Devisen-Skandal: Den Grossbanken drohen harte Strafen
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Devisen-SkandalDen Grossbanken drohen harte Strafen

Der Devisenhandel-Skandal kommt die Grossbanken wohl teuer zu stehen. Der Weko-Vizedirektor stellt härtere Strafen in Aussicht - da es wahrscheinlich ein «Wiederholungsfall» sei.

Das Image der UBS hat nach dem Betrugsskandal zweier Devisenhändler erneut Schaden genommen. Der Grossbank droht eine saftige Busse.

Das Image der UBS hat nach dem Betrugsskandal zweier Devisenhändler erneut Schaden genommen. Der Grossbank droht eine saftige Busse.

Indizien deuten darauf hin, dass Händler der UBS und anderer Grossbanken im Devisenhandel Kurse manipuliert haben. Zwei fehlbare UBS-Mitarbeiter wurden offenbar bereits entlassen, wie die Zeitung «Schweiz am Sonntag» schreibt.

Für die UBS würde es doppelt teuer, wenn nachgewiesen würde, dass ihre Händler auch beim Handel mit Fremdwährungen illegale Absprachen getroffen haben. Die Wettbewerbskommission (Weko) führt eine Untersuchung gegen die UBS wegen Absprachen bei der Festlegung des Libor-Zinssatzes. Im Wiederholungsfall sieht das Kartellgesetz eine Verschärfung der Strafe vor.

Obwohl es sich mit dem Devisenhandel um einen anderen Bereich des Bankings handelt, ist die Wertung als Wiederholungsfall wahrscheinlich. Weko-Vizedirektor Patrik Ducrey sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Wenn eine Bank, die vom Libor-Verfahren betroffen ist, noch nach dessen Eröffnung an einer Devisen-Absprache teilgenommen hat, würden wir das mit grosser Wahrscheinlichkeit als mehrfachen Verstoss werten.» Noch ist unklar, weswegen Weko und Finma ermitteln. Kommuniziert wurde von beiden Behörden diesen Freitag lediglich der Verdacht auf «Manipulation» von Wechselkursen.

«Drastische Bussen im dreistelligen Millionenbereich»

Aufsichtsbehörden grosser Finanzplätze in Europa ermitteln ebenfalls seit Monaten gegen Grossbanken, die mit Devisen handeln. Eine Summe von 5,3 Billionen Dollar wird pro Tag im Devisenmarkt umgesetzt. Trotzdem ist dieser Markt immer noch am wenigsten reguliert. Experten fordern deshalb bereits seit langem strengere Regeln für den grössten Finanzmarkt der Welt. «Es braucht drastische Bussen im dreistelligen Millionenbereich und eine tiefreichende Untersuchung der Verantwortlichkeit», sagt Maurice Pedergnana (48), Professor für Banking & Finance an der Hochschule Luzern im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag».

Das zwinge zu einer konsequenten Beleuchtung der Kompetenzen und Fähigkeit aller Leute in den Risikosteuerungs- und kontrollfunktionen der Banken bis hinauf in den Verwaltungsrat und dessen Ausschüsse. «Wenn die Risikoüberwachung auf der zweiten und dritten Verteidigungslinie mit Praktikanten und ähnlichem Personal besetzt wird, ist das vergleichbar, wie wenn eine anrückende Panzerkolonie mit Nägeln auf der Strasse gestoppt werden soll», sagt Pedergnana.

FDP-Präsident Müller will fehlbare Banker «ins Pfefferland» schicken

FDP-Präsident Philipp Müller fordert ein hartes Durchgreifen gegen fehlbare Banker. «Die FDP verlangt von den Führungsriegen der Banken, jene Händler, die den Betrug und die Geldgier in den Genen zu tragen scheinen, auszusortieren und ins Pfefferland zu schicken», sagt Müller in der «NZZ am Sonntag». «Die regionalen Angestellten der Banken sind stinksauer. Gegen sie wird nun wegen der jüngsten Verfehlung gewisser Händler wieder gestichelt, obwohl sie keine Schuld trifft», so Müller weiter.

SP-Nationalrat Corrado Pardini zweifelt an der Arbeit der Finanzmarktaufsicht: «Die Finma hat einmal mehr zu stark auf Vertrauen gebaut.» Es brauche eine stärkere Kontrolle durch die Politik. Die Selbstregulierung des Finanzplatzes funktioniere nicht.

Seine Parteikollegin Susanne Leutenegger Oberholzer bringt das Parlament ins Spiel: «Die SP verlangt, dass der Sachverhalt durch die zuständigen Institutionen (Finma, Weko, Schweizerische Nationalbank) vor der Wirtschaftskommission des Nationalrats geklärt wird und insbesondere auch die nötigen Vorkehrungen und die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft.» Leutenegger Oberholzer will an der kommenden Sitzung der nationalrätlichen Wirtschaftskommission dazu einen Antrag einreichen.

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