vor Ort dabei herauskommt, werden wir sehen. Im Moment mache ich mir dazu noch keine unnötigen Sorgen. Lieber jetzt ein paar Probleme als anfangs Februar.

Mit dem Super-G in Val Gardena morgen Freitag und dem Riesenslalom und Slalom in Alta Badia bestreiten Sie vor Weihnachten noch drei Rennen. Welches ist Ihr grösster Wunsch?

In der jetzigen Situation geht es darum, möglichst in allen drei Rennen zu punkten. Ich muss meine Sicherheit wieder finden. Ganz besonders würde ich mich über ein gutes Resultat im Slalom von Alta Badia am Montag freuen. Denn in dieser Disziplin existiert für mich im Moment das grösste Fragezeichen. Wir haben in dieser Saison mit dem Rennen in Levi erst einen Spezialslalom gehabt. Und dort bin ich ausgefallen, habe also ein Negativerlebnis im Hinterkopf.

Spüren Sie zurzeit einen speziellen Druck, weil es in letzter Zeit nicht ganz rund gelaufen ist?

Von aussen spüre ich gar keinen Druck. Das ist für mich kein Problem. Ich bin eh ein Typ, der sich den grössten Druck immer selbst macht. Doch jetzt gilt es, den Tritt wieder zu finden. Ich muss möglichst locker bleiben und darf von mir selbst nicht zu viel erwarten.

Wie sehen Sie nach den letzten Wochen Ihre Chancen im Gesamt-Weltcup?

Daran versuche ich im Moment nicht allzu viel zu denken. Es ist auch nicht so, dass ich mich vor der Saison völlig auf dieses eine Ziel fixiert hätte. In der jetzigen Situation muss ich Rennen für Rennen nehmen und versuchen, immer die richtige Mischung aus Angriff und Vorsicht zu finden. Wenn mir das optimal gelingt, wird vielleicht auch der Gesamt-Weltcup bald wieder zum Thema. Der Winter ist noch lang.

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