Astrofotografie: Den Sternen so nah

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AstrofotografieDen Sternen so nah

Sichtbar machen, was mit blossem Auge nicht erkennbar ist: Mit seiner Astrofotografie hält ein 16-Jähriger den Sternenhimmel über Bern fest.

von
Nadine Ellis

«Astrofotografie braucht viel Geduld. Besonders am Anfang gelingen viele Bilder nicht besonders gut», sagt der 16-jährige Fabian Mast aus Niederscherli. Auch müsse man die Sternbilder gut kennen und etwas von der Technik verstehen – «das lernt man aber».

Bereits im zarten Alter von fünf Jahren interessierte sich Mast für die Astronomie. «Mein Götti hat mir viele Sternbilder gezeigt und mich mit seiner Leidenschaft angesteckt», erzählt der Elektronik-Lehrling. Damals hatten sie unter anderem den spektakulären Venustransit, ein seltenes Naturspektakel, bei dem der Planet vor der Sonne vorbeizieht, zusammen durch ein Teleskop beobachtet. «Seither fasziniert mich die Astronomie wahnsinnig.»

Kosten? – Keine Grenzen nach oben

Seit rund eineinhalb Jahren fotografiert Mast nun regelmässig den Sternenhimmel über Niederscherli. Um die unendlichen Weiten des Weltalls ablichten zu können, braucht man eine spezielle Ausrüstung – und die hat ihren Preis: «Den Kosten für eine gute Ausrüstung sind keine Grenzen nach oben gesetzt», sagt Mast. Für seine modifizierte Kamera, das Teleskop und die Montage hat er rund 2800 Franken bezahlt. Die Ausrüstung hat er selbst finanziert: «Ein Teil stammt von meinem Ersparten auf einem Privatkonto, von dem ich vorher noch nie etwas abgehoben habe. Den Rest habe ich mit meinem Konfirmationsgeld bezahlt.»

Inzwischen hat sich der 16-Jährige schon zahlreiche Nächte mit seiner Ausrüstung im heimischen Garten um die Ohren geschlagen. Die Nächte der letzten Monaten kann er aber an einer Hand abzählen: «Entweder hatte ich keine Zeit oder das Wetter war nicht so gut für Aufnahmen.» Wenn es dann aber möglich ist, baut er seine Ausrüstung am Abend auf, stellt sein Teleskop ein und lässt die Kamera fotografieren. Pro Nacht entstehen so zwischen 10 und 30 brauchbare Fotos.

Ausstellungen von Astrofotografen sind selten

Für sein Lieblingsmotiv, den Schleiernebel, war seine Ausrüstung gar während fünf Nächten im Einsatz. Neben dem Schleiernebel liebt es der junge Astrofotograf, Galaxien und Planeten abzulichten: «Mich fasziniert, dass man mit der Fotografie und der Langzeitbelichtung etwas sichtbar machen kann, das man von blossem Auge nicht erkennen kann.»

Neben seinen nächtlichen Fotosessions im Garten beansprucht auch die Bearbeitung der Bilder viel Zeit – bis gar doppelt so lange wie das Fotografieren selbst. Ein Programm rechnet dabei mehrere seiner Bilder zu einem Bild zusammen und rechnet das sogenannte Bildrauschen heraus. Im Anschluss müssen die Details noch mit einem geeigneten Programm herausgearbeitet werden.

Die Astrofotografien schiesst der 16-Jährige mehrheitlich für sich selbst. Er postet seine Fotos regelmässig auf Astrobin und auf Facebook. Auch hat er schon an einem Fotowettbewerb teilgenommen, was ihm grossen Spass gemacht hat: «Es könnten ruhig noch einige Wettbewerbe mehr werden.»

Feldstecher statt Teleskop

Zum Schluss räumt Mast noch mit einem Irrglauben auf: «Die Mehrheit glaubt, man brauche zum Beobachten der Sterne ein riesiges und teures Teleskop – das ist aber gar nicht so.» Oft sitze er mit einem Feldstecher und einem Stativ im Garten und beobachte die Sterne, während seine Kamera Aufnahmen mache. Mast: «Dabei sieht man wirklich viel. Ich habe beispielsweise schon eine Kometen mit meinem Feldstecher für 150 Franken beobachten können.»

Aufnahme der Totalen Mondfinsternis von Fabian Mast

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