BMW-Sauber verschenkte Vettel: «Den kannst du in der Pfeife rauchen»
Aktualisiert

BMW-Sauber verschenkte Vettel«Den kannst du in der Pfeife rauchen»

Bei BMW-Sauber wurde er letzte Saison gewogen, für zu leicht befunden und zu Toro Rosso abgeschoben. Eine folgenschwere Fehlentscheidung des Rennstalls mit Hauptsitz in Hinwil.

von
Peter Haab

Es kommt auch im Fussball immer wieder vor: Ein Verein hat über längere Zeit einen Rohdiamanten im Kader und merkt es gar nicht. Wenn der dann zu einem andern Verein wechselt, macht er plötzlich den Knopf auf. Genau diese Geschichte ist BMW-Sauber im letzten Jahr passiert. Die hatten Sebastian Vettel als Testpilot unter Vertrag. Vettels Talent war unbestritten. Aber bei BMW-Sauber haben sie das künftige Potenzial des schmächtigen Jünglings falsch eingeschätzt. Komplett falsch, gilt es anzufügen.

«Den kannst du in der Pfeife rauchen», witzelten einige BMW-Ingenieure hinter vorgehaltener Hand. Sie waren deshalb auch nicht im Geringsten beunruhigt, als Teamchef Mario Theissen Sebastian Vettel Ende Juli 2007 für das Team von Toro Rosso freigab. Vettel wurde vom italienischen Rennstall ab dem Grand Prix von Ungarn für den Rest der Saison als neuer Stammfahrer eingesetzt und zudem für 2008 bestätigt.

Verabschiedung Vettels ein Riesenflop

Sebastian Vettel bestreitet 2008 also seine erste komplette GP-Saison. Der Monza-Sieg ist alles andere als Zufall. Auch in Valencia und Spa-Francorchamps hat Vettels Leistungskurve deutlich nach oben gezeigt. Schon die Pole Position im verregneten Abschlusstraining vom Samstagnachmittag war eine Meisterleistung. Und spätestens seit Sonntag weiss man es auch bei BMW-Sauber: Die Verabschiedung von Vettel war ein Riesenflop! Da hätten sie in München und Hinwil besser auf den siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher hören sollen. Der sagte nämlich zu Toro-Rosso-Teamteilhaber Gerhard Berger: «Den Vettel musst du dir genau anschauen. Ich bin überzeugt, der wird mal ein ganz Grosser.»

Teamplayer ohne Starallüren

Sebastian Vettel ist ein umgänglicher, bodenständiger Typ mit Wohnsitz in Walchwil am Zugersee. Der Bursche ist stets freundlich und aufgestellt. Er scheut sich nicht, Emotionen zu zeigen und ist ein echter Teamplayer fern jeglicher Arroganz. Starallüren sind ihm völlig fremd.

Die Motorsportkarriere des 21-jährigen Deutschen, der früher ein Schumacher-Poster in seinem Zimmer hängen hatte, begann 1995 im Kartsport. Dort eilte er von Erfolg zu Erfolg und 2003 schlug er in seiner ersten Saison in der Formel BMW mit dem Vize-Titel gleich voll ein. 2004 war er dann nicht mehr zu bremsen: 18 Siege in 20 Rennen bedeuteten überlegen die Meisterschaft und bis heute Rekord.

Schumi als Förderer

In Deutschland ist Sebastian Vettel für viele der logische Nachfolger von Michael Schumacher. Schumi hat die Karriere seines jungen Landsmannes in der Zeit als Kart-Fahrer grosszügig gefördert. Doch Vettel wollte am Sonntag nach seinem ersten GP-Sieg (noch) nicht mit Schumacher verglichen werden. Er weiss nur zu gut, dass es bis «Schumi 2» noch ein weiter, steiniger Weg sein wird. Und genau diese nüchterne, bodenständige Art ist eine der grössten Stärken des 21-jährigen Strahlemanns.

Deine Meinung