Aktualisiert 31.01.2012 07:19

Megaupload

Den privaten Daten droht die Löschung

Auf den Megaupload-Servern haben die Nutzer riesige Datenmengen hinterlegt. Obwohl es sich dabei nicht nur um Raubkopien handelt, hat die US-Staatsanwaltschaft das Okay zur Löschung gegeben.

Eingang zur Megaupload-Niederlassung in Hongkong.

Eingang zur Megaupload-Niederlassung in Hongkong.

Die auf Megaupload hochgeladenen Filme, Musikdateien oder Fotos sind auf angemieteten Computern in den Rechenzentren von IT-Dienstleistern gespeichert. Diese IT-Dienstleister könnten ab dem 2. Februar damit beginnen, die Inhalte zu löschen, erklärte die zuständige US- Staatsanwaltschaft in einem Brief an die Rechtsanwälte von Megaupload.

Das Schreiben datiert vom Freitag. Einige Nutzer scheinen sich in Sorge um ihre Daten direkt an die darin genannten IT-Dienstleister Carpathia Hosting und Cogent Communications gewandt zu haben.

Carpathia bat am Montag darum, von Anfragen abzusehen, und erklärte: «Wir haben keine Möglichkeit, die auf den Servern liegenden Inhalte an die Nutzer von Megaupload zurückzugeben.» Man möge sich direkt an Megaupload wenden. Den Löschungstermin Donnerstag wollte das Unternehmen nicht bestätigen. Das Datum stamme nicht von Carpathia, hiess es. Cogent Communications liess eine Anfrage unbeantwortet.

Drehscheibe für Raubkopien

Die Behörden sehen Megaupload.com als eine Drehscheibe für Raubkopien und hatten das Portal vor anderthalb Wochen vom Netz genommen. Den deutschen Gründer Kim Dotcom liessen die US-Fahnder an seinem Wohnsitz in Neuseeland verhaften. Seitdem kommen die Nutzer nicht mehr an ihre Daten heran – auch wenn es sich um legale Dateien wie etwa Familienfotos oder private Briefe handelt. Auf der Website prangt ein Beschlagnahme-Hinweis des US-Justizministeriums und der Bundespolizei FBI.

Dem Brief der Staatsanwaltschaft zufolge hat sie ausgesuchte Daten von Megaupload kopiert; die Speichercomputer selbst stehen aber weiterhin in den Rechenzentren. Es gebe kein weiteres Interesse der Strafverfolger daran, hiess es.

Was mit den Daten nun passiert, ist unklar. Die Beschuldigten dürfen zwar laut Staatsanwaltschaft wieder an die Megaupload-Daten heran. Doch die Frage ist, wie nach der Polizeiaktion die Miete für die Speichercomputer gezahlt werden soll.

Über eine halbe Milliarde Dollar Schaden

Die US-Behörden werfen Dotcom und weiteren Betreibern vor, mehr als 175 Millionen Dollar an der illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten verdient zu haben – durch die Gebühren der Nutzer oder durch Werbung.

Den Schaden für die Hollywood-Studios oder Plattenfirmen bezifferten die Ermittler auf deutlich über eine halbe Milliarde Dollar. Die Anwälte von Kim Dotcom, der früher als Kim Schmitz bekannt war, bestreiten die Vorwürfe. Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt.

Wohl keine juristischen Folgen für die User

Nutzer, die Megaupload für den illegalen Tausch von geschützten Inhalten verwendet haben, müssen nach Einschätzung des Fachanwalts Udo Vetter aber nicht mit juristischen Konsequenzen rechnen.

Im Gegensatz zu Tauschbörsen wie Gnutella oder eMule könnten Überwachungsfirmen im Auftrag der Content-Industrie bei Filehostern wie Megaupload von aussen keine Anwender anhand ihrer Internet- Adresse (IP-Nummer) identifizieren. Und vermutlich seien auf den Servern von Megaupload keine Verbindungsdaten gespeichert.

Kunden von Megaupload, die für einen besseren Zugang mit einer Kreditkarte oder per Banküberweisung gezahlt hätten, könnten jedoch unter Umständen identifiziert werden. «Nach meiner Meinung kann man aus einem Premiumzugang keinen Anfangsverdacht herleiten», schrieb Vetter allerdings auf seinem Blog lawblog.de. Vom Grundsatz her seien Filehoster legale Dienste.

Update 7.30 Uhr

Die auf den Megaupload-Servern gespeicherten Daten werden vorläufig doch nicht gelöscht. Sie sind laut einem Bericht von «The Next Web» mindestens für die nächsten zwei Wochen sicher. Offenbar ist es zu einer Einigung gekommen zwischen Megaupload und den beiden Firmen Carpathia Hosting und Cogent Communications, die den Speicherplatz gegen Bezahlung zur Verfügung stellen. Wie eine Megaupload-Anwältin verlauten liess, habe man damit Zeit gewonnen, um eine Lösung zu finden mit den US-Behörden. (sda)

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