07.12.2018 04:48

Kassenlose Läden

«Den Händlern geht es darum, Geld zu sparen»

Valora plant einen Laden ohne Kasse in der Schweiz. Bringt das dem Kunden überhaupt etwas, oder wollen Firmen so einfach beim Personal sparen?

von
R. Knecht
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Im neuen Ladenformat namens Avec Box von Valora müssen Kunden künftig nicht mehr an der Kasse anstehen. (Im Bild: Visualisierung des Ladenkonzepts)

Im neuen Ladenformat namens Avec Box von Valora müssen Kunden künftig nicht mehr an der Kasse anstehen. (Im Bild: Visualisierung des Ladenkonzepts)

Ursprünglich war auf dem Konzeptbild auf der Website von Valora allerdings ein Migrolino zu sehen.

Ursprünglich war auf dem Konzeptbild auf der Website von Valora allerdings ein Migrolino zu sehen.

20 Minuten/Screenshot
Es ist der Migrolino an der Langstrasse in Zürich.

Es ist der Migrolino an der Langstrasse in Zürich.

Migrolino

Ein Laden ohne Kasse, alles läuft per App. Das ist das neue Konzept namens Avec Box von Valora. Marta Kwiatkowski, Trendforscherin und Retail-Expertin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, erklärt, warum Detailhändler solche Konzepte entwickeln, was der Konsument davon hat und welche Konsequenzen Läden ohne Kassen fürs Personal haben könnten.

Frau Kwiatkowski, will der Kunde überhaupt kassenlose Läden?

Ja. Solche Läden sind durchaus erwünscht. Im physischen Handel geht es immer weniger um Beratung, gerade im Convenience-Bereich. Die Transaktion an der Kasse bringt weder Kunden noch Händlern einen Mehrwert. Wenn Konsumenten das künftig schneller und intuitiver per App machen können, dürfte das gut ankommen.

Wird es bald überall solche Läden geben?

Die Technologie ist noch nicht ganz so ausgereift, aber in diese Richtung geht es. Das Konzept Amazon Go in den USA geht jetzt schon weiter als das von Valora: Dort muss man nicht einmal mehr die Produkte mit dem Handy scannen, sondern man geht einfach mit den Artikeln aus dem Laden und alles läuft im Hintergrund ab.

Sparen Firmen so Personal?

Man kann nicht wegdiskutieren, dass es aus personeller Sicht Konsequenzen haben wird. Den Händlern geht es bei neuen Konzepten darum, effizienter zu werden – also auch darum, Geld zu sparen. Es wird weniger klassische Verkäufer brauchen. Dafür aber vielleicht anderes Personal, das mehr auf Produkte spezialisiert ist oder eine höhere Sozialkompetenz hat, um Kunden, die Unterstützung wünschen, im Laden zu begleiten.

Sammeln die Händler auch Daten der Kunden, wenn sie mit der App bezahlen?

Wenn man Prozesse digitalisiert, wird es einfacher, Daten über die Kunden zu erheben. Bei einer App geschieht das einfach weniger explizit als etwa mit einer Kundenkarte, weil es für den Konsumenten auch bequemer ist. Das Kärtli muss er immer extra suchen und vorzeigen, bei der App passiert das im Hintergrund.

Könnte es Konsumenten nicht auch stören, dass sie die Kassierarbeit selbst machen müssen?

Das kann sein, wenn der Prozess vergleichbar ist mit dem, was das Verkaufspersonal bisher gemacht hat. Aber es läuft darauf hinaus, dass Kunden irgendwann nur noch Produkte nehmen und den Laden verlassen können.

Wird es Anlaufschwierigkeiten geben?

Klar, wir befinden uns in einer Übergangsphase: Die Prozesse müssen gelernt und verinnerlicht werden. Wenn Kunden ein paar Mal in kassenlosen Läden eingekauft haben, wird es viel weniger Probleme geben. Eine Hürde könnte auch sein, dass Kunden für jeden Händler eine eigene App brauchen werden. Dadurch würde der Prozess weniger bequem werden. Es könnte darum bald Dienstleister geben, die diese Systeme vereinen. Amazon und Alibaba machen vor, in welche Richtung dies gehen dürfte.

Marta Kwiatkowski ist Trendforscherin und Retail-Expertin am Gottlieb-Duttweiler-Institut.

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