Ökosystem in Gefahr - Den Schweizer Seen geht der Sauerstoff aus
Publiziert

Ökosystem in GefahrDen Schweizer Seen geht der Sauerstoff aus

Eine Fachzeitschrift hat 400 Seen auf der ganzen Welt untersucht, auch in der Schweiz. Befund: Der Sauerstoffgehalt ist in den letzten vier Jahrzehnten teils stark zurückgegangen.

1 / 5
Fisch im Blausee im Kanton Bern: In Schweizer Seen hat es immer weniger Sauerstoff.

Fisch im Blausee im Kanton Bern: In Schweizer Seen hat es immer weniger Sauerstoff.

20min/Simon Glauser
Das fanden Forschende in einer gross angelegten Studie heraus.

Das fanden Forschende in einer gross angelegten Studie heraus.

20min/Taddeo Cerletti
In tiefen Lagen hat es fast 20 Prozent weniger Sauerstoff als noch vor vier Jahrzehnten.

In tiefen Lagen hat es fast 20 Prozent weniger Sauerstoff als noch vor vier Jahrzehnten.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • In den Seen hat es weltweit weniger Sauerstoff als noch vor vier Jahrzehnten.

  • Dramatische Rückgänge um bis zu 20 Prozent führen zu Artensterben.

  • Der Mensch ist wegen der globalen Erwärmung und Faktoren wie Kläranlagen und Düngemitteln mitschuldig.

Der Sauerstoffgehalt in Seen in den USA, Europa, Neuseeland und Japan ist einer neuen Studie zufolge in den vergangenen vier Jahrzehnten zurückgegangen. Eine Untersuchung von knapp 400 Gewässern kam zu dem Schluss, dass der Sauerstoffgehalt im Wasser an der Oberfläche der Seen um 5,5 Prozent gesunken sei, der im tiefen Wasser um 18,6 Prozent. Betroffen ist auch die Schweiz: Daten des Lago Maggiore, der Zürcher Wasserversorgung, des Genfersees und des Bodensees flossen in die Untersuchung ein.

Die Studie wurde am Mittwoch in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlicht. Die Forscher vermuten, dass steigende Temperaturen und damit verbundene menschliche Aktivitäten den Rückgang verursachen. Die Autoren der Studie schrieben, dass ein sinkender Sauerstoffgehalt zu mehr Fischsterben, Algenblüten und Methangasemissionen führen könnte.

Mensch trägt Mitschuld

«Sauerstoff ist einer der besten Indikatoren für die Gesundheit des Ökosystems und Veränderungen in dieser Studie spiegeln einen ausgeprägten menschlichen Fussabdruck wider», teilte der Co-Autor Craig E. Williamson mit. Menschliche Aktivitäten tragen demnach zu globaler Erwärmung und einer schlechteren Wasserklarheit bei, unter anderem wegen der Abfallprodukte von Kläranlagen, Düngemittel- und Autofabriken sowie Kraftwerken.

Wenn der Sauerstoffgehalt in tiefem Wasser zurückgeht, ist das gefährlich für Organismen, die empfindlicher auf Temperaturanstiege reagieren. Sie brauchen das kühlere Wasser weiter unten im See. Wenn dieses wenig Sauerstoff hat, können die Organismen nicht überleben. «Es bedeutet wirklich, dass viele Lebensräume für Kaltwasserfische unbewohnbar werden könnten», teilte der Co-Autor Kevin C. Rose mit.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(dpa/her)

Deine Meinung

41 Kommentare