Cupsieg mit Frankfut: Den Krebs besiegt, den Pokal gewonnen
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Cupsieg mit FrankfutDen Krebs besiegt, den Pokal gewonnen

Vor zwei Jahren war beim Fussballer Marco Russ Krebs diagnostiziert worden. Nun hat er mit Frankfurt sensationell den DFB-Pokal gewonnen.

von
nry
Endlich hat er ihn: Frankfurt-Urgestein Marco Russ lässt sich mi dem Pokal feiern.

Endlich hat er ihn: Frankfurt-Urgestein Marco Russ lässt sich mi dem Pokal feiern.

Keystone/Arne Dedert

«Wir waren bis zu den Haarspitzen motiviert. Dieser Sieg ist unfassbar!», sagt Marco Russ nach dem überraschenden Cup-Triumph der Eintracht Frankfurt über den Favorit Bayern München. Es ist ein emotionaler Moment. Emotional, weil der 32-Jährige die langersehnte Trophäe geholt hat, nachdem er und sein Team noch im letzten Jahr an gleicher Stätte an Dortmund gescheitert waren. Emotional auch, weil vor zwei Jahren nicht mal sicher gewesen war, ob Russ überhaupt jemals wieder auf dem Platz stehen würde.

«Ich habe natürlich vieles hinterfragt»

Es war 2016, als bei Russ Hodenkrebs festgestellt wurde. Eine niederschmetternde Nachricht für den Deutschen. «Ich habe natürlich vieles hinterfragt in der letzten Zeit, ob ich bewusst gelebt oder etwas vernachlässigt habe», sagte er einige Monate nach der Diagnose.

Die Nachricht traf nicht nur den Innenverteidiger hart, sondern symbolisierte gleichzeitig auch einen Stich ins Herz des Traditionsvereins. Bereits zu Juniorenzeiten war Russ fester Bestandteil des Clubs. Seit 2005 spielte er fast ununterbrochen für die erste Mannschaft von Frankfurt, nur einmal verliess er sie kurz für ein halbes Jahr in Richtung Wolfsburg.

Für Trainer Niko Kovac war die Diagnose ebenfalls ein Schock: «Ich musste erst einmal schlucken.» Doch sowohl Kovac als auch Frankfurt hielten an Russ fest und verlängerten seinen Vertrag bis 2019. Ein Zeichen des Vertrauens und der Hoffnung, dass Russ wieder vollständig genest und auf den Platz zurückkehrt.

Nach 285 Tagen wieder im Einsatz

Er kehrte zurück. Vor einem Jahr im Pokalviertelfinal gegen Arminia Bielefeld. Nach zwei Chemotherapien und 285 Tagen. Für Russ war es ein denkwürdiger Abend. Beim Aufwärmen lächelte er, freute sich auf seinen Einsatz. Als er in der Nachspielzeit unter tosendem Applaus eingewechselt wurde, skandierten 39'000 Zuschauer seinen Namen. Und als er nach dem Spiel seine Tochter in den Arm nahm, flossen die Tränen.

«Ich hatte den ganzen Tag ein flaues Gefühl im Magen, aber als ich dann an der Linie stand, habe ich es einfach nur genossen, die Aufregung war weg. Ich bin froh, dass ich endlich wieder auf dem Platz stehen kann», resümierte er nach der emotionalen Partie. Russ spielte daraufhin wieder regelmässiger, erreichte mit der Eintracht sogar den Pokalfinal, verlor diesen jedoch.

Der Glaube an die Überraschung

Nun, ein Jahr danach, stand Russ erneut mit Frankfurt im Final. Wieder als Aussenseiter. Diesmal gegen die Bayern. Doch der 32-Jährige, der in den vergangenen Jahren so viel mit eigenen Zweifeln zu kämpfen hatte, glaubte vor dem Spiel an die Überraschung: «Es ist überragend toll, dass wir zweimal hintereinander im Final stehen. Das sollten alle, die dabei sind, geniessen.»

Sie haben es wohl genossen. Frankfurt gewinnt die Partie mit 3:1. Für Russ, der in der 74. Minute eingewechselt wurde, ist es der erste Titel mit Frankfurt. Und der erste Titel seiner Karriere. Einer Karriere, die innerhalb von zwei Jahren alle möglichen Emotionen durchging.

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