18.11.2020 15:58

Superspreader-Feiertag?Den USA droht wegen Thanksgiving ein Coronavirus-Fiasko

In den USA stiegen die Coronavirus-Fälle in den letzten Wochen stark an. Nun steht Thanksgiving an – den Tag, zu dem sich verstreute Familien jedes Jahr zusammenfinden. Gesundheitsbehörden schlagen Alarm.

von
Lucas Orellano
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Wird Thanksgiving 2020 wegen des Coronavirus als Superspreader-Feiertag in die Geschichte eingehen?

Wird Thanksgiving 2020 wegen des Coronavirus als Superspreader-Feiertag in die Geschichte eingehen?

Keystone
Normalerweise feiern Familien das Erntedankfest gemeinsam.

Normalerweise feiern Familien das Erntedankfest gemeinsam.

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Doch die diesjährige Ausgangslage ist anders. Die Covid-Zahlen im gesamten Land sind hoch.

Doch die diesjährige Ausgangslage ist anders. Die Covid-Zahlen im gesamten Land sind hoch.

Keystone

Darum gehts

  • Thanksgiving ist in den USA neben Weihnachten der wohl wichtigste Feiertag ,

  • Im ganzen Land feiern Familien jeweils zusammen – auch wenn sie verstreut wohnen.

  • Doch die diesjährige Ausgangslage ist prekär. Die Covid-Zahlen im gesamten Land sind hoch.

  • Gesundheitsbehörden warnen jetzt vor einem starken Anstieg der Zahlen.

Wegen der Präsidentschaftswahlen und dem darauffolgenden Chaos rückte die Coronavirus-Pandemie in den USA zeitweise in den Hintergrund. Doch die Zahlen aus Amerika sind alles andere als vielversprechend. Am Montag und Dienstag vermeldete die Johns Hopkins Universität 158’000 respektive 162’000 neue Fälle. Die Spitäler ächzen unter über 70’000 Covid-Patienten und zunehmend sind auch die Intensivstationen des Landes überlastet. Die Todeszahlen pro Tag übersteigen regelmässig die Tausender-Grenze.

Führt Thanksgiving in den USA zum Anstieg der Fallzahlen?

In einigen Wochen könnten sich die Zahlen noch einmal verschlimmern. Am vierten Donnerstag im November feiern die USA Thanksgiving, abgesehen von Weihnachten vielleicht das wichtigste Fest im Kalender der Amerikanerinnen und Amerikaner. Es ist die Zeit, wo sich übers ganze Land verstreute Familien zusammenfinden und einige Tage zusammen verbringen und heuer am 26. November den traditionellen Truthahn verspeisen.

Flugreisen, lange Treffen von Menschen aus verschiedenen Haushalten, drinnen in schlecht gelüfteten Räumen und ohne Einhaltung der Maskenpflicht: Gleich mehrere Risikofaktoren für eine rasante Ausbreitung des Coronavirus treffen aufeinander. «Ausserdem», gibt das Magazin «Time» zu bedenken, «ist es schwierig, eine Maske anzuhaben, wenn man gerade damit beschäftigt ist, sich Grossmamas Truthahn und Füllung ins Gesicht zu drücken.» Vom vorsichtsmindernden Alkoholkonsum ganz zu schweigen.

Universität warnt vor grosser Infektions-Chance

Eine interaktive US-Karte der Universität Georgia Tech veranschaulicht ausserdem. Das statistische Risiko, eine mit dem Coronavirus infizierte Person an einer Zusammenkunft von mehreren Menschen dabeizuhaben, liegt in vielen Regionen derzeit über 50 Prozent. In Teilen von Minnesota, North und South Dakota, Montana und Wisconsin liegt sie sogar bei fast 100%. Das bei einer Gruppengrösse von 15 Personen.

Schlechte Erfahrungen in China und Kanada

Die Gesundheitsbehörden schlagen deshalb schon seit Tagen Alarm und erinnern daran, dass Treffen derzeit nicht empfehlenswert sind. Das CDC rief auf Twitter dazu auf, Thanksgiving dieses Jahr virtuell durchzuführen.

Der bekannte Immunologe und Regierungsberater Anthony Fauci empfahl, auch bei Familienfesten Masken zu tragen. Er selber werde wohl auf einen Besuch seiner Kinder verzichten, wie er gegenüber der Agentur AP sagte.

Ob die Amerikanerinnen und Amerikaner sich daran halten werden, ist unklar. Das Department of Public Health im Bundesstaat Minnesota versuchte schon gar nicht, die Menschen davon abzuhalten, Thanksgiving zusammen zu feiern, und empfahl stattdessen, sich vorher testen zu lassen.

Dass grosse Feiertage zu einem rasanten Anstieg der Coronavirus-Zahlen beitragen können, zeigte sich im vergangenen Januar beim Chinesischen Neujahr. Ähnlich auch Kanada. Der nördliche US-Nachbar feierte Thanksgiving bereits am 12. Oktober und verzeichnete danach eine steil ansteigende Fall-Kurve.

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BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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