Sponsored: «Den Wert der Schweiz zu messen, ist unmöglich»
Aktualisiert

Sponsored«Den Wert der Schweiz zu messen, ist unmöglich»

Wo die Schweiz enormes Glück hat, weshalb sie so schön ist und wann unser Essen zu billig ist, sagt Wissenschaftler Matthias Bürgi.

1 / 25
Mancherorts wie im Bilderbuch: Der Wert der Schweizer Landschaft... Giorgia Müller

Mancherorts wie im Bilderbuch: Der Wert der Schweizer Landschaft... Giorgia Müller

...ist schwer mit einer Summe zu bemessen. Es steckt nicht nur die Arbeit von Jahrhunderten drin, wie bei diesem hoch gelegenen Urweizenfeld im Engadin. Giorgia Müller

...ist schwer mit einer Summe zu bemessen. Es steckt nicht nur die Arbeit von Jahrhunderten drin, wie bei diesem hoch gelegenen Urweizenfeld im Engadin. Giorgia Müller

Die Koexistenz von Grünflächen und stark besiedelten Gebieten ist ebenfalls eine Qualität, die viele Menschen sehr schätzen. Die Schweiz... Giorgia Müller

Die Koexistenz von Grünflächen und stark besiedelten Gebieten ist ebenfalls eine Qualität, die viele Menschen sehr schätzen. Die Schweiz... Giorgia Müller

Wieso ist in der Schweiz alles so ordentlich, von der perfekt geschliffenen Strassenkante bis zur säuberlich gemähten Weide?

Das ist ein Charakterzug, den sich die Schweiz leisten kann. Die aufwändige Detailpflege ist aber nicht nur Ausdruck des erreichten Wohlstandes.

Wieso nicht? Im nahen Ausland sieht man, dass es auch mit weniger Perfektionismus bestens geht.

Diese Mentalität ist über lange Zeit entstanden. Die Menschen in der Schweiz haben sich über Jahrhunderte intensiv mit der Landschaft und der Natur auseinandergesetzt. Das hat zu einem besonderen, manchmal auch etwas übertriebenen Sinn für Ordnung und Sauberkeit geführt. Ein Bauer wischt auch am Samstagabend um den Hof.

Touristen wie Einheimische schätzen an der Schweiz nicht nur das Ordentliche, sondern vor allem auch deren Schönheit. Wieso wirkt die Landschaft so anziehend?

Die Vielfalt der Naturräume auf engstem Raum ist einzigartig.

Nirgends sonst gibt es auf knapper Fläche eine solche Geologie mit dem Jura, Mittelland, den Alpen mit Schnee und Eis und gleich darunter das Tessin mit Palmen am Seeufer.

Die Landwirtschaft mit Feldern und Nutztieren hat in der Schweiz eine sehr lange Tradition und prägt die Qualität der Landschaft massgeblich. Abgesehen davon, welches ist die grösste Veränderung des Landschaftsbildes?

Zwei Phasen sind prägend: Der Ausbau der Infrastruktur ab Mitte des 19. Jahrhundert, als die Eisenbahn aufkam und die Vergrösserung des Strassennetzes begann. Im 20. Jahrhundert folgte eine rege Bautätigkeit mit wachsenden Siedlungen, Stromnetzen etc.

Wie stark identifizieren sich hierzulande die Menschen mit ihrer Landschaft?

Je ländlicher, desto schöner: das gilt nicht nur für Touristen. Während die Lebensqualität auch in urbanen Zentren als hoch eingeschätzt wird, gefällt Menschen in periurbanen Regionen ihr Wohnort oft weniger gut.

Ist eine Stärkung der Landwirtschaft im Mittelland denkbar, um den Menschen die Erholung in der Natur zu erleichtern?

Die Nähe zum Grünraum ist tatsächlich ein wichtiger Faktor, um sich erholen zu können. Ein Rückbau von Siedlungsflächen ist aber nicht absehbar. Daher wird die konsequente Trennung von Siedlungen und Landwirtschafts- bzw. Grüngebieten immer wichtiger.

Könnte man die Erholungsräume nicht günstiger haben als mit der subventionierten Landwirtschaft? Im Vergleich zum Ausland sind Schweizer Produkte teuer, die reine Landschaftspflege wäre möglicherweise billiger.

Solche Überlegungen kann man anstellen, doch die Landwirtschaft hat einen sehr hohen Rückhalt in der Bevölkerung.

Von den 53'000 landwirtschaftlichen Betrieben könnten die meisten ohne Gelder vom Bund nicht überleben. Andere Branchen wurden auch komplett umgekrempelt oder verschwanden wie etwa die Webereien.

Es gibt einige gewichtige Gründe für den Erhalt einer starken Landwirtschaft. Die Landwirtschaft hat eine enorm lange Tradition. Zudem ist sie nicht nur für ein schönes Erscheinungsbild und Grünräume zuständig, sondern trägt mit den richtigen Massnahmen auch entscheidend zur Biodiversität und natürlich zur einheimischen Nahrungsmittelproduktion bei. Und die Qualität von Lebensmitteln wie Milch, Käse und Fleisch ist in der Schweiz sehr hoch.

Bioqualität gibt es auch aus dem Ausland.

Abgesehen vom fragwürdigen Transportweg fehlt einem Biohuhn aus Brasilien ein entscheidender Faktor: die Nähe und damit der Bezug der Konsumenten zur Herstellung ihres Essens. Das ist erstmal ein emotionaler Wert, trägt aber zur Lebensqualität bei. Die Menschen möchten nicht nur sicher sein, dass ihre Nahrung einwandfrei ist, sie wollen auch wissen, woher sie kommt. Die Regionalität ist ein unschlagbarer Vorteil.

Viele Gebiete der Schweiz bestehen aus Hügeln und Bergen. Auf steilen Flächen werden seit jeher Kühe, Schafe und Geissen gehalten und Gras geschnitten, um daraus Milch, Käse und Fleisch zu produzieren. Sind heutzutage nicht auch andere Dinge denkbar?

In Nischen ja, wie Berggetreide und die Kräuterproduktion zeigen. Grossflächig werden aber weiterhin Alpweiden dominieren.

Wie sinnvoll sind hochgelegene Alpwirtschaften heute noch?

Ohne Pflege der Weiden verwalden die Flächen. Nicht nur die Lebensmittelproduktion, auch die Biodiversität würde zurückgehen. Weniger Wiesen und Weiden wären ein riesen Verlust. Die Waldfläche in der Schweiz ist gross genug.

Mehr Wildnis bringt weniger unterschiedliche Organismen?

Erst die Vielfalt sorgt für Biodiversität. Wo es ausschliesslich Wald gibt, leben nur bestimmte Tiere und Pflanzen. Nur der Mix aus diversen Lebensräumen, aus Wäldern, Wiesen, Hecken und unterschiedlichen Nutzungen sorgt für eine grosse Flora und Fauna.

Wohin gehen die Trends in der Landwirtschaft? Essen wir bald nur noch Biofleisch?

Der Mega-Trend ist die grosse Vielfalt der Entwicklungen. Einerseits ist die Landwirtschaft unter Druck, auf dem vorhandenen Raum mehr zu produzieren. Dafür sorgen effiziente Grossbetriebe. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach naturnaher Produktion. In diesem Bereich tut sich sehr viel. Und Hofläden, Urban Farming und Direktvermarktung bringen die Landwirtschaft näher an die Menschen - auch in den Städten.

Qualität kostet. Das können sich nicht alle leisten.

Vor 50 Jahren verwendete man rund einen Drittel des Einkommens fürs Essen. Heute ist es Bruchteil. Den Konsumenten wurde abgewöhnt, dass Lebensmittel etwas kosten. Doch es ist eine Rückbesinnung feststellbar: Lieber weniger, dafür bessere Qualität.

Wie sieht die Schweiz in 30 Jahren aus?

Spannend ist, wie hierzulande auf engem Raum mit viel Geld die unterschiedlichsten Bedürfnisse kombiniert werden. Wie schnell die Entwicklung sein wird, wissen wir heute nicht. Absehbar ist, dass die Energieproduktion sichtbarer wird, wenn mehr Strom aus Wind und Sonnenenergie gewonnen wird. Der Klimawandel wird ebenfalls Einfluss haben. In diesem Jahr war die Schweiz ja mehr Braunland als Grünland. Die diversen Herausforderungen werden wohl vermehrt regional-spezifisch gelöst.

Lässt sich die Schönheit oder der Wert der Schweizer Landschaft in Geld messen?

Da steckt Arbeit von Jahrhunderten drin - und viel geologisches Glück. Das zu bemessen ist nicht ernsthaft möglich. Es ist jedenfalls enorm viel wert.

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing in Zusammenarbeit mit «Schweizer Fleisch» erstellt.

Grasland Schweiz

Schweizer Nutztiere werden zu mehr als vier Fünfteln mit einheimischem Futter ernährt. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern eine sinnvolle Nutzung der landwirtschaftlichen Fläche. Denn aus topografischen Gründen kann davon nur knapp ein Drittel als Ackerfläche und für den Obst- oder Gemüseanbau genutzt werden.

Die restlichen zwei Drittel – Alpen, Hügel, Wiesen, Weiden – sind Grasland. Gras ist für den Menschen jedoch nicht direkt nutzbar. Aber Rinder, Kühe, Ziegen und Schafe können es verdauen und in hochwertige Produkte wie Milch, Käse, Fleisch, Leder und Wolle umwandeln. Die damit einhergehende Pflege der Landschaft trägt dazu bei, dass die Schönheit der Schweiz erhalten bleibt.

Sponsored

Diesen Beitrag hat Commercial Publishing in Zusammenarbeit mit «Schweizer Fleisch» erstellt.

Der stete Wandel

Wie sich die Schweizer Landschaft in den letzten 20'000 Jahren gewandelt hat, zeichnet das Buch Geschichte der Landschaft in der Schweiz nach. Es ist der erste grosse historische Überblick über die Geschichte und Entwicklung der vielfältigen Landschaften und umfasst die Epoche der Eiszeit, den Landesausbau im Mittelalter, ebenso wie Urbanisierung, Landwirtschaft und Verkehrs- und Siedlungsexpansion.

Das Fazit des Buches: Einen Idealzustand der Schweizer Natur hat es nie gegeben. Verwitterungsprozesse wirken seit jeher, ebenso Eingriffe der Menschen. Das historische Hintergrundwissen soll als Anregung für eine sinnvolle Raumplanung dienen: Statt radikalen Landschaftswandel hier und totalen «Käseglockenschutz» dort, empfehlen die Autoren einen sorgsamen Umgang mit der Landschaft.

Matthias Bürgi ist Leiter der Abteilung Landschaftsdynamik an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Er ist Mitherausgeber des Standardwerkes über die Geschichte der Schweizer Landschaft (siehe unten).

Deine Meinung