Aktualisiert 18.01.2019 06:39

Absurde HotelpreiseDen Massenschlag am WEF gibts für 32'236 Franken

Ein Davoser Hotel verlangt für einen zum Schlafen umfunktionierten Konferenzraum eine astronomische Summe – und spricht von einem Schnäppchen. Touristiker sind entsetzt.

von
Dominic Benz
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Während des WEF kann man in Davos noch in einem Konferenzsaal mit zehn Betten übernachten.

Während des WEF kann man in Davos noch in einem Konferenzsaal mit zehn Betten übernachten.

Vier Nächte kosten 32'236 Franken.

Vier Nächte kosten 32'236 Franken.

Auf den Bildern im Inserat ist der Konferenzraum abgebildet.

Auf den Bildern im Inserat ist der Konferenzraum abgebildet.

In Davos explodieren zum World Economic Forum (WEF) hin die Hotelpreise. Einige Unterkünfte bieten ihre Zimmer für mehrere Tausend Franken pro Nacht an. Doch nicht immer handelt es sich um normale Einzel- oder Doppelzimmer. Auch mit Massenschlägen versuchen Hotels so viel Geld wie möglich am WEF zu verdienen.

Wer etwa am Donnerstag auf der Buchungsplattform Booking.com noch eine Davoser Unterkunft in der WEF-Woche finden möchte, kann einen «gemischten Schlafsaal mit zehn Betten» für vier Nächte buchen. Der Preis: 32'236 Franken – das sind rund 8000 Franken pro Nacht. Bei genauem Hinsehen handelt es sich beim Schlafsaal aber um einen Konferenzsaal. Das machen die Fotos im Inserat deutlich. Der Saal soll offenbar während des WEF zum Massenschlag umgenutzt werden.

«Ein Schnäppchen»

Das für das Inserat verantwortliche Hotel Derby bestätigt auf Anfrage, dass es sich um einen Konferenzraum handle. Diesen wolle man aber auch als solchen vermieten. Zwar habe man den Raum als Schlafsaal auf Booking.ch platziert, das aber nur, um Zugang zum Vermietungsmarkt zu erhalten. Angesichts der Fotos sei ohnehin jedem Interessenten klar, dass es sich dabei nicht um die Vermietung eines Massenschlags, sondern eines Konferenzraumes handle.

Den Preis für einen Konferenzraum hält das Hotel für gerechtfertigt. Da etliche Hotels am WEF solche Säle für bis zu mehrere Hunderttausend Franken pro Tag vermieten würden, seien die von ihnen veranschlagten rund 8000 Franken pro Tag für einen Konferenzraum geradezu «ein Schnäppchen», teilt das Hotel mit. Bereits kurz vor Weihnachten hatte das Hotel Derby ein Einzelzimmer für 5400 Franken für drei Nächte in der WEF-Woche angeboten. Mittlerweile ist das Hotel ausgebucht. Nur noch der Konferenzraum ist zu haben.

«Spiel mit dem Feuer»

Der frühere Chef des Steigenberger Grandhotel Belvédère in Davos und heutige Präsident des Hotellerieverbandes Graubünden, Ernst Wyrsch, verurteilt diese hohen Preise scharf. «Das sind genau die Auswüchse, die wir nicht brauchen», sagt er zu 20 Minuten. Die Leute seien sich nicht bewusst, wie rufschädigend eine solche Abzocke für das WEF und die Region Davos sei. Es sei ein Spiel mit dem Feuer. «Wenn das WEF mal weg ist, dann ist es für immer weg», so Wyrsch.

Dass das Hotel Derby etwa einen Konferenzsaal als Schlafsaal anpreist, findet Wyrsch «ein grauenhaftes Verhalten». Das sei eine Irreführung und Täuschung. Grundsätzlich richten sich die Preise für einen Konferenzraum zwar nach dem Markt. «Jetzt aber von einem Schnäppchen zu sprechen, ist ein Kokettieren mit den Preisen.»

«Letzte Zitrone auspressen»

Reto Branschi, Direktor der Tourismusorganisation von Davos-Klosters, betont, dass es während des WEF nicht grossflächig zu Exzessen bei Hotelpreisen komme. Das passiere lediglich bei drei Hotels in Davos, so Branschi. Denn der Rest der rund 80 Hotels habe einen Vertrag mit dem WEF. «Dieser besagt, dass während des Forums die Zimmerpreis maximal 20 Prozent über dem höchsten publizierten Preis im Jahr liegen dürfe», sagt Branschi.

Der Tourismuschef glaubt nicht, dass das Hotel Derby den Konferenzraum nur für Sitzungen oder Workshops vermieten will. Man würde diesen für so viel Geld bestimmt auch zum Massenschlag umfunktionieren. Schliesslich sei der Raum auf Booking als Schlafsaal mit zehn Betten ausgeschrieben. Für Branschi ist klar: «Hier will man die letzte Zitrone ohne Ende auspressen.»

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