Raubmord Metzerlen (SO) - Pink-Panther-Bande droht 20 Jahre Gefängnis
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Mord von Metzerlen SODen mutmasslichen Pink-Panther-Räubern droht 20 Jahre Gefängnis

Die zwei Pink-Panther-Diebe sollen mehrere Überfälle und gar einen Raubmord verübt haben: Am zweiten Prozesstag zeigten die Anwälte die Brutalität der Verbrechen auf.

von
Céline Krapf
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2010 wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen, Ivo Bohrer, bei einem Raub ermordet. 

2010 wurde der Gemeindepräsident von Metzerlen, Ivo Bohrer, bei einem Raub ermordet.

Dominik Pluess
Die Beschuldigten werden der international tätigen Juwelen-Diebesbande Pink Panthers zugerechnet. Einer der Hauptbeschuldigten soll an einem Raubüberfall auf einen Juwelier in Wettingen AG beteiligt gewesen sein.

Die Beschuldigten werden der international tätigen Juwelen-Diebesbande Pink Panthers zugerechnet. Einer der Hauptbeschuldigten soll an einem Raubüberfall auf einen Juwelier in Wettingen AG beteiligt gewesen sein.

Polizei AG
Das blutige Verbrechen erschütterte die beschauliche Leimentaler Gemeinde Metzerlen SO. 

Das blutige Verbrechen erschütterte die beschauliche Leimentaler Gemeinde Metzerlen SO.

Wikimedia/Yesuitus2001

Darum gehts

  • Vor zehn Jahren starb der Gemeindepräsident von Metzerlen-Mariastein SO nach einem Raubüberfall.

  • Ab Montag stehen die dafür Hauptbeschuldigten vor Gericht. Es handelt sich um einen Serben (44) und einen Holländer (41), die Kontakte zur Pink-Panther-Diebesbande pflegen sollen.

  • Die zwei Männer sind wegen Mordes und bandenmässigen Raubes angeklagt.

  • Der Prozess findet aus Sicherheitsgründen an einem geheimen Ort statt, da die Angeklagten Verbindungen zur internationalen Pink-Panther-Diebesbande pflegen sollen.

Sie sollen ihn gemeinsam verprügelt und dann in seinem Blut zurückgelassen haben: Ein Holländer (41) und ein Serbe (44) stehen seit Montag wegen Mord und bandenmässigem Raub vor dem Richteramt Dorneck-Thierstein SO. Neben Überfällen auf Schmuck- und Uhrenläden sollen die Männer den Gemeindepräsidenten von Metzerlen-Mariastein SO Ivo Borer (71) bei einem Raub vor elf Jahren getötet haben.

Nachdem am ersten Prozesstag mehrere Zeugen Auskunft gaben, folgten am Dienstag die Plädoyers. Den Start machte Staatsanwalt Raphael Stüdi. Ein anonymer telefonischer Tipp habe einen ersten Hinweis geliefert, dass es sich um Mitglieder der Pink-Panther-Bande handle, einem internationalen Diebes-Netzwerk. Diese Vermutung habe sich über die Jahre erhärtet. Ein Beweis für die Schuld des Serben waren DNA-Spuren, die auf dem Schal am Tatort gefunden wurden. Dazu komme die ungewöhnliche Art Kabelbinder, die der Beschuldigte auch bei anderen Raubüberfällen benutzt habe. Zudem hätten ihn die Aussagen des Zeugen als Täter identifiziert.

«Borer hatte nicht den Hauch einer Chance»

Das Motiv der Tat in Metzerlen sei Geld gewesen, sagt Stüdi: Eine Arbeitskollegin von Borers Frau habe «Information gestreut», dass beim Gemeindepräsidenten «eine Million Franken» zu holen sei. Als der serbische Auftraggeber (67) der Bande davon erfahren hatte, habe dieser die zwei Beschuldigten rekrutiert. Für Raphael Stüdi ist klar, dass der Holländer (44) beim Raubmord beteilt war. Einerseits sei er in vorhergehenden Überfällen mit dem Serben involviert gewesen, zudem hätten die Aussagen der Zeugen und ein gefälschtes Arztzeugnis als Alibi-Versuch darauf hingewiesen.

Am Tatort habe man auch zwei unterschiedliche, blutige Schuhabdrücke entdeckt, führt der Staatsanwalt aus. Das Gutachten spreche von zwei Gegenständen, mit denen die Täter gleichzeitig auf den Gemeindepräsidenten eingedroschen hätten. «Borer hatte nicht den Hauch einer Chance», sagt Stüdi. Die Männer seien «skrupellos und extrem rücksichtslos» vorgegangen bei der Tat und hätten den Gemeindepräsidenten hilflos in seinem Blut zurückgelassen.

Anwalt fordert Freispruch

Auch der Überfall in ein Schmuckgeschäft in Wettingen im Februar im gleichen Jahr sei beiden Beschuldigten zuzuweisen. Der Überfall auf ein Einkaufszentrum Tivoli in Spreitenbach jedoch nur dem Holländer. Die Solothurner Staatsanwaltschaft fordert für den Serben und den Holländer wegen Mord und bandenmässigem Raub eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren. Der 67-jährige serbische Auftraggeber ist wegen qualifizierten Raubes angeklagt und soll 13 Jahre und zwei Monate hinter Gitter. Der beim Einbruch im Tivoli beteiligte Kroate (45) soll 20 Monate Freiheitsstrafe erhalten.

Der Verteidiger des Holländers, Thomas Fingerhuth, fordert hingegen einen Freispruch seines Klienten: Der Zeuge, auf den sich die Staatsanwaltschaft beruft, sei «unglaubwürdig». Weiter soll sein Mandant einen Schadenersatz von 200’000 Franken erhalten.

Der Prozess wird am Mittwochmorgen weitergeführt. Das Urteil folgt Mitte Juni, es gilt die Unschuldsvermutung.

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